Grenzübergang Schwedt : Großeinsatz an polnischer Grenze

Am Grenzübergang Schwedt wurden Hunderte Fahrzeuge kontrolliert auf der Suche nach Diebesgut.
Am Grenzübergang Schwedt wurden Hunderte Fahrzeuge kontrolliert auf der Suche nach Diebesgut.

1000 Uniformierte und Zivilfahnder von Polizei und Zoll waren Dienstag bis Donnerstag auf Jagd nach Dieben und anderen Verbrechern

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23. Juni 2017, 21:00 Uhr

Die Polizeikelle der jungen Polizistin signalisiert: „Stopp“. Verkehrskegel auf der Straße zwingen Ulrich Musik von der B 166 auf den schmalen Weg in Richtung Deich zu rollen. Dort sind viel mehr Einsatzfahrzeuge von Polizei, Bundespolizei und Zoll konzentriert als die Schwedter Polizei an normalen Tagen als Streife auf die Straße bringen kann. Musik ist auf dem Weg zum Einkauf in Polen. Stattdessen hört er: „Ihre Fahrzeugpapiere, bitte!“ Der Ton der Polizisten und Zöllner ist entspannt und freundlich. Musik hat dennoch kleine Schweißtropfen auf der Stirn. Aber er findet sogar die verlangte Warnweste unterm Vordersitz. Vorbildlich“, lobt der Polizist. Er kann umkehren und zum Einkaufen ins Nachbarland rollen.

Was hält Musik von diesem massiven Polizeiaufgebot im Grenzland? „Anfangs denkst du, nicht gerade jetzt! Dann fällt dir ein, wie viele Autos, Bootsmotoren und andere Sache in Schwedt, Gartz, Lychen gestohlen werden. Dann denkst Du: Verdammt, das müssten die viel öfter machen. Dann würde die Diebe vielleicht abgeschreckt. Und es wäre vielleicht auch klar: Nicht jeder Pole ist ein Krimineller und nicht jeder Deutsche ein Heiliger.“

So gelassen wie Musik sehen das nicht alle Grenzgänger auf vier Rädern. Jens Schröder zum Beispiel: „An der Grenze werden doch seit vergangener Woche schon Pässe kontrolliert. Die wollen den G-20-Gipfel schützen. Sollten sie uns eigentlich auch. Gegen die Verbrecher, die in der Grenzregion Unternehmern den Betrieb und Privatleuten die Autos unterm Arsch wegklauen.“

Kontrolliert wird vor den Grenzübergängen Rosow, Mescherin, Schwedt, Hohenwutzen und Küstrin. Polizisten und Zöllner schauen in Autos, checken die Fahrer, ihre Papiere und Kofferräume. Lkw bleiben in Schwedt verschont. Was suchen die Kontrolleure und warum?

In Schwedt stoppen Zivilfahnder einen Kleintransporter mit polnischem Kennzeichen. Im Wagen finden sich neben drei Männern Müllsäcke mit Kleidung. Das Trio ist bereits mit Eigentumsdelikten auffällig geworden . Die Männer können sich nicht auf eine Version zur Herkunft der Kleidung einigen. Sie werden vorläufig festgenommen. Der Fahrer des Transporters steht zudem unter Drogeneinfluss.

In Neurochlitz (Uckermark) stoppen die Beamten eine dreiköpfige Motorradtruppe. Die Kennzeichentafeln an den Maschinen sind manipuliert. Offensichtlich, um bei Verkehrsverstößen die Fahndung zu erschweren. Es hagelt eine Anzeigen wegen Kennzeichenmissbrauchs. An der selben Kontrollstelle rollt ein VW Crafter vor, dessen Kennzeichen keine amtliche Stempelung aufweisen. Das bedeutet Kennzeichenmissbrauch und Verstoßes gegen die Zulassungsordnung. Dem Polen wird die Weiterfahrt untersagt und er muss eine Sicherheitsleistung hinterlegen.

Ebenfalls die Weiterfahrt untersagt wird einem Mann, der in Gartz (Uckermark) mit britischem Kennzeichen vorfährt. Der Fahrer legt zwar einen englischen Führerschein vor, muss aber einräumen, seit geraumer Zeit in Deutschland zu wohnen. Anzeige wegen Verstoßes gegen die Abgabenordnung und Verstoßes gegen das Pflichtversicherungsgesetz. 

Polizeisprecher Steffen Möhwald sagt, dass im Vorjahr im Bereich der Polizeidirektion 874 Autos gestohlen worden sind. Schwedt und Frankfurt sind Brennpunkte des Autodiebstahls. Im Jahr 2016 waren Diebstahlsdelikte mit einem Anteil von gut 39 Prozent am Gesamtaufkommen der Straftaten die Treiber der Kriminalitätslage in der Direktion Ost. Registriert wurden 20 563 Fälle. 2015: 20 794. Auf die Uckermark entfielen davon deutlich über 3100. Auch hier sagt die Polizei: Tendenz rückläufig. Im gesamten Land wird aber nicht einmal jeder dritte dieser Kriminalfälle aufgeklärt. Die höchste Aufklärungsrate verzeichnet die Inspektion Uckermark mit fast 32 Prozent.

Die Bundespolizeiinspektion Angermünde ist noch länger mit zusätzliche Posten und Streifen in der Grenzregion unterwegs. Bundesinnenminister Thomas de Maiziére hat Kontrollen an den deutschen Schengen-Binnengrenzen angeordnet zur Sicherung des G-20-Gipfels in Hamburg am 7. und 8. Juli. Störer oder potenzielle Gewalttäter sollen rechtzeitig erkannt und aus dem Verkehr gezogen werden. Wer in Polen tanken oder einkaufen will, sollte Pass oder Ausweis dabei haben.

Dietmar Rietz

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