Zusammenarbeit Polizei Polen und Deutschland : Grützwurst oder Roulade

Polnische und deutsche Polizisten nehmen seit gestern an einem Lehrgang in der Polizeiinspektion Ost in Frankfurt (Oder) teil.
Foto:
Polnische und deutsche Polizisten nehmen seit gestern an einem Lehrgang in der Polizeiinspektion Ost in Frankfurt (Oder) teil.

20 deutsche und polnische Polizisten sitzen seit gestern in Frankfurt (Oder) wieder gemeinsam auf der Schulbank und lernen Vokabeln

von
01. März 2016, 05:00 Uhr

Der Satz „Die Ausweispapiere, bitte“ klappt sowohl in polnischer als auch in deutscher Sprache gut. Aber bei der Auswahl des Mittagessens in der Kantine in der Polizeidirektion in Frankfurt (Oder) sind die deutschen Polizisten am Montag eindeutig im Vorteil: „Wie übersetzt man Grützwurst“, fragt selbst der Dolmetscher ratlos.

So schwierig kann Alltag sein. Beim 13. Sprachlehrgang lernen 20 deutsche und polnische Polizisten, sich in der Sprache der Kollegen zu verständigen. Zwei Wochen sitzen sie auf der Schulbank. „Wir sind ordentlich gefordert“, sagt der 30-jährige Marcel Philipp, im Streifendienst in Frankfurt (Oder) tätig. Wie seine Mitschüler hatte er sich freiwillig für den Kurs entschieden. Im täglichen Dienst konnte er von seinen Kenntnissen schon profitieren. „Guten Tag, das ist eine Verkehrskontrolle“, legt Philipp zum Beweis auf Polnisch vor. Mit dem Satz habe er schon einige Autofahrer verdutzt. Auch einen verdächtigen Ladendieb konnte er Polnisch nach den Ausweispapieren fragen.

Auf polnischer Seite ist das Interesse ebenfalls groß. „Wir setzen auf gemeinsame Streifen auf deutschem oder polnischem Gebiet“, sagte Dariusz Kalcynksi, Leiter der polnischen Grenzschutzabteilung. Doch dafür müssten sich die Beamten mehr als nur mit Händen und Füßen verständigen können. Ein Dolmetscher sei nicht immer verfügbar. „Heute läuft die Zusammenarbeit der Behörden entlang der gesamten Grenze reibungslos“, betont er.

Der Aufbaulehrgang „Im Tandem gegen die Grenzkriminalität“ ist seit 2012 der inzwischen 13. Kurs. Etwa 150 Beamte aus beiden Ländern nahmen bislang teil. In Vorträgen wird den Brandenburger Landes- und Bundespolizisten und den polnischen Polizei- und Grenzbeamten erläutert, wie die Arbeit beim Nachbarn funktioniert. Dazu stehen Praktika im Programm. Es sei wichtig, sich verständigen zu können, sagt Wilhelm Borgert, Leiter der Bundespolizeidirektion Frankfurt (Oder).

Die 36-jährige Polizistin Julita Cholswinska aus Gubin will an Aussprache und Grammatik arbeiten. „Ich verstehe auch immer besser die Antworten“, erzählt sie selbstbewusst. Für den Alltag in Deutschland müsse sie aber weiter büffeln. „Dafür reicht es nicht aus“, sagt sie.

Zur Mittagspause greift nur ein deutscher Polizist zur Grützwurst. Der Rest der Klasse entscheidet sich für Suppe oder Roulade: Speisen, die auch im Polnischen so heißen.

Gudrun Janicke (MOZ)

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen