Hartes Urteil gegen Bandenchef

Deutsche und polnische Polizisten im gemeinsamen Einsatz gegen Autodiebe
Deutsche und polnische Polizisten im gemeinsamen Einsatz gegen Autodiebe

Brandenburgs Justiz kämpft um Rückgang der Autodiebstähle / Zuletzt stiegen die Zahlen wieder dramatisch

von
10. Juni 2017, 05:00 Uhr

Das Landgericht Frankfurt (Oder) hat ein möglicherweise abschreckendes Urteil gegen den Chef einer Autoschieberbande gefällt. Auch strukturell will sich die Justiz besser aufstellen, um dem Anstieg der Diebstähle in der Grenzregion etwas entgegenzusetzen.

Jaroslaw J. war nach Einschätzung der Frankfurter Richter an Dutzenden von Raubzügen in Brandenburg beteiligt. Die Bande hatte es unter seiner Führung vor allem auf hochwertige Autos wie Mercedes Sprinter und VW Crafter abgesehen. Während vier Mittäter zwischenzeitlich zu Freiheitsstrafen zwischen einem Jahr und zwei Monaten auf Bewährung und dreieinhalb Jahren Freiheitsentzug verurteilt worden waren, wurde der 46-Jährige aus Slonsk nun zu neun Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt. Seine Verteidiger kündigten Revision an.

Wie wichtig ein entschlossener Kampf gegen Autodiebe ist, zeigen die Daten aus der Kriminalitätsstatistik. So wurden im vergangenen Jahr in Brandenburg 2861 Wagen gestohlen, ein Anstieg im Vergleich zum Vorjahr um elf Prozent. Gleichzeitig sank die Aufklärungsquote von 27,6 auf 19,6 Prozent.

Für die Grenzregion zu Polen weist die Statistik noch größere Probleme auf. Dort wurden im Vorjahr 446 Autos gestohlen, ein Anstieg um 32 Prozent im Vergleich zu 2015. Die Aufklärungsquote sank im gleichen Zeitraum von 38 auf 15 Prozent.

Auch als Reaktion darauf soll die Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder) künftig sämtliche Phänomene der Eigentumskriminalität in Brandenburg verfolgen, in denen der Verdacht auf grenzüberschreitende Täter besteht. Dies hat Generalstaatsanwalt Erardo von Rautenberg angeordnet.

Bisher waren die Frankfurter Ermittler nur für den Autodiebstahl zuständig. Sie hatten eine Erweiterung ihrer Befugnisse seit Langem gefordert, weil verschiedene Delikte oft von den gleichen, meist polnischen Banden verübt werden. Zusammen mit dem Landeskriminalamt und polnischen Ermittlern waren in den vergangenen Jahren mehrere Schläge gegen Autodiebe gelungen.

„Ein Vorteil der neuen Regelung ist, dass diese Zusammenarbeit in anderen Bereichen fortgesetzt werden kann“, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Frankfurt, Ulrich Scherding. Aktuelle Sorgen bereite etwa der Anstieg der Viehdiebstähle.

Die Frankfurter Behörde ist zudem Schwerpunktstaatsanwaltschaft für schwere Verbrechen wie Menschenhandel oder Geldwäsche. In Frankfurt und der Außenstelle Eberswalde sind 74 Staatsanwälte tätig, von denen ein Dutzend grenzüberschreitende Fälle bearbeitet. Ob durch die erweiterte Zuständigkeit mehr Personal nötig ist, soll sich noch zeigen.

 
 

zur Startseite
Karte

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert