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Natur vs. Wirtschaft : Große Pläne für die Elbe verkündet

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Die Elbe soll zum naturnahen Fluss werden, fordern die einen – einen verlässlichen Transportweg für den Güterverkehr wollen andere

svz.de von
erstellt am 29.Mär.2017 | 05:00 Uhr

Vertreter des Bundes und mehrerer Landesregierungen sowie von Naturschutz- und Wirtschaftsverbänden haben das neue langfristige Entwicklungskonzept für die Elbe als großen Fortschritt und Meilenstein bezeichnet. Damit sei eine gute Arbeitsgrundlage für die kommenden 20 bis 30 Jahre geschaffen worden, hieß es auf einer Regionalkonferenz in Magdeburg zum neuen Gesamtkonzept. Es sei gelungen, die Gräben und sehr unterschiedlichen Positionen von Naturschützern und Wirtschaft zu überwinden und aufeinander zuzugehen. Kern des neuen Papiers sei es, dass Baumaßnahmen und Veränderungen an der Elbe nur umgesetzt werden dürften, wenn sie sowohl der Ökonomie als auch der Ökologie nutzten.

Bund, Anrainerländer und Interessensvertreter hatten dreieinhalb Jahre lang am Konzept gearbeitet. Darin analysierten die Beteiligten die größten Probleme an den rund 600 Flusskilometern zwischen der tschechischen Grenze und Geesthacht (Schleswig-Holstein) und entwickelten 55 Optionen, um sie zu lösen.

Das Gesamtkonzept soll noch vor der Bundestagswahl im September vom Bundestag beschlossen werden. Anschließend sollen Forschungs- und Planungsaufträge vergeben und die Projekte ausfinanziert werden. Nach Angaben der SPD-Bundestagsabgeordneten Dagmar Ziegler sind für die Umsetzung rund 300 Millionen Euro veranschlagt. Ein Großteil davon sei für Umweltmaßnahmen vorgesehen.

Trotz eines Grundkonsenses sind viele Streitpunkte nicht ausgeräumt. Aus Sicht der Grünen-Bundestagsabgeordneten Steffi Lemke gehen vor allem die Ziele zum Stopp der Abtragung des Gewässergrundes, die sogenannte Sohlerosion, nicht weit genug. An vielen Stellen gingen derzeit zwei Zentimeter pro Jahr verloren, sagte Lemke. Es fehle ein Zeithorizont, bis wann die Entwicklung gestoppt werden soll. Sohlerosion ist aus Sicht vieler Umweltschützer das größte Problem. Die Abtragung lasse Auen austrocknen und gefährde Lebensräume.

Georg Rast von der Umweltschutz-Stiftung WWF kritisierte, in den vergangenen Jahrzehnten sei zu wenig Monitoring an der Elbe betrieben worden. „Jetzt werden wir einiges ausprobieren müssen, um zu beobachten und zu lernen.“ So schlägt das Gesamtkonzept etwa vor, Natursteine am Grund der Elbe zu verankern, um die Erosion einzudämmen. Das Verfahren ist auch Teil eines Pilotprojekts südlich von Wittenberg (Sachsen-Anhalt), das verschiedene Maßnahmen testen soll.

Die Schifffahrt hofft hingegen vor allem darauf, dass das neue Konzept ihr eine verlässliche und planbare Nutzung der Elbe als Transportweg erlaubt. Man habe nun zumindest Planungssicherheit, um ein vernünftiges Schiffskonzept auf die Elbe zu bringen, sagte der Chef der Sächsischen Binnenhäfen, Heiko Loroff. „Das gibt es seit 35 Jahren nicht mehr, weil niemand wusste, was mit der Elbe passiert.“

Vor allem in den vergangenen Jahren hatte die Branche mit langen Niedrigwasserphasen zu kämpfen. Mit Veränderungen an den Ufern und Aufschüttungen soll künftig an mehr als elf Monaten im Jahr die Fahrrinne im Durchschnitt 1,40 Meter tief sein. Stefan Kunze vom Verein Elbe-Allianz führt die Vorteile an: „Wir bekommen damit rund 20 Zentimeter mehr nutzbare Wassertiefe, das entspricht rund 100 Tonnen pro Schiff in Sachsen. Das ist eine Menge Geld.“ Große Chancen lägen in der digitalen Steuerung, die Schiffen einen fahrbaren Weg zeige und Gegenverkehr an Engstellen vermeide, sagte Boris Kluge vom Bundesverband Öffentlicher Binnenhäfen. Zudem müsse der Neubau leichter Schiffe mit geringem Tiefgang diskutiert werden.

Konkrete Projekte sollen schrittweise umgesetzt werden. Offen seien noch Vereinbarungen mit Tschechien, sagte der CDU-Bundestagsabgeordnete Jürgen Klimke. Auch der Radtourismus und die Kreuzschifffahrt sollen weiter gestärkt werden.

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