Hilfe für Milchbauern kam zu spät

Ein Melkkarussell in Stremmen (Oder-Spree): 2015 erhielten die Landwirte teilweise nur 20 Cent je Kilogramm Milch.
1 von 2
Ein Melkkarussell in Stremmen (Oder-Spree): 2015 erhielten die Landwirte teilweise nur 20 Cent je Kilogramm Milch.

Brandenburger Bauern leiden immer noch unter dem Preisverfall für Milch – Die Krise ist für die Landwirte noch nicht vorbei

svz.de von
20. Mai 2017, 05:00 Uhr

Trotz der Hilfspakete für Milchbauern angesichts des Preisverfalls hat sich die Lage der Branche in Brandenburg nach Angaben des Bauernverbands nicht entscheidend verbessert. „In den vergangenen zwei Jahren mussten 90 Milchbetriebe aufgeben“, sagte der Sprecher des Landesbauernverbandes, Sebastian Scholze. Es deute sich eine Entspannung auf dem Weltmarkt an. „Vor Ort ist davon aber nichts zu spüren“, betonte Scholze. „Die Milchpreiskrise ist für uns noch nicht vorbei.“

Aktuell stehen in der Mark etwa 138 000 Milchkühe in den Ställen, 16 000 Tiere weniger als Anfang 2015. Wegen der Abschaffung der europaweiten Milchquote gibt es ein Überangebot. Damit kann Milch nicht mehr kostendeckend produziert werden.

2015 erhielten die Landwirte teilweise nur 20 Cent je Kilogramm Milch. Der aktuelle Durchschnittserlös von 31 Cent je Kilogramm sei kein Grund zum Jubeln, so Scholze. Das sei zwar mehr als noch vor ein paar Monaten. „Ehe jedoch nicht ein dauerhaftes Preisniveau von 35 Cent erzielt werden kann, arbeiten die Landwirte weiterhin nicht kostendeckend“, sagte Scholze. Hilfspakete, mit denen Folgen für Landwirte abgefedert werden, haben aus Sicht des Landesbauernverbandes zu spät gegriffen. Wie das Agrarministerium mitteilte, wurden 144 Anträge auf finanzielle Hilfen vollständig beziehungsweise gekürzt bewilligt. Damit wurden von Oktober 2016 bis Januar 2017 rund 18 000 Tonnen weniger produziert – etwa 1,3 Prozent der 2015 im Land erzeugten Menge. Je Liter nicht gemolkener Milch erhielten die Bauern 14 Cent. „Das sollte ein Anreiz sein, weniger Milch in den Markt zu bringen“, sagte der Sprecher des Agrarministeriums, Jens-Uwe Schade. Damit allein sei die Milchpreiskrise aber nicht zu bewältigen.

Aus Sicht des Bauernverbandes haben insbesondere die Molkereien den Ernst der Lage noch nicht erkannt. Nach wie vor sei nicht klar, welche Menge zu liefern sei. „Und die Bauern erfahren erst Wochen nach der Abgabe, was sie eigentlich verdient haben“, kritisierte Verbandssprecher Scholze. „Eigentlich kann man nicht wirklich vom Verkauf sprechen, sondern lediglich vom Abliefern“, sagte er.

zur Startseite
Karte

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen