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Blechlawine in Südbrandenburg : Hoffnung im Kampf gegen Lärm

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Landkreis Spree-Neiße denkt über ein Nachtfahrverbot für Lastwagen auf der Bundesstraße 169 nach.

svz.de von
erstellt am 01.Mär.2017 | 05:00 Uhr

Lärmgeplagte Anwohner an der B169 in Südbrandenburg können darauf hoffen, dass bald weniger Verkehr durch ihre Orte rollt. Der Landkreis will ein Urteil des Verwaltungsgerichts Cottbus akzeptieren, hieß es am Montag. Ein Präzedenzfall im Streit um den Lärmschutz.

Jeden Tag dasselbe Bild: Egal ob am Morgen, über Mittag oder abends: Es vergeht kaum eine halbe Stunde, ohne dass eine Blechlawine durch Klein Oßnig (Spree-Neiße) südlich von Cottbus rollt. Selbst nachts müssen die Anwohner mit übermäßig viel Lärm klarkommen. Für sie besonders ärgerlich: Neben den rund 11 000 Autos, die seit Jahren täglich durch den kleinen Ort an der Bundesstraße 169 fahren, sind es weit mehr als 1000 Lastkraftwagen, die mitunter keine zwei Meter von der Hauswand entfernt über den Asphalt donnern.

Zwar gilt seit geraumer Zeit Tempo 30 entlang der Hauptverkehrsader im Ort. An der Lärmbelästigung hat das jedoch wenig geändert. Denn das Tempolimit wird zum Großteil ignoriert – laut der zuständigen Bußgeldstelle in 91 Prozent der Fälle. Deshalb fordern die Anwohner vom Landkreis, zumindest den Schwerlastverkehr zu beschränken.

Bislang ist der Kampf der Klein Oßniger gegen Lärm, Gestank und wackelnde Wände ohne Erfolg geblieben. Der Kreis als zuständige Straßenverkehrsbehörde hatte weitere Verkehrsbeschränkungen abgelehnt. Doch nach einem Urteil des Verwaltungsgerichts Cottbus hat sich das Blatt gewendet. Und die Anwohner können sich jetzt große Hoffnung machen, dass die Verwaltung für Abhilfe sorgt. Das Gericht hatte Ende vergangenen Jahres einer Klägerin aus Klein Oßnig Recht gegeben, die sich gegen die übermäßige Gesundheitsbelastung zur Wehr setzte. Nach gründlicher Prüfung habe man entschieden, keine Rechtsmittel gegen das Urteil einzulegen, sagte Landrat Harald Altekrüger (CDU). Somit hat sich die Verwaltung dazu verpflichtet, über den Antrag der Klägerin auf Lärmschutz neu zu befinden.

Über welche Maßnahmen der Kreis dabei konkret nachdenkt, ließ Altekrüger offen. Er erläuterte jedoch, dass unter anderem eine Umleitung oder ein Nachtfahrverbot denkbar seien. Wann der entsprechende Bescheid ergeht, konnte der Landrat ebenfalls nicht beantworten. Innerhalb des nächsten Vierteljahres müsse man tätig werden, um keine Unterlassungsklage zu kassieren, sagte er. „Aber ob der Bescheid dann schon fertig ist, ist fraglich.“

Altekrüger betonte, dass es sich um einen Präzedenzfall handele, der möglicherweise Auswirkungen bundesweit habe. Dabei ließ er durchblicken, dass er nicht besonders glücklich über den Ausgang des Prozesses sei. Schließlich sei die B169 eigens für einen hohen Anteil an Schwerlastverkehr gebaut worden. Zugleich müsse man einräumen, dass der Lkw-Verkehr dort in den vergangenen Jahren enorm zugenommen hat. Dennoch müsse die Straße auch in Zukunft entsprechend ihrer Widmung genutzt werden können, betonte der Verwaltungschef. „Alles andere wäre fatal.“ Eigentlich ist schon lange eine Ortsumfahrung geplant, die unter anderem Klein Oßnig entlasten würde. Wann die kommt, ist offen. Zuständig ist das Land, das mit der Planung weit hinterherhinke, kritisierte Altekrüger. „Ich erwarte, dass jetzt damit begonnen wird.“

Laut Bundesanstalt für Straßenwesen hat allein der Lastkraftverkehr in Klein Oßnig innerhalb von fünf Jahren seit Einführung der Autobahn-Maut um 74 Prozent zugenommen. Zudem hatten Lärmmessungen ergeben, dass die zulässigen Werte sowohl bei Tag als auch bei Nacht überschritten werden. Eigentlich könnten Laster auf ihrer Fahrt zwischen Cottbus und Dresden die A 15 und 13 über das Dreieck Spreewald nutzen. Tatsächlich aber nehmen die Fahrer oft die Abkürzung über die B 169, weil sie dadurch mehr als 30 Kilometer Strecke und die dafür fällige Mautgebühr sparen. Die Abkürzung führt nicht nur durch Klein Oßnig. Auch andere Orte wie Neupetershain, Lindchen, Allmosen und Großräschen klagen über zunehmenden Lkw-Verkehr.  

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