Verkehr : Gigaliner rollen ab 2017 regulär

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Testphase läuft aus, Bundesminister genehmigt Regelbetrieb / Brandenburgische Firmen sehen wirtschaftliche Vorteile

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26. Dezember 2016, 15:25 Uhr

Am Anfang war Burkhard Fromm noch skeptisch, als Brandenburg beim Testbetrieb der Gigaliner plötzlich mitmachte. „Bis zum Auslaufen des Feldversuchs, Ende dieses Jahres, waren es ja nur noch acht Monate – und keiner wusste, wie es dann weitergeht“, sagt der Oranienburger Spediteur.

Mit dem nun angekündigten regulären Betrieb habe er Sicherheit. „Jetzt warten wir noch auf grünes Licht von unserem Kunden, ob es sich für ihn rechnet.“ Erst dann will er sich auch einen Riesen-Lkw anschaffen.

Nach einem fünfjährigen Test hat Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) den Regelbetrieb für Lastkraftwagen mit einer Länge bis 25,25 Meter ab 1. Januar 2017 zugelassen. Sie sind rund sechseinhalb Meter länger als herkömmliche Trucks, dürfen aber mit bis zu 44 Tonnen nicht schwerer sein. Laut Dobrindts Behörde sparen sie bis zu 25 Prozent Sprit und entlasten die Straßen.

Gestartet war der Probebetrieb 2012 in sieben Bundesländern. Mit der Zahl der Länder, die sich daran beteiligten, wuchs das Streckennetz. Aktuell ist es rund 11 600 Kilometer lang – gut 70 Prozent aller Autobahnen. Angemeldet haben sich laut Bundesministerium aktuell 60 Speditionen mit 161 Groß-Lkw.

Hatten sich anfangs noch fast alle von SPD und Grünen geführten Bundesländer gegen den Versuch gesträubt, verweigerte sich zum Schluss nur noch Berlin. Als letzte schwenkten vor wenigen Wochen erst Rheinland-Pfalz und als Folge davon das Saarland um. Beide hatten an dem Test nicht teilgenommen. Brandenburg entschied sich erst Ende 2015 für den Feldversuch. Ab Mai dieses Jahres gab das Bundesverkehrsministerium grünes Licht - für zwei Speditionen mit jeweils einem Fahrzeug.

Im Gegensatz zum Fuhrbetrieb Fromm sind bei der Firma Fiege Logistik in Rangsdorf (Teltow-Fläming) die Würfel für die XXL-Laster längst gefallen. „Komplett problemlos“ verlaufe der Transport von Lebensmitteln aus Schwerin, schwärmt der stellvertretende Niederlassungsleiter Gabriel Bonin.

„Im Vergleich zum herkömmlichen Transport sparen wir jeden dritten Lkw, das heißt, weniger Sprit, weniger Lenkzeiten und weniger Kohlendioxid-Ausstoß.“ Als zweites Unternehmen in Brandenburg lässt die Bosch-Siemens-Hausgeräte GmbH unter anderem Waschmaschinen und Kühlschränke zwischen ihrem Werk in Nauen und dem baden-württembergischen Standort Giengen transportieren. Der Einsatz der Megalaster optimiere die Warenströme und entlaste die Umwelt, erklärt das Unternehmen. Eine Verlagerung von der Schiene auf die Straße gebe es nicht. Das sieht die „Allianz pro Schiene“ ganz anders. Der Bahn-Lobby-Verband befürchtet eine massive Abwanderung von der Schiene auf die Straße, wie Erfahrungen in Schweden gezeigt hätten.

Unklar sei, wie viele der gemeldeten Lang-Lkw in Deutschland tatsächlich gefahren sind. Bestätigt sieht sich der Verein durch eine Forsa-Umfrage vom vergangenen Sommer, wonach 72 Prozent den Regelbetrieb der Mega-Trucks ablehnen. Auch die Gewerkschaft der Polizei (GdP) sieht überwiegend Nachteile der Gigaliner. Zwar gebe es ein Plus bei der Verkehrssicherheit durch Assistenzsysteme der Fahrzeuge, ist GdP-Vize Arnold Plickert überzeugt, doch sei die Infrastruktur der Verkehrswege nicht für einen Regelbetrieb von Tausenden Lang-Lkw ausgelegt. „Es fehlen Stellplätze auf den Autobahn-Raststätten, die Nothalteplätze in Tunnels sind zu kurz, und es mangelt an gut ausgebildeten Fahrern“, gibt er zu bedenken. Die Polizei könne bei der angespannten Personallage zusätzliche Kontrollen nicht gewährleisten.

Spediteur Fromm würde Fertigbaustoffe, die er von Oranienburg nach Wiesbaden fährt, gern auf das größere Ladevolumen der Gigaliner umstellen. Das aber erfordere erhebliche Änderungen der Logistik beim Kunden. „Das ist wie bei der Einführung von Containern. Das hat auch zehn Jahre gedauert, bis sie akzeptiert wurden“, erinnert sich der Firmenchef.

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