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Brandenburg

26. September 2017 | 14:58 Uhr

Diskussion : Hauptsache es ist ordentlich

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

In Bernau scheitert ein Vorstoß der Grünen zum Aussetzen der Mahd von öffentlichen Grünflächen.

svz.de von
erstellt am 12.Jul.2017 | 05:00 Uhr

Ihr Ziel war es, das Sterben von Insekten zu verhindern. Doch der bündnisgrüne Versuch ist gescheitert, die Mahd von städtischen Grünflächen in Bernau (Barnim) auf die zweite Jahreshälfte zu beschränken. Die Mehrheit der Stadtverordneten pocht auf Ordnung in der Stadt.

Wenn Thomas Dyhr durch Bernau fährt, bleibt die Windschutzscheibe seines Autos sauber. Für den Vorsitzenden der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen/Piraten „der optisch sichtbare Beweis für den drastischen Rückgang an Insekten in der Stadt“. Dem wollen er und seine beiden Fraktionskollegen nun entgegenwirken – mit einem Mahdverbot auf öffentlichen Grünflächen bis zum 30. Juni eines jeden Jahres.

„Wir müssen nichts tun, sondern nur unterlassen“, warb Thomas Dyhr in der Bernauer Stadtverordnetenversammlung für den Antrag seiner Fraktion. „Wir setzen damit ein Zeichen für den Naturschutz“, gibt sich der Bündnisgrüne, im Berufsleben Kriminalist in Berlin, überzeugt.

Doch die Skepsis unter den Bernauer Parlamentariern ist groß. Da meldet sich der Sozialdemokrat Jürgen Sloma zu Wort, dessen Familie seit 75 Jahren Bienen hat. „Unser Straßenbegleitgrün hat nicht die Voraussetzungen, Nahrung für die Bienen zu sein“, wendet er ein und begründet: „Es ist trockenes Gras, hat keine Blumen.“ Péter Vida (Brandenburger Vereinigte Bürgerbewegungen/Freie Wähler) findet: „Ein politisches Signal zu senden, reicht nicht, wenn es keinen ökologischen Mehrwert gibt.“ Er nennt den bündnisgrünen Vorstoß eine „kleinkarierte Reglementierung zu Lasten der Bürger und nicht gut für die Stadt“. Irina Feldmann (CDU) bekräftigt: „Eine Stadt muss ein vernünftiges, ordentliches Aussehen haben“, sagt die Stadtverordnete.

Sie spricht aus, was auch andere denken. „Wir sind froh, dass unser Ort sauber ist“, meldet sich beispielsweise Wolfgang Mischewski, der Ortsvorsteher von Birkholzaue, zu Wort. „Wir wollen dieses Unkraut vor unseren Grundstücken nicht. Es verstopft nur die Abflüsse.“ Und Bernaus Bürgermeister André Stahl stellt ironisch fest: „Der Ordnungssinn in der Bernauer Bevölkerung ist ausgesprochen ausgeprägt. Die Leute werden uns im Rathaus für den ungepflegten Zustand der Stadt verantwortlich machen“, prophezeit der Linke.

„Sie haben recht, aber das müssen wir aushalten“, entgegnet der Bündnisgrüne Klaus Labod. Er beharrt darauf: Erst, wenn die Vegetationsperiode Anfang Juli abgeschlossen ist, sollten die Grünflächen entlang der Straßen sowie in Parks zum ersten Mal gemäht werden. Lediglich ein Argument lässt er gelten: den Hinweis darauf, dass nicht abgemähte Flächen entlang der Straßen vor allem im Kreuzungsbereich zu Lasten der Verkehrssicherheit gehen können. Meterhohes Gras an den Straßenrändern würde die Sichtverhältnisse für Ältere und Behinderte verschlechtern und sei außerhalb der Stadt willkommenes Versteck für Wild, bemerkt Axel Klatt, Vorsitzender des aus einer Bürgerinitiative hervorgegangenen Bündnisses für Bernau (BfB).

Die regelmäßige Mahd von Straßenbegleitgrün auf zwei- Mal im Jahr und die zweite Jahreshälfte zu beschränken, lasse Frühlingsblühern und Wildkräutern Zeit zum Blühen und Aussamen und biete damit Insekten eine Nahrungsgrundlage, argumentieren hingegen die Bernauer Bündnisgrünen. Doch damit sind sie bei BfB-Mann Georgi Tontschev an der völlig falschen Adresse. Der Mediziner, der nach eigenen Angaben in seinem Garten „ein großes Insektenhotel“ gebaut hat, erwidert erhaben: „Meine Herren! Würden Sie Biene Maja und ihren Freund Willi kennen, wüssten Sie, dass die beiden niemals am Boden fliegen, um Nahrung zu suchen, weil es viel zu gefährlich für sie ist!“

Tontschevs Argument gab schließlich den Ausschlag: Von 27 anwesenden Stadtverordneten votierten 14 gegen den Antrag der Grünen. Damit bleibt alles, wie es ist: Sobald der Frühling naht, gehen Rasenmäher und -traktoren in der Stadt das erste Mal auf Tour.  

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