Gesundheit : Herzkranke aus der Ferne betreuen

dpa_148718001fddd048

Berliner Charité startet große Studie zur Telemedizin / Therapieverläufe sollen durch neue Methode verbessert werden

svz.de von
21. Dezember 2013, 12:04 Uhr

Die Berliner Charité hat eine der weltweit größten Studien zur Telemedizin gestartet. Bis 2015 wird untersucht, ob Patienten mit Herzschwäche aus der Ferne betreut werden können.

Ein grauer Koffer enthält alles Notwendige für die Selbsthilfe: ein EKG, eine Waage, ein Blutdruckmessgerät und das „Physiogate“ – ein schwarzer Minicomputer. Produziert von einer Medizintechnikfirma in Teltow. „Die Patienten werden sozusagen in das Management ihrer Erkrankung eingebunden“, sagt der Vorstand des Unternehmens Getemed, Michael Scherf. Mit den Apparaten sollen die Patienten ihre Vitalfunktionen selbst messen. Dann werden sie per Mobilfunknetz in die Charité übertragen. „Alles sicher verschlüsselt“, sagt Scherf. In dem Zentrum überwachen Ärzte und Pfleger die gesendeten Daten rund um die Uhr. Sind diese auffällig, greift ein Notfallplan – bis hin zur Alarmierung des Rettungsdienstes.

Die Gerätschaften sollen in den kommenden Monaten in rund 1500 Haushalten stehen, in denen Patienten mit Herzschwäche leben. Sie werden weiterhin von Fachärzten in ihrer Region untersucht, in der Zwischenzeit soll ihr Gesundheitszustand jedoch engmaschig beobachtet werden. Es gehe darum, bei Problemen schneller gegensteuern zu können, sagt der Kardiologe Friedrich Köhler.

Der Oberarzt leitet das Zentrum für Telemedizin an der Charité, das sich auf Herzerkrankungen spezialisiert hat. Gleichzeitig organisiert er derzeit die große Studie, mit der herausgefunden werden soll, ob sich Diagnosen aus der Ferne als praxistauglich erweisen. Noch fehlt dafür der wissenschaftliche Nachweis, wie Ulrich Frei, Ärztliche Direktor des Universitätsklinikums, betont. „Es wäre ein wirklicher Meilenstein, wenn sämtliche Bedenken aus dem Weg geräumt werden können.“

Die gibt es auch in den Kreisen der Mediziner. Hausärzte hatten befürchtet, dass die Charité ihnen Patienten abwirbt, berichtet Frei. Womöglich aus diesem Grund und der Sorge vor zusätzlicher Bürokratie wurden noch sämtliche erforderlichen 400 Hausärzte, die in die Studie eingebunden werden sollen, von den Charité-Mitarbeitern geworben. Hingegen stehen bereits insgesamt 80 Kardiologen in Berliner und Brandenburger Kliniken bereit. „Die Sorgen sind aber völlig unbegründet“, sagt Ulrich Schwantes, Vorsitzender des Hausärzteverbandes Brandenburg. „Unsere Kollegen werden nicht überflüssig, sondern haben eine wichtige Rolle in diesem Monitoring.“

Ein Nutzen könnten aus der Telemedizin nicht nur Patienten, sondern auch Krankenassen ziehen: Durch die intensive Betreuung könnten die Krankenhausaufenthalte der Betroffenen verringert und Kosten gespart werden. Insgesamt 12,5 Millionen Euro werden in das Projekt vom Bund und dem Land Brandenburg investiert. Dennoch betonen die Beteiligten, dass durch die Telemedizin vor allem Therapieverläufe verbessert werden sollen. Herzinsuffizienz sei eine Krankheit, die oft unterschätzt, aber zu den häufigsten Todesursachen zählt, betont Harald Möhlmann, Geschäftsführer für das Versorgungsmanagement bei der AOK Nordost. 35 000 Menschen leiden in Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern an dieser Krankheit. Schwantes berichtet, dass viele zu lange warten, bis sie sich auf den Weg in die Praxis machen, da die Wege mitunter weit sind. „Da kann Telemedizin eine Brücke bauen.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen