Gewerkschaft plant "heißen Herbst"

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22. Mai 2010, 01:57 Uhr

Potsdam | Für den Fall, dass Brandenburgs rot-rote Landesregierung ihre Bildungspolitik nicht ändert, hat die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) einen "heißen Herbst" angekündigt. Es sei nötig, die Arbeitszeitbelastung der Lehrer zu reduzieren, die Pädagogen angemessen zu bezahlen und auch für dieses Jahr ein Weihnachtsgeld zu sichern, sagte der GEW-Landesvorsitzende Günther Fuchs gestern in Potsdam. Er forderte deshalb erneut die Einstellung von 1800 neuen Lehrern bis 2014; die Regierung plant hier nur 1250. Sollten Verhandlungen mit der Koalition aus SPD und Linker dazu vor der Sommerpause scheitern, werde es Demonstrationen bis hin zu Streiks geben.

Die Verhandlungen werden laut Fuchs kompliziert. Noch liege auch kein Angebot der Regierung vor. Dabei wachse der Unmut unter den Lehrern über den Umgang mit ihnen. Die meisten hätten noch zu DDR- Zeiten mit 21,22 Jahren angefangen zu arbeiten. Zu ihrer Entlastung müssten ausreichend junge Nachwuchskräfte eingestellt werden. "Ansonsten haben wir eine Welle von Frühpensionierungen zu erwarten." Schon jetzt liegt das Durchschnittsalter nach GEW-Angaben bei 48,6 Jahren. Die Regierung argumentiert bei der Lehrer-Planung auch mit der stark gesunkenen Zahl der Schüler: Sie ging nach Angaben des Bildungsministeriums von rund 362 000 in den Jahren 1991/92 auf heute etwa 216 000 zurück.

Aus Sicht der Gewerkschaft sollte das für das Schüler-Bafög bestimmte Geld lieber den Schulen zu Gute kommen, um Schüler individuell zu fördern. Für dieses Jahr sind hier 1,1 Millionen, für die Endphase laut GEW 5 Millionen Euro eingeplant. Von dieser Summe könnten Fuchs zufolge rund 100 Grundschullehrerstellen finanziert werden. Bildungspolitisch sei das Schüler-Bafög "überhaupt nicht relevant". Mit ihm wollen SPD und Linke angehende Abiturienten aus einkommensschwachen Familien unterstützen.

"Wir werden nicht locker lassen", unterstrich Fuchs die Entschlossenheit seiner Gewerkschaft. So werde die GEW gemeinsam mit der Gewerkschaft der Polizei (GdP) alle 88 Landtagsabgeordneten in ihren Wahlkreisbüros besuchen, um mit ihnen über die Probleme zu sprechen. Ihre Aussagen würden anschließend dokumentiert. Wenn die bestehenden Strukturen unverändert blieben, werde es 2013 keinen Lehrerüberhang, sondern einen "Riesenersatzbedarf" geben. Bereits jetzt fehlten Pädagogen in Grundschulen, Regionen wie der Prignitz oder auch - fachlich - in Fremdsprachen und Naturwissenschaften.

Die Zahl der Pflichtstunden müsse um eine reduziert werden, verlangte Fuchs. Bei den Grundschulen seien es momentan 28. "Wir haben noch nie maßlose Forderungen gestellt."

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