Brandenburg : Gigaliner erhalten freie Fahrt

Gigaliner wie dieser brauchen viel Platz auf der Straße und auf dem Parkplatz.
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Gigaliner wie dieser brauchen viel Platz auf der Straße und auf dem Parkplatz.

Im April sollen brandenburgische Autobahnen das Netz ergänzen – Interesse der Spediteure ist gering

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25. März 2016, 05:00 Uhr

Die rot-rote Landesregierung hatte sich jahrelang gegen den Einsatz von Gigalinern gesträubt, jetzt nimmt Brandenburg doch noch am Feldversuch teil, der bis zum Jahresende läuft. Das Interesse der Spediteure ist bislang äußerst gering.

Bald sind märkische Autobahnen für Gigaliner freigegeben, doch von Aufbruchstimmung ist bei Burkhard Fromm wenig zu spüren. Der Spediteur aus Oranienburg (Oberhavel) hatte sich früh für den Probelauf der 25-Meter-Lkw angemeldet, musste aber lange warten. „Die Landespolitik ist spät auf den Zug aufgesprungen“, sagt er.

Der Inhaber eines traditionsreichen Familienbetriebs verweist darauf, dass er einige Investitionen tätigen müsste, um am Pilotversuch teilnehmen zu können. Doch dieser läuft zum Jahresende aus. „Und es gab noch keine Signale, wie es ab 2017 weitergeht“, betont Fromm. Ein finanzielles Wagnis wolle er jedoch nicht eingehen.

Die Auflagen sind hoch: So dürfen nur Laster der modernsten Generation mit elektronischen Sicherheitssystemen die überlangen Anhänger transportieren. Zudem ist eine spezielle Achse notwendig, die mehrere zehntausend Euro kostet. Fromm plant den Kauf zweier Gigaliner, die er mit Baustoffen an Bord zwischen Rhein-Main-Gebiet und Berlin pendeln lassen würde.

Auf Dauer würde sich der Einsatz der Riesen-Lastzüge bewähren, ist Fromm überzeugt. „Das System funktioniert auf dem Reißbrett hervorragend.“ Jedoch müsste die Planung seiner Kunden umgestellt werden. Da die Gigaliner maximal 44 Tonnen laden dürfen, biete sich nur der Einsatz bei leichten, sperrigen Gütern an, sagt er.

Neben Fromm wollen nur eine Handvoll Brandenburger Firmen die langen Lkw testen. Zumeist sind es Zweigstellen bundesweit tätiger Unternehmen – etwa BSH Hausgeräte in Nauen (Havelland). Auch dort plant man einen Pendelverkehr zwischen zentralen Umschlagpunkten der weißen Ware, wie eine Sprecherin erklärt. „Zwei Gigaliner ersetzen drei herkömmliche Lkw“, rechnet sie vor.

Klaus-Dieter Martens, Geschäftsführer des brandenburgischen Verkehrs- und Logistikverbandes, berichtet von einem anfangs großen Interesse der Spediteure in der Region. Jedoch habe es zum Start des Pilotversuchs im Januar 2012 noch viele Unwägbarkeiten gegeben. „Viele Bundesländer waren nicht dabei, dadurch passten die Strecken nicht“, sagt er.

Hinzu kamen Vorurteile gegenüber den extralangen Lastzügen. Kritiker warfen der Bundesregierung vor, Straßenschäden in Kauf zu nehmen und die Verkehrssicherheit zu gefährden. Auch von einer weiteren Verlagerung von Gütern auf die Straße ist die Rede. Laut einer Studie von der „Allianz pro Schiene“ seien täglich 7000 zusätzliche Lkw-Fahrten zu befürchten.

Martens winkt ab. „Das Lkw-Gewicht wird nicht erhöht“, argumentiert er. Außerdem führen die meisten Gigaliner auf Autobahnen, wo eine Gefährdung von Radfahrern auszuschließen sei. Auch von Unfällen sei bislang nichts bekannt. Allerdings muss aus seiner Sicht der „gesunde Verkehrsträgermix“ gewahrt bleiben.

Einen genauen Starttermin für Brandenburg kann der Bund noch nicht nennen, im Verkehrsministerium heißt es jedoch, dass nach Ostern die entsprechende Änderungsverordnung in Kraft treten soll. Damit wären 13 Bundesländer am Probelauf beteiligt – bislang sperren sich noch Berlin, Rheinland-Pfalz und das Saarland. Insgesamt sind bereits knapp 140 Gigaliner auf deutschen Straßen unterwegs. Das „Positivnetz“, wie es das Ministerium bezeichnet, umfasst mehr als 10 000 Kilometer.

Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) ließ bereits durchblicken, dass er den Regelbetrieb nach 2016 einführen würde – auf zentralen Achsen. Auch ein Zwischenbericht der Bundesanstalt für Straßenwesen zog 2014 ein positives Fazit. Demnach seien Kraftstoffeinsparungen von 15 bis 25 Prozent zu erwarten, ebenso kein erhöhter Wartungsaufwand für die Infrastruktur.

An einen Boom der Gigaliner glaubt die Branche selbst nicht. „Die Warenwege sind genau justiert“, sagt Geschäftsführer Martens. „Viele werden die Entwicklung erst einmal beobachten.“
 

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