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Interview : „Größte Sorge ums Getreide“

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Der Präsident des Landesbauernverbands Brandenburg, Henrik Wendorff, über die aktuellen Probleme der Landwirte.

svz.de von
erstellt am 27.Jul.2017 | 05:00 Uhr

Brandenburgs Landwirte schauen derzeit sorgenvoll zum Himmel. Über die mit dem Regen verbundenen Probleme gibt der Präsident des Landesbauernverbands, Henrik Wendorff (51), Auskunft, der in Märkisch Oderland selbst Landwirt ist. Mit ihm sprach Dietrich Schröder.

Herr Wendorff, wie viele Liter Wasser sind aktuell schon auf Ihre Felder in Worin heruntergekommen?

Henrik Wendorff: Wir hatten am Wochenende 27 Liter und lagen bis am späten Dienstag schon wieder bei 20 Litern. Und das ist während der Erntezeit einfach nicht gut. Mal zehn oder 20 Liter, das wäre ja für das Getreide noch zu vertreten. Einige Regionen in Brandenburg haben aber allein heute schon über 60 Liter gemeldet. Das führt am Ende des Tages zu Schäden im Getreide.

Wie viel des Getreides, das in Brandenburg auf rund einer halben Million Hektar angebaut wird, ist eigentlich seit dem Erntebeginn Ende Juni schon vom Acker?

Die Ernte läuft regional sehr unterschiedlich. Der Süden Brandenburgs fängt ja immer an und der Norden mit der Prignitz und der Uckermark ziehen nach. Derzeit sind nicht viel mehr als 20 Prozent abgeerntet. Vor allem die Wintergerste und Teile des Roggens und der Triticale wurden bisher eingebracht.

Also sieht es für 80 Prozent des Getreides noch kritisch aus?

Genau. Und mit jedem weiteren Starkregen sinkt die Qualität. Denn da kommen verschiedene Faktoren zusammen: Wenn das Getreide umfällt und die Böden immer durchnässter werden, sinkt auch die Beerntbarkeit der Flächen.

Was kann ein Landwirt an solchen Tagen eigentlich machen? Nur warten, dass der Regen aufhört?

Wenn der Regen nicht zu stark war, kann man den Boden auf bereits abgeernteten Flächen bearbeiten. Oder auch das Stroh von dort bergen. Beides ist aber derzeit kaum möglich.

Das Stroh, was jetzt auf den Feldern liegt und als Tierfutter gebraucht wird, nimmt Wasser auf wie ein Schwamm. Und bei den niedrigen Temperaturen, die wir derzeit haben, wird auch nichts trocken. Nach drei Tagen Feuchtigkeit wird es kritisch, das Stroh noch vom Feld zu bekommen.

Kann der Bauer sonst noch irgend etwas machen?

Er bringt seine Technik auf Vordermann, die Maschinen werden betankt und gereinigt, damit sie – ich sag mal, wie bei einer gut geführten Feuerwehr – in den Hallen oder unter den Dächern startklar für den nächsten Einsatz stehen.

Und wenn dann am Wochenende schönes Wetter ist, muss eben gearbeitet werden?

Für uns spielen Wochentage momentan überhaupt keine Rolle. In den nächsten vierzehn Tagen ist immer Montag. Da gibt es auch kein festgeschriebenes Ende des Arbeitstags. Sondern in so einer Extremsituation muss man wirklich jede Minute nutzen, in der man ernten kann.

Wie sieht es bei anderen Kulturen aus?

Es gibt natürlich ein paar Kulturen, die mögen so eine Wetterlage, insbesondere der Mais. Wer landauf, landab fährt, der sieht ja, wie der gerade wächst. Der hat zum Teil schon Höhen über drei Meter erreicht. Das ist wirklich phänomenal, was der Mais für ein Potenzial hat. Er mag die feucht-warme Witterung. Etwas kritischer sieht es bei der Kartoffel aus. Die mag zwar Feuchtigkeit, aber keine stauende Nässe, so wie jetzt. Aber derzeit rückt alles andere außer dem Getreide für uns etwas nach hinten. Denn das Getreide macht fast drei Viertel der Erlöse unserer Landwirte aus.

Eine wichtige Rolle spielt aber auch der Raps?

Ja, natürlich. Der Raps verträgt allerdings etwas mehr Niederschlag als das Getreide. Kritisch wird es erst dann, wenn sich Feuchtigkeit und Hitze abwechseln. Dadurch platzen die Schoten und der Raps fällt auf die Erde.

Also kann man Ihnen momentan nur die Daumen drücken, dass das Wetter wieder besser wird?

Ja, wir brauchen einfach den Hochsommer genauso wie die Schulkinder, die sich so lange auf ihre Ferien gefreut haben. Und jeder, der uns die Daumen drückt, hilft ein bisschen.

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