Gedenken : Gegen Menschenfeindlichkeit

Brandenburger Gymnasiasten ehrten die Opfer des KZ Sachsenhausen.
Brandenburger Gymnasiasten ehrten die Opfer des KZ Sachsenhausen.

Landtagspräsidentin Britta Stark warnte im ehemaligen Konzentrationslager Sachsenhausen vor ritualisierter Erinnerung

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28. Januar 2016, 09:08 Uhr

Mit Kranz-Niederlegungen haben Brandenburger Politiker und Überlebende gestern der Opfer des Nationalsozialismus gedacht. „Ritualisierte Erinnerung genügt nicht“, mahnte Landtagspräsidentin Britta Stark bei der Gedenkveranstaltung im ehemaligen KZ Sachsenhausen. „Wir müssen die Spuren des NS-Regimes in unserer Geschichte und unserer Kultur immer wieder neu lesen. Nehmen wir die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus ernst, müssen wir uns heute jeder Form von Ausgrenzung, Menschenfeindlichkeit und Gewalt entgegenstellen und den Menschen, die vor Krieg und Terror geflohen sind, Schutz bieten“, betonte die Politikerin.

Tausende Menschen starben im KZ Sachsenhausen an Unterernährung, Krankheit, Erschöpfung und Misshandlungen oder wurden von der SS ermordet. In diesem Jahr stand das Schicksal der mehr als 2000 Belgier im Konzentrationslager im Mittelpunkt. Eine Ausstellung zeigt anhand von Einzelschicksalen ihre Erlebnisse und Leiden. Bisher wurden 193 Namen von Belgiern ermittelt, welche die Haft in Sachsenhausen nicht überlebten. Zu den Gästen zählte der ehemalige Häftling Bruno Peeters.

Traditionell hatten der Landtag und die Gedenkstätte und das Museum Sachsenhausen die Veranstaltung gemeinsam ausgerichtet. „Wir alle müssen uns Intoleranz und Vorurteilen aktiv entgegenstellen“, so Justizminster Helmuth Markov (Linke) als Vertreter der Landesregierung. Er warnte davor, angesichts der vielen fremdenfeindlichen Übergriffe die Erinnerung an den Holocaust als bloße Pflichtübung zu begreifen.

In Brandenburg an der Havel wurde der Opfer der Euthanasie-Morde gedacht. Schüler des Saldern-Gymnasiums berichteten Gedanken nach Projekttagen in der Gedenkstätte. Im Anschluss stellte die Historikerin Dr. Leonore Ansorg ihr Buch „Politische Häftlinge im nationalsozialistischen Strafvollzug: Das Zuchthaus Brandenburg-Görden“ vor.

Veranstaltungen gab es auch in der Gedenkstätte Todesmarsch im Belower Wald, der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück in Frankfurt (Oder), Potsdam, Eberswalde und Cottbus.

Am 27. Januar 1945 befreite die Rote Armee das Konzentrationslager Auschwitz. Der Jahrestag wurde von den Vereinten Nationen 2005 zum Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust erklärt und wird seit 2006 weltweit begangen. In Deutschland wird der Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar seit 1996 begangen.

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