Höhenflug in der Tropenhalle

Die Anlage Tropical Islands ist nach Ansicht ihres Geschäftsführers die wichtigste Touristenattraktion im Land. Angst vor den EU-Förderkürzungen hat man dort nicht.ddp
Die Anlage Tropical Islands ist nach Ansicht ihres Geschäftsführers die wichtigste Touristenattraktion im Land. Angst vor den EU-Förderkürzungen hat man dort nicht.ddp

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14. August 2010, 01:57 Uhr

Potsdam | Der Südwesten Brandenburgs verliert wegen seiner relativ guten wirtschaftlichen Entwicklung ab 2011 die Höchstförderung der Europäischen Union (EU). Das Land wolle aber die Nachteile mit neuen Finanzierungsmöglichkeiten für die Unternehmen auszugleichen versuchen, sagte der Vorstandsvorsitzende der Landesinvestitionsbank (ILB), Klaus-Dieter Licht, gestern in Potsdam. Dazu zählten zinsfreie Nachrangdarlehen, die über acht Jahre laufen und drei Jahre tilgungsfrei seien. Auch wenn die Regionalbeihilfen im Südwesten künftig sänken, sei dessen Fortschritt positiv zu werten.

Nach der Erweiterung der EU 2004 stehen die eigentlich weniger wirtschaftsstarken neuen Länder als "reicher" dar. Um damals die Gelder aus Brüssel nicht für Brandenburg komplett einzubüßen, hatte die Regierung 2002 entschieden, das Land zur statistischen Datenerhebung in einen ärmeren Nordosten und einen wohlhabenderen Süden zu teilen. Seinerzeit drohte fast ganz Ostdeutschland ab 2006 aus der Höchstförderung für sogenannte Ziel-1-Gebiete herauszufallen. Messlatte dafür ist, ob eine Region die Schwelle von 75 Prozent des durchschnittlichen Bruttoinlandsproduktes (BIP) pro Kopf unter- oder überschreitet.

Besonders in der Lausitz war der damalige Beschluss der SPD/CDU-Koalition auf Kritik gestoßen. Zwar gilt seit 2006 formal nur für die Nordosthälfte Brandenburgs die höchste Förderstufe - faktisch profitierte aber auch der Südwesten, wo die Regionalbeihilfen bis jetzt für größere Firmen maximal 30 Prozent, für Kleinunternehmen 50 Prozent betrugen. Dort gehen sie von Januar 2011 um jeweils zehn Prozent zurück.

Eher gelassen nimmt man diese Entwicklung im Tropical Islands, der Ferienanlage in der ehemaligen Luftschiffhalle im Landkreis Dahme-Spreewald. Sie liegt im von der Förderkürzung betroffenen Südwestgebiet des Landes und ist in der Vergangenheit kräftig mit Fördergeld unterstützt worden. Doch die Anlage sieht sich nach Aussage ihres Geschäftsführers als die wichtigste Touristenattraktion im Land Brandenburg und will möglichst noch in diesem Jahr erstmals Gewinne erwirtschaften. Geschäftsführer Ole Bested Hensing sagte gestern, der Freizeitpark strebe an, die Verweildauer der Übernachtungsgäste, die derzeit bei knapp zwei Tagen liegt, zu verdoppeln. Wenn eine 750 000 Gäste im Schnitt in etwa dreieinhalb Tage bleiben würden, seien die unternehmerischen Ziele erreicht. 2009 besuchten etwa 880 000 Menschen die Anlage und blieben durchschnittlich 1,8 Tage.

Hensing sagte, die asiatischen Eigentümer von Tropical Islands seien mit der Entwicklung sehr zufrieden. Deswegen sollten die Übernachtungskapazitäten von 1000 Plätzen verdoppelt werden. Auch sei die Anlage inzwischen von herausragender Bedeutung für die Tourismuswirtschaft des Landes. Nur durch den enormen Aufschwung im Kreis Dahme-Spreewald könne Brandenburg überhaupt eine positive Entwicklung melden. Dies bestätige auch das jüngste Tourismusbarometer des ostdeutschen Sparkassenverbandes. Dort wird bestätigt, dass der Kreis einen herausragenden Platz in Brandenburg einnehme. Tropical Islands selbst ist bislang mit 17,6 Millionen Euro gefördert worden, profitiert aber darüber hinaus auch von der zusätzlich geschaffenen Infrastruktur.

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