Explosion von Feuerwerk : Gefährliche Grenzmärkte

Auf dem Grenzmarkt herrschte nach der Detonation die reinste Verwüstung.
Auf dem Grenzmarkt herrschte nach der Detonation die reinste Verwüstung.

Neun Verletzte nach einer Explosion auf dem Basar bei Hohenwutzen / Schon Ende 2012 gab es in dem Ort einen Großbrand

svz.de von
30. März 2016, 05:00 Uhr

Es war um die Mittagszeit, als gestern eine gewaltige Detonation die Besucher des Basars von Osinow Dolny, aber auch die Bewohner des benachbarten Hohenwutzen (Märkisch Oderland) erschreckte. Ein Stand mit Feuerwerkskörpern war explodiert, vermutlich neun Menschen kamen zu Schaden.

Kurz vor 13 Uhr war die nach-österliche Ruhe auf dem Basar von Osinow Dolny (Niederwutzen) vorbei. Ein Video, das ein Augenzeuge mit seinem Handy machte, zeigt einen lodernden Stand mit einer riesigen schwarzen Rauchwolke darüber. Feuerwerkskörper, die hier das ganze Jahr über verkauft werden, waren explodiert. „Warum, das werden wir frühestens in ein paar Tagen wissen“, sollte der Polizeisprecher aus der Kreisstadt Gryfino, Bogdan Prostak, noch Stunden später sagen. Erst einmal ging es darum, den Menschen zu helfen, die bei der Explosion und nachfolgenden Detonationen verletzt worden waren. Sowie den Brand zu löschen, der rasch auf andere Stände übergriff. „Sieben Rettungswagen und zwei Hubschrauber sind im Einsatz“, erklärte die Sprecherin der Rettungsstelle Stettin, Elzbieta Sochanowska. Verletzte Polen wurden nach Stettin und Nowa Sól geflogen, die Deutschen – insgesamt vermutlich fünf Personen – nach Eberswalde gefahren. Genauere Angaben über deren Zustand wollten die Behörden auch am Nachmittag noch nicht machen.

Dem Berliner Andreas S. stand um diese Zeit noch immer der Schrecken ins Gesicht geschrieben. Während seine Frau und seine Tochter mit Rettungswagen ins Krankenhaus Eberswalde transportiert wurden, wartete der 55-Jährige auf seinen Sohn, der ihn vom deutschen Grenzort Hohenwutzen abholen sollte. Die Familie war gerade mit dem Auto an dem Unglücksort vorbeigefahren, als der Stand explodierte. „Ich sah noch Feuer und Rauch und wollte Gas geben, aber es ging nicht mehr“, berichtete er. Plötzlich habe er nichts mehr sehen können, im Auto seien alle Scheiben zerborsten. Dabei seien seine Frau und die Tochter verletzt worden. Zudem sei eine Feuerwerksrakete ins Auto eingedrungen und wild umhergeflogen. Das Auto musste Andreas S. in Polen stehen lassen. „Es ist wahrscheinlich Schrott“, vermutete er. Nicht nur die Scheiben fehlen, es sei verbeult, selbst die Kennzeichen seien weggeflogen. „Ich hoffe, dass mir jemand den Schaden bezahlt“, so der Berliner. Sechs weitere Fahrzeuge sollen ebenfalls stark beschädigt worden sein. „Wir fahren sonst immer nach Slubice, aber Frau und Tochter wollten diesmal nach Hohenwutzen“, sagte Andreas S. kopfschüttelnd.

Die gewaltige Detonation und die mächtige Rauchsäule hatten auch die Bewohner am deutschen Ufer der Oder erschreckt. Besorgte Hohenwutzener kamen nahe des Grenzübergangs zusammen. Sie fühlten sich an den Großbrand erinnert, der sich im November 2012 in Osinow Dolny abgespielt hatte, damals allerdings auf einem anderen Basar. Rund um die Ruinen der ehemaligen Zellstofffabrik waren seinerzeit in einer Nacht 70 Buden abgefackelt. Später hieß es, ein Kabelbrand sei die Ursache dafür gewesen.

Diesmal passierte das Unglück auf dem zweiten Markt mitten im Ort. Sogar im einige Kilometer entfernten Hohensaaten war die Detonation noch zu spüren gewesen. „Bei uns klirrten die Scheiben“, erzählte ein Einwohner des Dorfes. Die Polizei riegelte den Grenzübergang an der Brücke in Hohenwutzen bis zum Abend ab, was in den Nebenstraßen zeitweilig ein Verkehrschaos erzeugte. Polen habe darum gebeten, den Einreiseverkehr für einen Tag zu unterbrechen, sagte ein deutscher Beamter. An der Grenze standen eine Zeit lang die Rettungswagen, in denen die deutschen Opfer behandelt wurden. Feuerwehrleute aus Osinow Dolny, Gryfino, Chojna und weiteren polnischen Orten hatten den Brand nach gut zwei Stunden in Griff. Helfer aus Bad Freienwalde oder aus dem Ortsteil Hohenwutzen seien diesmal nicht angefordert worden, erklärte Christian Niekammer, stellvertretender Stadtwehrführer in Bad Freienwalde. Wir stehen aber bereit, um zu helfen.“

Seit dem Großbrand Ende 2012 pflegen die deutschen und polnischen Feuerwehren intensive Kontakte, indem sie gemeinsam üben und auch feiern. Die Kette der Unglücke auf den Basaren setzt sich fort. Anfang 2007 war der große Markt in Slubice bei Frankfurt zum Opfer der Flammen geworden. Und einen Tag nach Weihnachten 2015 hatte es in Swinemünde gebrannt.

Autoren: Steffen Göttmann und Dietrich Schröder

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