Störfälle in Biogasanlagen : Havarien kaum bekannt

Nur wenige Unfälle in Biogasanlagen Brandenburgs werden öffentlich bekannt.
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Nur wenige Unfälle in Biogasanlagen Brandenburgs werden öffentlich bekannt.

Statistik mangelhaft – weit mehr Unfälle in Biogasanlagen als Landesumweltamt registriert hat

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08. Januar 2018, 21:00 Uhr

In Brandenburg wird nur ein Teil aller Unfälle in Biogasanlagen öffentlich bekannt. Wie das Umweltministerium auf eine Anfrage der AfD-Fraktion im Landtag mitteilte, hat sie seit Beginn dieser Legislaturperiode im Oktober 2014 nur von sechs Havarien Kenntnis. Tatsächlich ereigneten sich weitaus mehr Unfälle, die aber laut Umweltministerium nur bei den Unteren Behörden der Landkreise erfasst werden. Presseberichten zufolge gab es 2016 mindestens zwei weitere Störfälle. Darüber hinaus sind dem AfD-Abgeordneten Franz Josef Wiese eigenen Angaben zufolge allein in seinem Wahlkreis im Oderbruch fünf weitere Havarien bekannt. Wiese wirft der Landesregierung vor, sie vertusche das wahre Ausmaß der Unfälle.

Laut Wiese hat es in einer Anlage in Wuschewier bereits zwei Havarien seit Oktober 2014 gegeben. Die Biogasanlagen in Neutrebbin und in Altbarnim seien „ausgelaufen“. In Hoppegarten (alle Märkisch-Oderland) sei es ebenfalls zu einem Zwischenfall gekommen. „Das alles müsste der Landesregierung bekannt sein“, betonte Wiese.

Bei den vom Umweltministerium erwähnten sechs Fällen liefen rund 2,8 Millionen Liter Gärreste aus Behältern aus. Bei dem wohl folgenschwersten Unfall Ende Juni 2017 in Zeschdorf (Märkisch-Oderland) wurden rund 4600 Quadratmeter Boden verunreinigt, als eine unbekannte Menge Gärreste aus einer Anlage austrat.

Glimpflich verlief eine Havarie in Wuthenow (Ostprignitz-Ruppin) vier Monate zuvor, bei der etwa zwei Millionen Liter der braunen Brühe aus einem undichten Behälter entwichen. Eine Verunreinigung des Ruppiner Sees konnte verhindert werden, da ein Zulauf zugeschüttet wurde. Rund 100 Kubikmeter kontaminierter Boden musste ausgetauscht werden. Im Oktober 2014 liefen in Mühlenfließ (Potsdam-Mittelmark) rund 255 000 Liter Gärreste aus einer Biogasanlage aus. Schutzwälle verhinderten, dass sich der Schlamm außerhalb des Betriebs ausbreitete.

511 Beanstandungen bei 1438 Kontrollen

Bei einem weiteren Störfall 2015 in Rhinow (Havelland) liefen rund 1500 Liter Substrat aus einer Anlage aus und verunreinigten eine Rasenfläche von 30 bis 50 Quadratmetern. Bei zwei Unfällen 2016 in Oberbarnim (Märkisch-Oderland) und in Schenkendöbern (Spree-Neiße), traten etwa 500 000 Liter Gärreste und 20 000 Liter Substrat aus. Auch hier konnten Umweltschäden verhindert werden. Wie Medien im März des vergangenen Jahres berichteten, sind der Kreisverwaltung von Ostprignitz-Ruppin zwei Havarien in der Anlage in Wuthenow bekannt, die sich im August und im September 2016 ereigneten. Dabei sei Silage-Sickerwasser über den Lankegraben auch in den Ruppiner See gelangt.

In der Antwort der Landesregierung auf die AfD-Anfrage werden diese Fälle ebenfalls nicht erwähnt. Die Zahl der Biogasanlagen in Brandenburg hat sich seit 2010 von 190 auf rund 480 erhöht. 300 Anlagen sind vom Landesumweltamt genehmigt, die restlichen von Landkreisen und kreisfreien Städten. Die Landesbehörden stellten im Vorjahr bei den ihnen unterstehenden Anlagen bei 1438 Kontrollen 511 Beanstandungen fest, wie das Amt auf Anfrage mitteilte.

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