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Auszubildende und Digitalisierung : Handwerkspräsident hat einiges vor

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Pritzwalker Metallbau-Meister Robert Wüst will Schwerpunkte bei Digitalisierung und Lehrlingsgewinnung setzen

svz.de von
erstellt am 23.Mär.2017 | 05:00 Uhr

„Ohne meine Familie ginge es nicht“, zieht Robert Wüst ein erstes Fazit seiner Tätigkeit als Präsident der Handwerkskammer Potsdam. „Meine Frau unterstützt mich sehr und mein Vater hilft mir, das Ehrenamt und die Arbeit in der Firma unter einen Hut zu bekommen“, erläutert der Metallbau-Meister aus Pritzwalk. Auch aus diesem Grund habe er es noch nie bereut, das Amt im April 2016 übernommen zu haben. „Was mich erwartet, wusste ich nach meiner zweijährigen Arbeit als Vizepräsident.“

Sich für die Interessen der Handwerker bei der Landespolitik einzusetzen sowie das Handwerk in der Öffentlichkeit zu vertreten, das bezeichnet Robert Wüst als Hauptaufgaben seines Amtes. Darüber hinaus will er Akzente setzen. So will er sich zum Beispiel dafür einsetzen, die Bedingungen für die in Brandenburg geltende Meistergründungsprämie weiter zu verbessern, damit sich noch mehr Handwerksmeister ihren Traum von der Selbstständigkeit erfüllen können.

Ein Problem sieht Wüst im Ärger vieler Handwerksbetriebe über steigende Strompreise wegen der Umlagen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes. „Kleinen Betrieben werden diese Kosten aufgebürdet, während Industriekonzerne verschont bleiben. Das finden viele unserer Kammermitglieder ungerecht.“

Dabei sieht der Kammerpräsident durchaus auch Chancen bei der Energiewende: „In unserem Zentrum für Gewerbeförderung in Götz wollen wir mit Fördermitteln ein bundesweit einmaliges „Kompetenzzentrum für Energiespeicherung und Energiesystemmanagement“ errichten. Mit diesen Technologien kann das Handwerk neue Märkte erschließen. Durch Schulungen und Beratungen wollen wir unsere Betriebe als ‚Gestalter der Energiewende‘ profilieren.“

Die Nachwuchsgewinnung und die stärkere Digitalisierung will der Kammerpräsident zu seinen Themen im Jahr 2017 machen. „In vielen Bereichen des Handwerks herrscht bereits Fachkräftemangel, obwohl wir uns stark für die Ausbildung engagieren. Nach deutlichen Rückgängen bei den Lehrverträgen haben wir uns zwar in den letzten Jahren wieder stabilisiert“, erläutert der Präsident. „Das ist aber nicht genug, um die Wirtschaftskraft des Handwerks in Zukunft zu sichern. Allein im letzten Jahr konnten mehr als 400 Lehrstellen nicht besetzt werden.“ Gründe sieht er vor allem bei fehlenden Informationen der Jugendlichen. „Wir bemühen uns, möglichst viele Hinweise zu den rund 130 angebotenen Ausbildungsberufen im Handwerk zu vermitteln und Schülern die Attraktivität des Handwerks nahezubringen

Dafür unterstützt die Handwerkskammer Potsdam Betriebe auf Ausbildungsmessen, bietet kostenfreie Ausbildungsberatungen für Jugendliche an und berät jeden Ausbildungsbetrieb auf Wunsch individuell. Darüber hinaus gibt es eine kostenfreie Lehrstellenbörse für Betriebe sowie Schulungsangebote, um Betrieben und Lehrlingen den Start in die Ausbildung so einfach wie möglich zu machen.

Außerdem will die Kammer intensiver die sozialen Medien nutzen, dort dauerhaft stärker präsent sein. „Gemeinsam mit den Kreishandwerkerschaften wollen wir die regionalen Netzwerke Schule-Wirtschaft, an dem sich bereits viele Oberschulen beteiligen, auf die Gymnasien ausdehnen, wo die Resonanz bisher schwächer ist“, sagt Wüst.

Robert Wüst ist es zudem ein wichtiges Anliegen, dass die fast 17 400 Mitgliedsbetriebe noch stärker die Angebote und Dienstleistungen der Kammer nutzen. „Vielen sind sie unbekannt oder sie beschäftigen sich nicht damit, wissen nicht, welchen unmittelbaren Nutzen sie haben können“, konstatiert der Präsident. „Das wollen wir ändern. Die Mitglieder können einen Mehrwert aus den vielen, oft auch kostenlosen Informations- und Beratungsangeboten bis hin zur Energieberatung und Weiterbildung ziehen.“ Wüst hofft, dass Handwerker die Kammer als ihre Einrichtung und ihren Dienstleister wahrnehmen.

Insgesamt geht es dem Westbrandenburger Handwerk „sehr gut“, schätzt Wüst ein. Die Konjunkturumfrage im Herbst 2016 habe ergeben, dass fast 95 Prozent der Betriebe ihre Geschäftslage als gut oder zufriedenstellend einschätzen, so der Kammerpräsident. Gerade die Bau- und Ausbaubetriebe profitieren vom umfangreichen Baugeschehen und der anhaltenden Niedrigzinsphase. Probleme gäbe es für einige Betriebe in Lebensmittelhandwerken. Die befänden sich in harter Konkurrenz zu den Discountern, die Brötchen und Wurst häufig zu Kampfpreisen anböten. „Handwerksbetrieben hilft nur hohe Qualität und immer wieder neue Produktkreationen“, meint der Präsident. Er sieht bei den Kunden, trotz Internet, einen wachsenden Trend hin zu handwerklichen Produkten und Leistungen aus der Region mit hoher Qualität, gut zu erreichenden Anbietern und hohem Service.  





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