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Landgericht Potsdam : Gericht verhandelt Giftmord an Kind

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

37-Jähriger soll eineinhalbjährigen Jungen aus nichtigem Grund getötet haben

Wegen des Mordes am eineinhalbjährigen Sohn seiner Lebensgefährtin muss sich ein 37-jähriger Mann vor dem Potsdamer Landgericht verantworten. Der Angeklagte habe das quengelnde Kind immer wieder mit Schlaf- und Schmerzmitteln ruhiggestellt, erklärte Staatsanwalt Peter Petersen gestern bei der Verlesung der Anklage. Ende März 2014 habe der Mann den Jungen in der Potsdamer Wohnung mit einem tödlichen Medikamentenmix vorsätzlich vergiftet.

Der Mann habe seine Ruhe vor dem oft schreienden Kind haben wollen, erklärte der Staatsanwalt zum Motiv für die schreckliche Tat.

Der 37-Jährige äußerte sich am ersten Prozesstag nicht zu den Vorwürfen. Sein Verteidiger Christoph Balke rügte lediglich die Besetzung des Gerichts, weil Schöffen im Vorfeld mehrfach ausgewechselt worden waren. Über die Rüge soll beim nächsten Verhandlungstag am Donnerstag kommender Woche entschieden werden.

Laut Staatsanwalt Petersen war das Kind ein Frühchen, das unter Krankheiten litt und daher oft schlecht einschlafen konnte. Der 37-Jährige habe dem Kind mehrmals Medikamente zur Beruhigung gegeben, die ihm selbst verschrieben worden waren. Dann habe der Mann schließlich mit Babybrei und süßem Tee vorsätzlich einen tödlichen Mix erstellt, um Ruhe vor dem Kind zu haben.

Der Angeklagte habe in den Vernehmungen bei der Polizei erklärt, er wisse nicht, wie das Kleinkind an die Medikamente gekommen sei, erläuterte Gerichtssprecher Sascha Beck am Rande des Prozesses. Ihm sei aber deutlich bewusst gewesen, dass diese Mittel bei einem Kind tödlich wirken könnten.

Ermittler hätten den Giftmord zuerst nicht nachweisen können, so Beck. Daraufhin habe die Staatsanwaltschaft die Leiche exhumieren und erneut untersuchen lassen. Im November 2016 wurde der 37-Jährige dann in Untersuchungshaft genommen.

Sein Verteidiger erklärte nach der Unterbrechung des Prozesses, er halte es nicht für erwiesen, dass sein Mandant das Kind vergiftet habe. Als mögliche Täterin komme aus seiner Sicht auch die Mutter in Betracht, erklärte er. Die Mutter ist als Nebenklägerin vertreten und in dem Prozess auch als Zeugin geladen.  

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