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Unwetter in Brandenburg : Große Schäden nach Hochwasser

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

In Leegebruch bei Oranienburg fielen bei dem Starkregen 250 Liter auf den Quadratmeter.

svz.de von
erstellt am 03.Jul.2017 | 05:00 Uhr

Nach den heftigen Regenfällen der vergangenen Tage hat sich die Lage in Leegebruch bei Oranienburg (Oberhavel) etwas beruhigt. Teile des Ortes standen gestern zwar noch immer unter Wasser. „Ein weiterer Pegelanstieg konnte verhindert werden“, sagte Oberhavel-Landrat Ludger Weskamp (SPD). „Mit den direkten Folgen haben wir noch einige Zeit zu kämpfen“, klagte der SPD-Politiker. Da Leegebruch mit seinen mehr als 6500 Einwohnern geografisch in einer Senke liegt, läuft das Wasser aus der Umgebung dort zusammen.

Wegen der angrenzenden Trassen der Bundesstraße 96 und des Berliner Autobahnrings kann es außerdem nur sehr schwer abfließen. In der Folge brach die Kanalisation in 75 Prozent der Haushalte zusammen. Auch die Stromversorgung war teilweise unterbrochen. Gestern Nachmittag waren noch mehr als 60 Haushalte ohne Strom, wie Sandy Lentz-Büttner vom Energieversorger Edis erklärte.

In der Nacht zu Sonntag versuchten mehr als 100 Helfer, mit Pumpen und Sandsäcken die Situation unter Kontrolle zu bringen. Insgesamt seien 20 000 Sandsäcke verlegt worden. „Die Lage ist schlimm und eine Tragödie für die Menschen“, betonte Weskamp. „So eine Situation mit Starkregen und 250 Litern Niederschlag den Quadratmeter hatten wir in Oberhavel noch nie.“ Als Hochwasserregion sei der Kreis nördlich von Berlin nicht bekannt.

Der amtierende Bürgermeister Martin Rother sieht eine Kostenlawine auf seine Gemeinde zu rollen. „Weil aus rechtlichen Gründen kein Katastrophenalarm ausgerufen wurde, muss Leegebruch für alle Kosten gerade stehen“, sagte der 45-Jährige. Wäre der Alarm ausgerufen worden, hätte der Kreis sofort übernommen und auch in der Kostenfrage wäre er federführend gewesen.

So haben Weskamp und der Kreis erst am Samstagabend die Einsatzleitung übernommen. „Rechtlich waren uns die Hände gebunden“, betonte Weskamp. Vom Starkregen war der ganze berlinnahe Teil Oberhavels betroffen, hob er hervor.

Der Kreis überlege, Hilfsprogramme zur Beseitigung der Schäden ins Leben zu rufen. „In dieser Frage ist aber auch das Land in der Pflicht“, erklärte Weskamp. Es sei noch offen, für welche Schäden Versicherungen zahlten.

Die Polizei in Oranienburg hatte mit einem ganz anderen Phänomen zu tun. Nach dem Unwetter sind über 140 verlorene Auto-Kennzeichen bei ihr eingegangen. Nach Informationen der Polizei liegen die abgegebenen Kennzeichen bis einschließlich morgen zum Abholen bereit. Alle nicht abgeholten Tafeln würden am Mittwoch der Kfz-Zulassungsstelle des Landkreises übergeben.

Sorge um Getreideernte

Nach dem Unwetter sorgen sich die Bauern in Brandenburg um ihre Getreideernte. Ob es zu gravierenden Ernteausfällen komme, hänge vom Wetter der kommenden Tage ab, teilte der Landesbauernverband am Freitag in Teltow (Landkreis Potsdam-Mittelmark) mit. Nach ersten Erkenntnissen seien bislang keine nachhaltigen Schäden zu erkennen. Lediglich das Dreschen verzögere sich durch die Nässe. Roggen und Gerste lägen stellenweise etwas flacher auf den Feldern. „Wenn es abtrocknet und die Sonne rauskommt die nächsten Tage, dann sind wir glimpflich davongekommen“, sagte Verbandssprecher Sebastian Scholze.
 

 

 

 

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