Fehrbellin : Grausamer Alltag im Fleischbetrieb

Heimlich gefilmt: Tierschützer werfen dem Schlachtbetrieb vor, dass dort Rinder geschlachtet wurden, die noch nicht fachgerecht betäubt waren.
Heimlich gefilmt: Tierschützer werfen dem Schlachtbetrieb vor, dass dort Rinder geschlachtet wurden, die noch nicht fachgerecht betäubt waren.

Nach Aufnahmen über Tierquälerei stellt Unternehmen aus Fehrbellin Schlachtung ein.

svz.de von
09. November 2018, 05:00 Uhr

Nach der Veröffentlichung von Videoaufnahmen über die Misshandlung von Rindern in der Hakenberger Fleisch GmbH (Hafleg) hat das Unternehmen aus Fehrbellin (Ostprignitz-Ruppin) die Schlachtung vorerst eingestellt. Das Veterinäramt des Kreises prüft nun arbeitsrechtliche Konsequenzen für die Mitarbeiter.

Die grausamen Schlachtungen wurden von Mitgliedern der Tierschutzorganisation Animal Rights Watch (Ariwa) aufgedeckt. Die Tierschützer hatten den Schlachtbetrieb bei der Hafleg im Juli und August mit versteckter Kamera gefilmt. Die illegal angefertigten Bilder zeigen, wie Mitarbeiter Tiere treten, mit Stangen schlagen und den Elektroschocker entgegen den Vorschriften auch am Kopf einsetzen. Zudem ist gefilmt worden, wie bis zu fünf Mal erfolglos versucht wurde, Rinder mit einem Bolzenschussgerät zu betäuben, und wie die Schnitte für das Entbluten fehlerhaft gesetzt wurden.

„An beiden Tagen, an denen diese Aufnahmen entstanden sind, ist bei mindestens acht Rindern deutlich zu erkennen, dass sie während des Entblutens nicht vollständig betäubt sind“, sagte Sandra Franz von Ariwa. „Darauf deuten das Heben des Kopfes und die Schreie der Tiere hin.“

Nach Ansicht des Veterinäramtes enthalten die Aufnahmen „teils schockierende Bilder“. Wie die Aufsichtsbehörde mitteilte, wurde der Betrieb regelmäßig überprüft, und eigentlich sollte bei jeder Schlachtung auch ein Tierarzt dabei sein. „Warum es gleichwohl zu solchen Verstößen kommen konnte, wird zurzeit aufgearbeitet“, teilte das Amt mit.

Hafleg-Geschäftsführer Jens Winter war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Gegenüber dem rbb bezeichnete er die Arbeit seiner Mitarbeiter als nicht akzeptabel. Ein Mitarbeiter dürfe inzwischen den Hof nicht mehr betreten, ein anderer nicht mehr schlachten, sagte Winter.

Die Hafleg, die als Bio-Schlachthof zertifiziert ist, hat sich auf die Schlachtung und Verarbeitung von Rindern aus der Region spezialisiert. Der Betrieb mit sechs Mitarbeitern beliefert neben Restaurants auch die deutsche Köche-Nationalmannschaft mit Fleisch. Zuletzt hatte das Unternehmen schon ein Mal Schlagzeilen wegen eines Schlachters gemacht, der einen Bullen mit einem Elektroschocker traktiert haben soll. Gegen ein Bußgeld wurde der Prozess gegen den Mann eingestellt.

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