Regiomaten in Brandenburg : Grillwürstchen und Steaks rund um die Uhr

Milchtankstelle und Regiomat der Agrargenossenschaft in Dannenberg
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Milchtankstelle und Regiomat der Agrargenossenschaft in Dannenberg

Wochenende, bestes Grillwetter – doch die Läden sind bereits zu. In Märkisch-Oderland helfen Regiomaten.

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24. Juni 2016, 05:00 Uhr

Jens Petermann bringt die Sache auf den Punkt. „In strukturschwachen ländlichen Regionen müssen wir uns etwas einfallen lassen, wenn immer mehr Läden und Supermärkte schließen“, sagt der Geschäftsführer der Produktivgenossenschaft Dannenberg (Märkisch-Oderland). Seine Lösung heißt „Horst“ und ist ein Regiomat - ein Automat, der Kunden keinen Schokoriegel, sondern regionale Produkte bietet: frische Eier, Butter, Rapsöl sowie Rindfleisch und Würstchen aus eigener Schlachtung des Betriebes. „Der Mitnahmeeffekt ist erstaunlich“, sagt Petermann, der „Horst“ Anfang April in den Dienst des kleinen Agrarbetriebes mit zwölf Beschäftigten gestellt hat.

Der Regiomat ist eine Weiterentwicklung der ersten Milchtankstelle in Märkisch-Oderland, die die Genossenschaft seit fast vier Jahren betreibt. Für einen Euro bekommt der Kunde einen Liter Rohmilch mit einem Fettgehalt von fast vier Prozent in einer PET-Flasche. Vor dem Verzehr sollte die Milch aber abgekocht werden. Sie stammt von den 160 betriebseigenen Kühen. „Wir haben inklusive unserer Nachzuchten 360 Kühe, von denen einige auch geschlachtet werden“, sagt der Dannenberger Chef.

Üblicherweise wird das Fleisch wie andere ländliche Produkte im Hofladen verkauft. Doch Stammkunden brauchen Waren auch außerhalb der Öffnungszeiten. So kam „Horst“ ins Spiel. „Die Fleischprodukte müssen eingeschweißt sein und kontinuierlich bei vier bis sieben Grad gekühlt werden“, sagt Ralph Bötticher, Chef des Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamtes des Landkreises. Dabei würden die gleichen Kriterien wie im normalen Laden gelten.

Genauso würde der Regiomat vom Amt regelmäßig kontrolliert. „Die Idee einer Direktvermarktung auch am Wochenende ist wirklich gut“, findet Bötticher.

Auch andernorts ist die Nachfrage groß. In Steinbeck hat die Agrargenossenschaft Höhe bereits eine Milchtankstelle aufgestellt, mit der das Unternehmen gute Erfahrungen macht. 150 Liter Rohmilch gehen täglich weg. Auch ein Regiomat ist vorhanden, der Ende Juni offiziell in Betrieb geht. Neben Eiern, Lein- und Rapsöl sowie Honig aus eigener Produktion wird es Grillwürstchen geben, wenn auch noch nicht selbstgemacht, sondern von Fleischern der Region.

Abgepackt in der 550-Gramm-Portion kosten Bratwürste 4,50 Euro. Für ein Kilogramm Grillfleisch zahlt der Kunde am Regiomaten 7,50 Euro. „Unsere Genossenschaft gibt es seit 25 Jahren. Oft werden wir gefragt, wo es das, was wir produzieren, zu kaufen gibt“, erinnert sich Vorstand Regina Helbig. Seine Produkte liefere der Betrieb an große Konzerne. „Das Bewusstsein der Leute ist erst in den vergangenen Jahren gewachsen. Jetzt wollen sie wissen, wo die Lebensmittel herkommen, die sie essen“, so Geschäftsführerin Nicole Winkelmann. Im nächsten Frühjahr soll es im Steinbecker Regiomaten eigene Wildfleisch-Produkte geben. „Wir haben jetzt ein eigenes 350 Hektar großes Jagdgebiet nebst einem eigenen Jäger.“

Jeanette Bederke

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