Gesundheit : Grippeviren breiten sich weiter aus

Die Grippe ist in Brandenburg auf dem Vormarsch.
Die Grippe ist in Brandenburg auf dem Vormarsch.

In der vergangenen Woche wurden allein 240 Fälle registriert / Höhepunkt ist noch nicht erreicht

svz.de von
01. März 2016, 05:00 Uhr

Die Grippeviren breiten sich in Brandenburg und Berlin weiter aus: Rund 1600 Influenza-Fälle wurden bislang registriert; in den Arztpraxen herrscht Hochbetrieb. Experten warnen jedoch, dass der Höhepunkt der Grippewelle noch nicht erreicht ist.

Hoffnung auf eine schnelle Genesung kann Johannes Becker seinen Patienten nicht machen. Denn eine echte Grippe zwinge die Erkrankten meist länger als eine Woche ins Bett, erklärt der Vorsitzende des Hausärzteverbandes Brandenburg. „Das ist einfach eine Notwendigkeit und kein Geschenk von mir“, so der Mediziner aus Ruhland. Dabei behandelt der Hausarzt in diesen Wochen besonders viele Grippekranke mittleren Alters, die von den Influenzawellen der vergangenen Jahre zumeist verschont wurden. Schuld ist ein Erreger mit der Bezeichnung A(H1N1)pdm09 – eine Spielart des Schweinegrippevirus. Er verursacht auch bei jüngeren Erwachsenen mehr schwere Krankheitsverläufe als Viren.

„In den besten Jahren unseres Lebens haben wir zwar ein robustes Immunsystem“, sagt Becker. In vielen Fällen habe dieses jedoch nicht genügend Widerstandskraft, um Schweinegrippeviren abzuwehren, die erst seit 2009 grassieren. „Diese Erreger sind für unseren Körper noch relativ neu“, erläutert der Mediziner.

Alle vier bis fünf Jahre sei mit einer Häufung von Schweinegrippe-Erregern zu rechnen. Das Robert-Koch-Institut (RKI) kann jedoch keine Anzeichen für eine besonders heftige Grippewelle erkennen. Der Verlauf sei bisher typisch, die Zahl der Fälle sei im Rahmen, sagt Sprecherin Susanne Glasmacher. In dieser Saison sei allerdings der Osten Deutschlands vergleichsweise stark betroffen. „Uns sind nur wenige schwer verlaufende Fälle bekannt geworden“, so Glasmacher. Bislang starben bundesweit 37 Menschen an Grippe oder Folgeerkrankungen. Bei ihnen wurde Influenza durch Laborwerte nachgewiesen. Nach Auffassung der RKI-Experten gibt es noch keine Anzeichen, dass der Höhepunkt der Grippewelle erreicht wurde.

Allerdings werde beobachtet, dass die Dominanz der Schweinegrippeviren unter sämtlichen Grippeerregern zurückgehe. Einen drastischen Anstieg melden aktuell auch die Behörden in Brandenburg. So steckten sich in der Mark knapp 850 Menschen seit Auftreten der ersten Influenza-Fälle im vergangenen Oktober mit Grippe an, wie das Gesundheitsministerium berichtet – 240 allein in der vergangenen Woche. Ein Patient ist an den Folgen von Influenza gestorben.

Wie aus dem Bericht weiter hervorgeht, sind insbesondere Kleinkinder und Erwachsene zwischen 30 und 40 Jahren betroffen. Und: 96 Prozent der Grippekranken waren nicht geimpft. Dabei betonen sowohl Mediziner als auch Experten des Robert-Koch-Instituts, dass die aktuellen Zahlen nicht das tatsächliche Grippeaufkommen widerspiegeln. „Man kann nicht von jedem Patienten eine Blutprobe nehmen“, sagt Ulrich Schwantes, Allgemeinmediziner in Oberkrämer (Oberhavel). „Die meisten müssen ins Bett, um sich auszukurieren.“

Henning Kraudzun (MOZ)

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