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Brandenburg : Google filmt erneut auf den Straßen

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Kamera-Autos seit dieser Woche wieder unterwegs / Mit den neuen Daten werden Karten aktualisiert

Jahrelang waren die mit Kameras bestückten Autos von Google nicht mehr zu sehen. Jetzt touren die fotografierenden Fahrzeuge erneut bundesweit über die Straßen. Mittlerweile nutzen auch manche Kommunen die Technologie.

Auffallen werden sie sofort. Die grün-weiß lackierten Autos mit dem Schriftzug „Google Maps“ und wuchtigen Kameras auf dem Dach sind in den nächsten Monaten auch in Brandenburg unterwegs. Dort verzeichnet der Internet-Riese bislang große weiße Flecken bezüglich der dreidimensionalen Darstellung von Straßen und Häuserfassaden. Doch um „Street View“, wie das umstrittene Angebot heißt, gehts es dieses Mal nicht.

Es seien zwar die gleichen Fahrzeuge im Einsatz, mit denen zwischen 2008 und 2010 Bilder für „Street View“ aufgenommen wurden, erklärt Google-Sprecherin Lena Heuermann. Allerdings sollen die Aufnahmen ausschließlich für „Google Maps“, dem Kartendienst des Unternehmens, verwendet werden. So würden unter anderem Straßenschilder, Streckenführungen sowie Informationen über Geschäfte und Restaurants aktualisiert.

In welchen Zeiträumen und welchen Orten die Fahrzeuge unterwegs sind, teilte das Unternehmen nicht mit. Der Einsatz sei von äußeren Umständen wie Wetter und Baustellen abhängig, so die Sprecherin. Daher gebe es keine Tourenpläne.

Letztlich dürfte sich die Aufregung über das neue Mammutprojekt in Grenzen halten. Auch Datenschützer winken ab. „Es gibt keinen Grund zur Annahme, dass Google hier etwas verheimlichen will“, sagt Ulrich Kühn, stellvertretender Leiter der Hamburger Datenschutzbehörde, die für Verfahren gegen Google zentral zuständig ist. Ganz selten registrieren Kühn und seine Kollegen noch Verpixelungswünsche von Bürgern – obwohl in der Zwischenzeit auch Nokia und Apple hierzulande Straßen fotografierten. „Die Aufregung hat sich gelegt“, sagt er. Auch in Brandenburgs Datenschutzbehörde werden nur vereinzelte Nachfragen von Bürgern zu Einsätzen von Kamera-Autos registriert. „Es gibt aber nur dann ein Widerspruchsrecht, wenn die Bilder veröffentlicht werden“, erklärt Sprecher Sven Müller.

Das war in der heißen Phase des „Street View“-Projekts anders. Damals wurden insgesamt 240 000 Einsprüche registriert. Für Schlagzeilen sorgte unter anderem das Mecklenburger Dorf Parum, in dem sich die Anwohner geschlossen gegen die Veröffentlichung wehrten. Google nahm die Initiative der 70 Einwohner gelassen hin.

Flächendeckende Straßenpanoramen hat Google wegen der Proteste nur für die 20 größten deutschen Städte veröffentlicht. Die Aufnahmen sind weitgehend veraltet. Andererseits wird „Street View“ rege genutzt: Laut einer Umfrage des Digitalverbandes Bitkom rufen vier von fünf Internetnutzern den Dienst regelmäßig auf. Weitere Aufnahmen sollen vorerst nicht hinzukommen. „Wir haben derzeit keine Pläne, neues Bildmaterial von deutschen Straßen verfügbar zu machen“, sagt die Google-Sprecherin. „Wir würden gerne aktualisieren, aber Datenschutzbestimmungen verhindern das.“

Längst haben auch deutsche Unternehmen das Geschäftsfeld für sich entdeckt. So gab der Berliner Senat 2014 und 2015 digitale Vermessungen in Auftrag – hier wurden Fahrzeuge eingesetzt, die mit mehreren Kameras bestückt waren. Ziel sei der Aufbau einer einheitlichen Datenbank, erklärt die Senatsverkehrsverwaltung. Dafür wurde der Zustand sämtlicher Straßen, Gehwege und Radwege erfasst. Personen und Autokennzeichen seien anonymisiert worden.

Auch Potsdam finanzierte einen umfassenden „Straßenscan“. Zwei Versuche waren nötig, weil die Ergebnisse der ersten Vermessung nicht den „geforderten Qualitätsparametern“ entsprachen, wie ein Stadtsprecher sagte. Auch er versichert, dass die Daten anonymisiert werden. Freilich hatte sich während der ersten Tour die Landesdatenschutzbeauftragte Dagmar Hartge eingeschaltet.  

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erstellt am 21.Okt.2016 | 05:00 Uhr

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