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Dreifach-Mörder aus Müllrose : „Habe ihm ins Gewissen geredet“

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Betreuer von Dreifach-Mörder Jan G. weist Versäumnisse zurück.

svz.de von
erstellt am 13.Mär.2017 | 20:45 Uhr

Nach dem Drama mit drei Toten im Kreis Oder-Spree reißt die Kritik an den beteiligten Behörden nicht ab. Auch dem gerichtlich bestellten Betreuer des Jan G. werden Versäumnisse vorgeworfen. Der Jurist hat sich nun selbst dazu zu Wort gemeldet.

Die Mutter des 24-Jährigen hatte in dieser Zeitung darüber berichtet, dass sie sich immer wieder hilfesuchend an den Betreuer gewandt habe, weil ihr Sohn seine Bewährungsauflagen verletzte und sie sich von ihm bedroht fühlte. Auch habe sie sich gewünscht, dass der Betreuer als quasi Vormund von Jan G. dessen Medikamenteneinnahme kontrolliert. Er hatte regelmäßig Spritzen gegen seine Schizophrenie verordnet bekommen. Ihre Appelle und Sorgen seien jedoch selten gehört worden, bedauerte die Mutter.

Der Betreuer erklärte dazu nun dieser Zeitung, dass er im Umgang mit Jan G. klare Rechte und Pflichten gehabt habe. „Es gehört nicht zur Aufgabe eines Betreuers, die Einnahme von Medikamenten direkt und persönlich zu überwachen“, betonte der Jurist. „Ich habe ihm ins Gewissen geredet, die Medikamente zu nehmen“, erinnert sich der Betreuer. „Das hat er nach meinem Eindruck sehr ernst genommen.“ Auch habe er die Familie ausdrücklich darüber informiert, wie wichtig die Einnahme der Medikamente sei. Der Jurist ergänzte, dass die Einnahme rund ein Jahr lang gut geklappt habe. „Seine Oma hat aufgepasst.“ Offen ist, ob das in Schieflage geriet, weil sich Jan G. in den vergangenen Monaten öfter und länger in Bayern bei seiner Freundin aufhielt.

Der Berliner Jurist verweist mit Blick auf weitere Aussagen der Mutter darauf, dass seine Aufgaben vier Bereiche im Leben des Jan G. umfasst hätten: Vermögensangelegenheiten, gesundheitliche Belange, Angelegenheiten rund um seinen Aufenthaltsstatus sowie seine Vertretung vor Gericht. Sein Auftrag laute, „zum Wohle“ des Klienten zu handeln. „Ich bin der Betreuer von Jan G., nicht der seiner Familie.“ So sei es auch nicht seine Aufgabe gewesen, auf eine eventuelle Unterbringung von Jan G. im Maßregelvollzug zu dringen. Der Betreuer betonte jedoch, dass er vor den jetzigen Taten eine Einweisung in den Maßregelvollzug nicht befürwortet hätte – trotz Vorstrafen und Verstößen gegen die Bewährungsauflagen. Der Betreuer liegt damit auf Linie des Landgerichts Frankfurt (Oder), das von einer Einweisung absah beziehungsweise sie zur Bewährung aussetzte.

Er habe selbst sehr konkrete Erinnerungen an jenen 28. Februar, an dem Jan G. drei Menschen umgebracht hat, berichtet der Betreuer. So erreichte ihn an diesem Tage die Nachricht des 24-Jährigen, dass „etwas Schlimmes passiert“ sei. Der Jurist habe sich umgehend auf den Weg nach Beeskow gemacht. Nachdem Jan G. seine Großmutter in Müllrose erstochen hatte, hielt er sich demnach zunächst kurz im Beeskower „Haus des Seins“ auf, einer Einrichtung für Menschen mit seelischen Erkrankungen. Den Ort hatte er bereits in der Vergangenheit mit seinem Betreuer aufgesucht. Es ging um die Möglichkeit, dort unterzukommen.

Nach dem Verlassen der Einrichtung fuhr Jan G. weiter nach Oegeln, wo er zwei Polizisten überfuhr und dabei tötete. Trotz des Vorstrafenregisters seines Betreuten habe er einen solch brutalen Gewaltausbruch nicht erwartet.

Jörg Kühl

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