zur Navigation springen

Verbraucherschutz : "Gebrandmarkt auf Monate"

vom

Nach neuesten Plänen sollen die Prüfergebnisse dem Verbraucher nicht mehr mit Smiley an der Eingangstür angezeigt werden, sondern mit einem Barometer beziehungsweise einer Kontrollampel - grün, gelb, rot.

svz.de von
erstellt am 15.Jun.2011 | 05:08 Uhr

Schwerin | Klebt im Kühlschrank ein grüngraues Etwas oder stellt das Hygieneamt dem Restaurant ein blitzblankes Zeugnis aus? Nach neuesten Plänen sollen die Prüfergebnisse dem Verbraucher nicht mehr mit einem Smiley an der Eingangstür angezeigt werden, sondern mit einem mehrfarbigen Barometer beziehungsweise einer Kontrollampel - grün, gelb, rot. Doch auch diese Idee, auf die sich jetzt die Verbraucherschutzminister geeinigt haben, stößt bei Gastronomen und Touristikern im Nordosten auf Widerstand.

Die Restaurantleiterin des "Café Schlossbucht" am Schweriner See ist entsetzt. Gerade hört sie zum ersten Mal von den Plänen. Chefkoch Jan Templin aber kennt sie schon: "Ich finde das Blödsinn", sagt er auf der Terrasse vor der prächtigen Schlosskulisse. Der 31-Jährige - seit 15 Jahren im Job - hat auch eine Begründung parat. "Bisher war es so, dass die Hygiene einmal im Jahr kontrolliert hat. Bei möglichen Beanstandungen hatte man dann aber auch 24 Stunden Zeit, die Mängel zu beheben. Mit der Ampel wäre man aber dann auf Monate gebrandmarkt", argumentiert er.

Für Branchenverband ist Aktualität entscheidend

Das sieht auch der Branchenverband so: "Smiley oder Balken ist völlig irrelevant. Wir sind grundsätzlich gegen die Kennzeichnung von Ergebnissen", sagt der Geschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) in MV, Uwe Barsewitz. Die eigentliche Frage sei, ob eine solche Kennzeichnung an den Türen tatsächlich aktuell sei - also ein betroffener Gastronom, dem Mängel nachgewiesen wurden, die er aber schnell beseitigt hat, auch ebenso schnell "rehabilitiert" werden kann. Dies aber bezweifele der Dehoga stark - die Hygieneämter seien personell nicht in der Lage, ein, zwei Tage nach den Beanstandungen erneut zu kontrollieren und die Bewertung zu ändern.

Widerspruch kommt da allerdings von den Verbraucherschützern: "Wir begrüßen die Ampel, natürlich. Nichts anderes passiert nämlich, als dass die Untersuchungsergebnisse öffentlich gemacht werden. Das schafft Vertrauen und Transparenz. Der mündige Bürger kann dann selbst entscheiden, welche Gaststätte er betritt", meint Uta Nehls, Projektleiterin Lebensmittel und Ernährung, bei der Neuen Verbraucherzentrale in MV.

Und noch etwas gibt sie zu bedenken: Bisher habe es ja auch die Kontrollen durch die Ämter gegeben, dennoch seien die Ergebnisse über Jahre hinweg nicht besser geworden - bei jeder dritten Kontrolle würden Mängel festgestellt. Geplant sei übrigens, in die Bewertung mit der Ampel auch die Historie des Lokals einfließen zu lassen - also nicht allein das letzte Ergebnis, sondern die letzten drei Untersuchungen. Nach derzeitigem Stand soll die Ampel zum Januar 2012 eingeführt werden. Bis dahin sei also noch Zeit, das konkrete Vorgehen zu verfeinern.

Auch angesichts solcher Argumente bleit der Dehoga bei seiner Kritik. Beheben ließe sich der Umstand, dass öfter kontrolliert werden müsse, nur durch mehr Personal in den Ämtern, was wiederum zu mehr Kosten für die Öffentlichkeit führe, argumentiert Blasewitz. Das allerdings sei nicht akzeptabel. Laut dem Dehoga-Geschäftsführer kontrollieren die Hygieneämter - die bei den Kreisen angesiedelt sind - je nach Region sehr unterschiedlich. In Gebieten mit weniger gastronomischen Einrichtungen sei die Kontrollhäufigkeit natürlich größer. "Bei manchem wird einmal im Monat kontrolliert, bei anderen einmal im Jahr." Barsewitz verwies darauf, dass in Dänemark - wo die Smileys seit einiger Zeit eingeführt sind - sich die eigentliche Situation nicht verbessert habe: Die Zahl der Mängel sei nicht gesunken.

Leicht verständlich und bundesweit einheitlich

Auch der Tourismusverband MV argumentiert ähnlich: "Die Sache ist eher kontraproduktiv, wenn ein Gastronom stigmatisiert wird", sagt Sprecher Tobias Woitendorf. Sinnvoller sei, dass die Ergebnisse der Kontrollen auf der "bilateralen " Ebene zwischen Hygieneamt und Wirt blieben. Durch ein Kennzeichnungssystem würde die gesamte Branche leiden.

Zurückhalten gibt sich das Verbraucherschutzministerium des Landes: Zwar spreche man sich grundsätzlich für ein solches System aus, meint Sprecherin Marion Zinke. Aber: Es müsse aktuell sein, leicht verständlich, bundesweit einheitlich und dürfe zu keinen Wettbewerbsverzerrungen führen.

Während die Fronten zwischen Interessenverbänden und Verbraucherschützern verhärtet scheinen, kann sich Chefkoch Jan Templin einen Kompromiss vorstellen: "Wenn man den Kollegen wie bisher die Zeit gibt, die Mängel zu beheben - etwa innerhalb einer Woche -, und dann nichts passiert, dann ist Rot in Ordnung."

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen