Hoher Krankenstand : Gefängnispersonal total überlastet

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Im Vorjahr waren 16,3 Prozent aller Beschäftigten in Haftanstalten länger als ein halbes Jahr krankgemeldet.

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28. März 2016, 22:00 Uhr

Der Krankenstand bei Brandenburgs Gefängnispersonal ist sehr hoch. Im Vorjahr waren 16,3 Prozent aller Beschäftigten in Haftanstalten länger als ein halbes Jahr krankgemeldet. Das sind fast fünf Prozentpunkte mehr als 2010, wie das Justizministerium auf eine parlamentarische Anfrage der Grünen mitteilte. Abhilfe soll nun ein Gesundheitsmanagement schaffen.

Als Hauptgrund für den hohen Krankenstand gilt die Überlastung der Vollzugsbeamten. Mehr als die Hälfte von ihnen ist älter als 50 Jahre. Der Chef des Brandenburger Landesverbandes der Justizbediensteten (BSBD), Rainer Krone, wirft dem Ministerium vor, Personalabgänge zwischen 2005 und 2009 seien nicht ausgeglichen worden. „Dadurch ist eine Lücke von mindestens 80 Beamten entstanden“, sagte er.

Erst ab 2009 sei die Ausbildung von Nachwuchskräften wieder aufgenommen worden, sagte Krone. Bis 2019 scheiden nach den Angaben rund 260 Beamte aus dem Vollzugsdienst aus – höchstens 120 kommen jedoch dazu. Zudem musste das Gefängnispersonal mit Brandenburgs neuem Justizvollzugsgesetz zusätzliche Aufgaben bei der Betreuung von Häftlingen übernehmen, sagte er.


Gesundheitskonzept soll gegensteuern


Schon 2009 war an der Verwaltungsakademie Berlin ein Gesundheitsprojekt für die Mitarbeiter der Haftanstalt Brandenburg/Havel gestartet worden. Auf andere Gefängnisse ist dies bislang nicht übertragen worden. Nach Angaben des Ministeriums werden nun verschiedene Initiativen in den Anstalten umgesetzt.

Dabei geht es um bessere Arbeitsabläufe, Schulungen zur Stressbewältigung sowie Angebote von Sportkursen. Zudem sollen Experten für mehr Arbeitssicherheit sorgen. Im zweiten Halbjahr 2016 ist eine Untersuchung über die genauen Ursachen des hohen Krankenstands geplant.

BSBD-Landeschef Krone vermisst bei dem Gesundheitskonzept eine ausreichende Finanzierung. „Sowie es Geld kostet, wird es schwierig“, sagte er. Zudem seien viele Vorhaben zeitlich begrenzt. Leider habe das Justizministerium nicht auf Angebote der Krankenkassen zurückgegriffen.

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