Engpässe in Brandenburg : Hebammen verzweifelt gesucht

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Für die Betreuung existieren lange Wartelisten. Verbände und Eltern fordern Unterstützung vom Land

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23. August 2016, 04:45 Uhr

Die Suche nach einer Hebamme gestaltet sich für werdende Eltern in Brandenburg immer schwieriger. Der Fachverband berichtet von gravierenden Engpässen. Für die Landesregierung ist jedoch keine Unterversorgung erkennbar.

Not macht erfinderisch. Also organisieren Eltern aus Bad Freienwalde einen Kuchenbasar für die einzige Hebamme in ihrem Ort. „Wir wollen Spenden sammeln, um sie zu unterstützen“, sagt Jeannine Herzberg. Die 35-Jährige ist Landeskoordinatorin des Vereins „Motherhood“. Steigende Kosten und sinkende Vergütungen hätten dazu geführt, dass die Geburtshelferin überlegt, ihre Praxis aufzugeben.

„Es ist enorm schwierig geworden, eine Hebamme zu finden, die noch freie Kapazitäten hat“, sagt Herzberg. Viele Frauen würden sich schon auf die Suche begeben, wenn der Schwangerschaftstest positiv ausgefallen sei. Nach ihren Angaben existieren im Kreis Märkisch-Oderland nur noch eine Handvoll Hebammen. Aufgrund der Engpässe bereitet Herzberg zudem eine Petition an den Landtag vor. Zuvor will sie möglichst viele Hebammen anschreiben und erfragen, wie lang deren Wartelisten sind. „Das große Problem ist, dass es keine verlässlichen Statistiken zur Versorgung gibt“, meint sie. „Und die Politik nimmt das Thema nicht ernst. Das ärgert uns.“

Dieses Dilemma bestätigt der Landesverband der Hebammen. „Ich habe schon Anfragen von Eltern für Februar und März“, sagt die Landesvorsitzende Martina Schulze, die in Stahnsdorf (Teltow-Fläming) und Potsdam tätig ist. „Wir können den Bedarf einfach nicht decken.“ Hinzu komme, dass die Suche für die Eltern oft sehr zeitaufwendig sei. „Es fehlt eine zentrale Plattform, um Anfragen besser zu steuern.“ Den Fachkräftemangel auszugleichen, dürfte jedoch schwierig werden. Die landesweit einzige Hebammenschule befindet sich am Carl-Thiem-Klinikum in Cottbus. Dort wird dem Vernehmen nach aber zuerst für den Eigenbedarf ausgebildet.

Dabei zwingen finanzielle Rahmenbedingungen – etwa steigende Berufshaftpflicht-Prämien – immer mehr freiberufliche Hebammen zur Aufgabe ihres Berufs. Problematisch sei die restriktive Vergütung durch die Krankenkassen, so Schulze. So erhalten Hebammen nach ihren Angaben rund 32 Euro für einen Hausbesuch bei der Wochenbettbetreuung, der zumeist eine Stunde dauert. Gleichzeitig nehmen die Anfahrtswege zu. „Wir brauchen einen Überblick, wie groß der konkrete Bedarf in einer Region ist“, fordert die Vorsitzende des Landesverbandes mit knapp 390 Mitgliedern, davon rund 280 freiberufliche Hebammen.

Das Potsdamer Gesundheitsministerium hält sich mit Aussagen jedoch zurück. Ministerin Diana Golze (Linke) verweist in der kürzlich veröffentlichten Antwort auf eine parlamentarische Anfrage auf Statistiken der kreislichen Gesundheitsämter, denen zufolge die Zahl der Hebammen seit 2013 um landesweit 87 gestiegen sei. Freilich räumt sie ein, dass diese Steigerung womöglich durch Doppelmeldungen zustande gekommen ist.
 

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