Zukunftspreis Brandenburg : Geschäft mit Zauberstäben

Dirk Wiedenhaupt von der Geschäftsführung der Firma Elbenwald GmbH in Cottbus zeigt eine Star Wars Keksdose in Form eines Clone Trooper Helmes.
Dirk Wiedenhaupt von der Geschäftsführung der Firma Elbenwald GmbH in Cottbus zeigt eine Star Wars Keksdose in Form eines Clone Trooper Helmes.

Cottbuser Firma bekommt dieses Jahr den „Zukunftspreis Brandenburg“

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05. November 2015, 20:00 Uhr

„Ich tat das, was man halt so machte Ende der 90er-Jahre im Studentenwohnheim: Im Internet mit Datenbanken rumprobieren“, sagt Dirk Wiedenhaupt. Was der 39-Jährige „Dummdallerei“ nennt, war der Beginn einer Geschäftsidee. Ein Online-Versand. Zuerst sollten es Musiknoten sein, aber dann schwenkten der Student und zwei Kollegen um. Auf Fanartikel zu Fantasy-Filmen. Im Jahr 2000 machten die drei mit ihrer Cottbuser Firma Elbenwald GmbH einen Umsatz von 800 D-Mark. Und jetzt? Wiedenhaupt geht für 2015 von annähernd 20 Millionen Euro aus. Das Unternehmen ist diesjähriger Preisträger des „Zukunftspreises Brandenburg“, den die märkischen Wirtschaftskammern heute in Neuhardenberg (Märkisch-Oderland) vergeben und undotiert ist.

Neben der Klingel des Firmensitzes in einem Gewerbegebiet der Lausitzstadt prangen „Batman“ und „Superman“ auf einem Schild. Im Eingangsbereich steht die mannshohe „Herr-der-Ringe“-Figur „Aragorn“ – seinem Schwert muss man etwas ausweichen. Im Obergeschoss? Ein „R2-D2“-Roboter aus der „Star-Wars“-Welt. Überall hängen Filmplakate.

In den Büroräumen stehen bedruckte Tassen, T-Shirts, und es gibt Zauberstäbe aus „Harry Potter“-Filmen.

Die Firma Elbenwald mit 160 Mitarbeitern ist nach eigenen Angaben die größte ihrer Art in Deutschland. Das bestätigt die Industrie- und Handelskammer Cottbus. Die beliebtesten Produkte? Wiedenhaupt zählt auf: Die „Harry Potter“-Zauberstäbe und der Ring von „Herr der Ringe“, aber auch „Star-Wars“-T-Shirts. Einen Teil der Produkte designt die Firma nach eigenen Angaben selbst, andere Produkte kauft sie zu. Die Lizenzen für das Film-Zubehör holen sie sich von der Filmindustrie aus Hollywood, wie Wiedenhaupt sagt.

Der „Zukunftspreis Brandenburg“ wird zum zweiten Mal von allen sechs Wirtschaftskammern verliehen. Damit sollen besondere Leistungen für die Wirtschaft im Land gewürdigt werden. Es gibt acht Preisträger, darunter sind eine Firma für Fahrzeugbau in Bad Belzig (Potsdam-Mittelmark) und eine Möbeltischlerei aus Müncheberg (Märkisch-Oderland). Bei der Cottbuser Firma Elbenwald gefiel der Jury nach Kammerangaben die Entwicklung von einer studentischen Idee zu einem international agierenden Unternehmen.

Als die Firma gerade gegründet war, hatte Wiedenhaupt sein Lager in seinem Zimmer im Studentenwohnheim. Er brachte dann die Pakete mit dem Fahrrad selbst zur Post. Dazwischen paukte er im Hörsaal chemische Verfahrenstechnik.

Wie konnte die Firma ein solcher Erfolg werden? „Wir waren die Ersten auf dem Markt mit „Herr-der-Ringe“-Artikeln, Jahre danach kamen die Filme ins Kino und wir hatten so einen großen Vorsprung vor anderen“, sagt Wiedenhaupt.

Der Lausitz haftet an, eine strukturschwache Region zu sein. Wiedenhaupts Firma ist ein Gegenbeispiel. „Die Bedingungen für E-Commerce sind hier gut, weil es hier viel Fachwissen an der Uni gibt“, sagt er. Und: „In Berlin würden wir einer von vielen sein, aber hier können wir uns die Fachkräfte aussuchen.“ Die Firma will expandieren. Es gibt in einigen Städten schon Shops, im nächsten Jahr sollen weitere in Karlsruhe, Frankfurt (Main), Leipzig und Köln hinzukommen.

Und wie sieht eigentlich die Weihnachtsfeier der Fantasy-Vermarkter aus? Kommen alle in Elbengewändern und Zaubererkostümen? „Nein, nein, wir kommen alle ganz normal. Wir werden ins Kino gehen“, sagt Wiedenhaupt und schmunzelt.

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