Kapazitätsengpässe : Hoffnung für Bahn-Pendler

Das Land reagiert auf die seit Jahren ansteigenden Zahlen von Pendlern im berlinnahen Raum.
Das Land reagiert auf die seit Jahren ansteigenden Zahlen von Pendlern im berlinnahen Raum.

Ideen von Brandenburgs Verkehrsministerin sehen schon kleinere Verbesserungen ab 2018 vor.

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07. Juni 2017, 05:00 Uhr

In Brandenburgs Pendlerzügen wird es zunehmend enger. Außerdem beklagen Kommunen, dass eine mangelhafte Bahnanbindung ihre Entwicklung behindere. Nun hat das Verkehrsministerium erstmals konkrete Verbesserungsvorschläge präsentiert.

Der Fahrgastverband Pro Bahn ist ungeduldig: Man habe massive Kapazitätsengpässe und erwarte für Brandenburg ein weiter wachsendes Passagieraufkommen. Dennoch gebe es keine konkreten Vorschläge und keine offene Diskussion über die Entwicklung des Nahverkehrs, kritisiert der Verband in einer aktuellen Stellungnahme.

Gestern hat Verkehrsministerin Kathrin Schneider (SPD) Ideen vorgestellt. Wenn auch zunächst lediglich vor der SPD-Landtagsfraktion. Hinzuzufügen ist, dass die Vorhaben noch nicht final mit Berlin abgestimmt sind und die genaue Finanzierung ebenfalls offen ist.

Kurzfristige Verbesserungen sind jedoch kaum möglich. Laufende Verkehrsverträge für einzelne Strecken gelten als kaum veränderbar. Das räumt auch der Verband Pro Bahn ein. So blickt Kathrin Schneider mit ihren Ideen vor allem auf die Zeit ab 2022/23, wenn viele Verträge eine Neuauflage erleben. Dafür strebt das Ministerium also unter anderem eine Verdichtung des Takts auf der Linie RE1 zwischen Frankfurt (Oder) und Magdeburg an. Zwischen Nauen und Berlin sollen dann drei Züge pro Stunde verkehren – und damit das boomende Havelland näher an die Hauptstadt bringen. Der Verlauf des RE2 von Cottbus nach Nauen soll neu konzipiert beziehungsweise von einer neuen Linie von Wittenberge nach Elsterwerda (RE9) ersetzt werden.

Zwischen Bad Belzig und Berlin sollen künftig Züge im 30-Minuten-Takt verkehren. Eine neue Regionalbahnlinie soll Ludwigsfelde über den BER und das Karower Kreuz mit Oranienburg verbinden. Die RB33 zwischen Berlin-Wannsee und Jüterbog soll künftig auch den Potsdamer Hauptbahnhof ansteuern.

Um diese und weitere Ziele zu erreichen, plant die Ministerin mit höheren Investitionen. So sollen die sogenannten Regionalisierungsmittel, von denen der Schienenverkehr maßgeblich lebt, sprunghaft steigen. Wurden 2016 noch rund 400 Millionen Euro ausgegeben, sollen es 2023 fast 500 Millionen Euro sein. Das dürfte ganz im Sinne von Pro Bahn sein. Der Verband kritisiert vehement, dass Brandenburg derzeit viel weniger Geld in den Schienenverkehr stecke als andere Länder.

Für die längerfristige Planung des Bahnverkehrs hat Ministerin Schneider Korridore definiert, in denen die Infrastruktur in besonderem Maße verbessert werden soll. Priorität haben hier demnach der zweigleisige Ausbau der S-Bahn zwischen Wannsee und Potsdam-Griebnitzsee und die Reaktivierung der Potsdamer Stammbahn. Vom weiteren Ausbau der Dresdner Bahn verspricht man sich Impulse etwa für die Gegend um Rangsdorf. Ebenso sieht man bei der RE1-Linie weiteres Entwicklungspotenzial. Im Fokus der Planer sind neben der Linie Berlin-Nauen die Heidekrautbahn im Barnim und der Prignitz-Express mit besonderer Rücksicht auf Velten. Hervorgehoben wird zudem die künftige Rolle des Bahnhofs Königs Wusterhausen.

Einige kleine Verbesserungen strebt die Verkehrsministerin bereits ab dem kommenden Jahr an. So soll der besonders zwischen Berlin und Potsdam überlastete RE1 in der Hauptverkehrszeit um zwei Züge verstärkt werden. Der RE3 soll ab 2018 in den Stoßzeiten ebenfalls verstärkt werden, um Pendler aus Südbrandenburg schneller nach Berlin beziehungsweise in den Speckgürtel zu bringen. Auf der RB55 soll der 20-Minuten-Takt zwischen Hennigsdorf und Velten bis 18.30 Uhr verlängert werden. Die RB26 (Berlin-Lichtenberg nach Küstrin) soll ab 2018 auch in Berlin-Mahlsdorf halten.

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