Handwerksmeister wird zum veganen Küchen-Star : „Hier kocht Alex“

Alexander Flohr beim Kochen eines veganen Mittagsgerichtes.
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Alexander Flohr beim Kochen eines veganen Mittagsgerichtes.

Alexander Flohr ist Straßenbaumeister. Der 36-Jährige stärkt sich nicht mit Steaks oder deftiger Hausmannskost. Er kocht und isst vegan.

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27. April 2017, 05:00 Uhr

Alexander Flohr schnippelt Gemüse wie ein Profi. Mohrrüben, Paprika, Lauchzwiebeln und Tomaten verwandeln sich unter seinen flinken Fingern in zerkleinerte Häufchen, die mit Schwung in Kochtopf oder Pfanne landen. Wer dem 36-Jährigen aus Eggersdorf (Märkisch-Oderland) zusieht, glaubt einen Profi-Koch vor sich zu haben.

Doch der dreifache Familienvater ist Straßenbaumeister. Seine kleine Firma ist auf das Pflastern von Wegen und Terrassen spezialisiert. Im Beruf muss er kraftvoll zugreifen. Sein Bekenntnis, Veganer zu sein und leidenschaftlich gern pflanzlich zu kochen, verblüfft zunächst.

„In unserer Küche habe ich das Sagen, meine Frau hat kapituliert“, sagt der gebürtige Rostocker schmunzelnd. Das tat sie ohne zu murren, denn was „Alex“ am Herd zaubert, scheint auch überzeugte Fleischesser zu begeistern. „Meine Gerichte müssen gesund und lecker sowie in 20 Minuten zuzubereiten sein. Und sie müssen natürlich satt machen“, erklärt der Hobby-Koch. Mit sicheren Handgriffen arbeitet er am thailändischen Süßkartoffelpüree, das er mit gebratenen Tofu-Stücken im Sesammantel und warmem Kichererbsensalat kombiniert. „Die besten Gerichte sind die, bei denen es auf dem Teller bunt aussieht“, verrät der Eggersdorfer.

Inzwischen kocht er nicht mehr nur privat. Auf der Internetseite des Männermagazins „Men's Health“ hat er seit dem Vorjahr unter dem Motto „Hier kocht Alex“ seine eigene Show. Der Handwerker mit kulinarischer Leidenschaft veranstaltet Kochkurse und schreibt am ersten eigenen Kochbuch. „Hier kocht Alex“ heißt es auch einmal monatlich im privaten Regionalfernsehen ODF und bald im Kundencenter des Energieversorgers EWE im A-10-Center an der gleichnamigen Autobahn am Südrand von Berlin.

„Flohr ist ein gestandener Mann, authentisch und mit Überzeugungskraft auch gegenüber Fleischliebhabern“, begründet EWE-Sprecherin Nadine Aurras die Entscheidung. Ihr Unternehmen setze auch mit dem jährlichen Schüler-Koch-Pokal verstärkt auf gesunde Ernährung und Lebensweise. „Immer wieder suchen wir Möglichkeiten, unseren Kunden dieses Thema zu vermitteln.“ Nach Angaben des Vegetarierbundes (VEBU) ernähren sich acht Millionen Deutsche vegetarisch, zehn Prozent der Bevölkerung. Die Zahl der Menschen, die rein pflanzliche Nahrung essen, liege bei 1,3 Millionen, sagt VEBU-Sprecherin Wiebke Unger. „Die Zahl der Veganer und Vegetarier wird in den nächsten Jahren weiter steigen, denn immer mehr Menschen erkennen die Vorteile einer pflanzlichen Lebensweise für die Tiere, die Umwelt und die eigene Gesundheit“, meint sie.

Das sieht auch Christian Vagedes, Sprecher der veganen Gesellschaft Deutschland, so. 40 Prozent der Bevölkerung seien bereit, vegane Ernährung zumindest auszuprobieren. „Inzwischen haben sich die Lebensmittelkonzerne darauf eingestellt, es gibt immer mehr vegane Produkte, die Preise dafür sinken“, so Vagedes. Köche wie Flohr seien wichtige Multiplikatoren und erleichterten mit Rezepten und Ideen den Umstieg. „Wir wollen nicht missionieren oder alles besser wissen, sondern Lust machen auf leckere und gesunde Ernährung.“ Auch die Gastronomie reagiere auf den veganen Trend, so VEBU-Sprecherin Unger. Deutschlandweit gebe es 48 vegane Restaurants. 2016 seien 211 vegane Kochbücher herausgekommen.

Hobby-Koch Flohr würde gern mit Jugendlichen arbeiten, um sie von Fastfood abzubringen, ehe es zum Umdenken zu spät sei. Bei seinen Kindern - 9, 11 und 16 Jahre alt - habe er das geschafft. „Es gab keinen Zwang. Bei uns zu Hause wird halt nur vegan gekocht. Ich stellte ihnen jedoch frei, außerhalb unserer vier Wände zu essen, was sie möchten.“ Beim Familienvater setzte das Umdenken zu gesunder Ernährung erst mit Ende 20 ein, erzählt er. „Ich wog damals 135 Kilogramm, hatte jede Menge Gesundheitsprobleme.“

Gekocht hat Flohr schon immer gern. Nun begann er zu experimentieren - mit der Erkenntnis: „Du kannst Fleisch durch alles Mögliche ersetzen, Hauptsache Gewürz, Kräuter oder Marinade stimmen.“ Vor vier Jahren machte der Eggersdorfer eine Ausbildung zum Ernährungsberater, um zu erfahren, was der Körper braucht und aus welchen Lebensmitteln diese Nährstoffe zu bekommen sind. Überzeugt habe ihn letztlich, wie gut er sich mit rein pflanzlicher Kost fühle.

Den typischen Fleischgeschmack, so sagt der inzwischen überzeugte Veganer, vermisse er überhaupt nicht mehr.  

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