Pferdeklappe in der Uckermark : Hilfe für Pferdebesitzer in Not

Angy und Henry Strathmann vom Gut Dorettenhof stehen zwischen Ponys auf einer Koppel ihres Gutes Dorettenhof in Templin (Uckermark).
Angy und Henry Strathmann vom Gut Dorettenhof stehen zwischen Ponys auf einer Koppel ihres Gutes Dorettenhof in Templin (Uckermark).

Auf dem Gut Dorettenhof in Templin können Pferde anonym abgegeben werden.

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19. Februar 2020, 05:00 Uhr

Die dunkelbraune Friesenstute „Daysi“ hat seit wenigen Tagen ein neues Zuhause. Das acht Jahre alte Tier steht noch allein auf einer Koppel des Gutes Dorettenhof in Templin (Uckermark).„Pferde, die wir aufnehmen, müssen zunächst in Quarantäne, um auszuschließen, dass sie andere möglicherweise mit Krankheiten anstecken“, sagt Angy Strathmann. Außerdem hätten die Neuankömmlinge häufig „Macken“, mit denen sie nicht in die Pferdeherde dürfen, erklärt die Chefin des Gutes. Auch „Daysi“ sei so ein Fall.

Die Stute schlage aus und beiße, habe nach einem nicht behandelten Hüftbruch eine Schiefstellung, die sie beeinträchtigt. „Die Frau aus Berlin, die ,Daysi’ zu uns brachte, hatte sie aus schlechter Haltung übernommen. Jetzt ist die Frau schwanger, das unberechenbare Pferd wurde für sie zur Gefahr“, erklärt Strathmann die Notsituation, die „Daysi“ auf den fünf Hektar großen Dorettenhof brachte. Strahtmann und ihr Mann Henry, Amtstierarzt im Landkreis Uckermark, haben ihr Gut zu einem Domizil für Pferde gemacht, die von ihren Besitzern aus unterschiedlichen Gründen nicht mehr gehalten und versorgt werden können. „Das können gesundheitliche Probleme sein, aber auch finanzielle. Denn Pferde kosten Geld, erst recht, wenn sie krank werden“, macht Strahmann deutlich. Allein 500 Euro gingen pro Monat für das Futter drauf, medizinische Behandlungen verschlängen ein kleines Vermögen. „Scheidungstiere“ gehören ebenso zu ihren Schützlingen, wie Pferde, deren Besitzer verstorben sind.

Halter können die Tiere anonym auf eine Koppel stellen, wenn sie mit dem Tier überfordert sind. Das Prinzip der Pferdeklappe haben die Uckermärker von Petra Teegen aus Norderbrarup (Schleswig-Holstein) übernommen. Sie hatte vor sechs Jahren damit begonnen. „Die Idee entstand aus der Not heraus. An mich wandten sich immer wieder Besitzer, die Hilfe brauchten, weil sie ihr Tier nicht mehr versorgen konnten“, beschreibt Teegen.

Erklärtes Ziel beider Pferdeklappen ist es, die abgegebenen Tiere an neue Besitzer zu vermitteln, wenn sie gesund sind und mögliche Macken abgelegt haben. Denn sowohl Teegens Einrichtung als auch das Projekt in Templin sind keine Gnadenhöfe, auf denen Pferde bis zu ihrem Lebensende bleiben. In Norderbrarup wurden bisher 1370 Pferde aufgepäppelt, die anschließend ein neues Zuhause fanden. Mehr als 70 Pferde haben die Strahtmanns, die von dem 20 Mitglieder zählenden Verein Gut für Tiere unterstützt werden, seit 2016 aufgenommen.

Aktuell betreuen sie 34 Pferde, einige davon als Pensionstiere, andere wenige, die zu alt sind, um sie neu zu vermitteln sowie allein 16, für die neue Besitzer gesucht würden.

Anonym kommen Tiere allerdings nur in den seltensten Fällen zu ihnen, berichten Teegen und Strahtmann übereinstimmend. Beide arbeiten inzwischen zusammen. Denn Pferde aus allen Ecken Deutschlands werden zu ihnen gebracht. „Damit die Tiere nicht unnötig weit durch die Gegend gekarrt werden, verweisen wir aufeinander“, sagt Teegen. Die Erfinderin der Pferdeklappe sei unglaublich gut vernetzt, davon profitiere auch der Dorettenhof, sagt die 36-jährige Templinerin.

Meist gebe es vorher telefonischen Kontakt mit den bisherigen Besitzern. „So bekommen wir Informationen über Erkrankungen oder Verhaltensauffälligkeiten und können die Abgabe koordinieren“, sagt Henry Strathmann, der sich die Templiner Pferdeklappe hat amtlich anerkennen lassen.

Die Behörden hätten sich zunächst schwer getan. „Es war für sie etwas völlig Neues. Doch jetzt läuft es. Wir haben die Sachkundeprüfung abgelegt, besitzen die tierschutzrechtliche Erlaubnis und werden regelmäßig kontrolliert“, sagt der 40-Jährige. Sein Gehalt, Mitgliedsbeiträge des Vereins, Erlöse der Pensionspferde und Spenden finanzieren das Projekt. „Wir fahren halt nie in den Urlaub“, sagt Strathmann. An neue Besitzer werden die Pferde über einen Schutzvertrag abgegeben. Die Templiner und auch Petra Teegen prüfen das potenzielle neue Zuhause zunächst auf Herz und Nieren. Auch später halten sie Kontakt zu den Besitzern und nehmen ein Tier auch wieder zurück, sollten sich die neuen Lebensumstände als negativ herausstellen. „Nachhaltig gut unterbringen“, nennt Amtstierarzt Strahtmann das Prinzip.

„Wenn die Betreuung fachgerecht ist, sind Pferdeklappen eine sinnvolle Sache“, sagt Veterinärmedizinerin Antje Rahn, Sachverständige beim Pferdzuchtverband Brandenburg-Anhalt. Sie habe es schon oft erlebt, dass sich Leute Pferde kaufen und dann schnell an ihre finanziellen Grenzen stoßen. „Die Unwissenheit ist wirklich ein Problem. Pferde kosten einfach viel Geld in der Unterhaltung“, macht sie deutlich.

Eine differenzierte Betrachtung mahnt der Deutsche Tierschutzbund an.„ Schaffen Pferdeklappen nicht auch einen Anreiz, dass sich Leute ihrer Tiere einfacher entledigen können?“, fragt Mitarbeiterin Andrea Furler-Mihali. Generell müsse eine Pferdeklappe so gestaltet und organisiert sein, dass das Tier im Mittelpunkt stehe und sich das Ganze nicht Richtung Pferdehandel entwickele, sagte sie.

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