Hilfe in über 1200 Gruppen

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19. Februar 2010, 01:57 Uhr

Potsdam | Sie hängen an der Flasche, sind zu dick, schwer erkrankt oder trauern um Kinder: In Selbsthilfegruppen finden viele Menschen nicht nur Gleichgesinnte zum Reden, sondern auch Rat zum Umgang mit Krankheit, dem eigenen Problem. Auch Angehörige bekommen Halt und Trost bei Gesprächsrunden und Abwechslung bei Ausflügen und Touren. In Brandenburg unterstützen 22 Kontaktstellen diese Gruppen. "Der Ansatz ist immer Hilfe zur Selbsthilfe", sagte Bärbel Schenk, Vorstandsmitglied der Landesarbeitsgemeinschaft für Selbsthilfe (LAGS). "Was die Gruppen schaffen, macht sie stolz."

Die Arbeitsgemeinschaft geht in der Mark von mehr als 1200 Selbsthilfegruppen aus.  Schenk leitet eine Kontaktstelle in Potsdam-Mittelmark unter Trägerschaft der Arbeiterwohlfahrt. Sie schwört auf den Nutzen von Selbsthilfegruppen: "In den Gruppen sind die Menschen nicht allein, sie kommen aus ihrer Isolation heraus und können mit anderen ihre Themen besprechen." Finden viele zu Hause für ihre Sorgen schon lange kein Gehör mehr - "in der Gruppe haben alle für ihr Thema Verständnis." Die Teilnehmer erhielten auch Hinweise zu sozialrechtlichen Aspekten und hörten Erfahrungen anderer.    Angelika Koal von der Kontaktstelle Rekis Cottbus betonte die Vorbildwirkung. Betroffene könnten in den Gruppen sehen, wie andere mit ihrem Schicksal, ihrer Krankheit umgehen, berichtete sie. "Das spornt an, sind die Teilnehmer doch Experten in eigener Sache."

In Cottbus gibt es nach ihren Angaben 135 Selbsthilfegruppen mit rund 3500 Mitgliedern. Für Projekte könne Förderung beantragt werden, was bei guten Vorhaben meist kein Problem sei. "Selbsthilfegruppen entlasten das Gesundheitssystem", sagte sie.    Das hat auch Bärbel Schenk beobachtet. Die Genesung verlaufe häufig schneller, gehe der Patient aktiv mit seiner Krankheit um, meinte sie. "Menschen in Selbsthilfegruppen brauchen weniger Therapie, weniger Medizin und müssen letztlich auch weniger ins Krankenhaus." Schenk und Koal betonen aber: "Selbsthilfe kann die Therapie nicht ersetzen." Sie sei ein ergänzender Aspekt.

Nach Worten von Sozialminister Günter Baaske (SPD) suchen Menschen in den Gruppen nicht nur Gleichgesinnte, Verständnis und Hilfe, sondern wollen selbst auch helfen. "Dieses freiwillige und selbstlose Engagement der ehrenamtlich tätigen Frauen und Männer ist ein wichtiger Baustein für eine solidarische Gesellschaft", betonte er.

Der Landkreis Havelland stellt jährlich rund 14 000 Euro bereit, für die Arbeit von Selbsthilfegruppen, Vereinen und anderen Organisationen. Damit würden Projekte, aber auch Büromaterial finanziert, berichtete Kreissprecher Erik Nagel. Sozialarbeiter kümmerten sich um Selbsthilfegruppen, stellten auf kurzem Weg notwendige Kontakte her. Zudem können Gruppen kostenlos Räume nutzen.    Im Landkreis Teltow-Fläming existieren 62 Selbsthilfegruppen. "Die Bandbreite ist groß, von A - Aphasie (Sprachstörung) nach einem Schlaganfall bis Ü - Übergewichtige", sagte Rüdiger Lehmann, Sachgebietsleiter im Amt für Gesundheit und Verbraucherschutz in Luckenwalde. Finanzielle Unterstützung erhielten sie vom Kreis, aber auch von Krankenkassen. "Jede Gruppe sucht auch Sponsoren im Umfeld, wie Apotheken oder Autohäuser", berichtete Elke Schäfer, Sozialarbeiterin in der Kreisverwaltung.

Das Sozialministerium hat im vergangenes Jahr nach eigenen Angaben rund 140 000 Euro für Projekte zur Selbsthilfe behinderter Menschen bereitgestellt, dazu kamen 65 000 Euro für die in diesem Bereich tätigen Landesverbände. "Für einige Gruppen gehört es zum Selbstverständnis, keine Unterstützungen in Anspruch zu nehmen", hieß es vom Ministerium.

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