IGA in Berlin : Gartenschau vor Plattenbau

Seilbahngondeln schweben während einer Probefahrt über die Baustelle der Internationalen Gartenausstellung.
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Seilbahngondeln schweben während einer Probefahrt über die Baustelle der Internationalen Gartenausstellung.

Die IGA in Marzahn-Hellerdorf ist ein Wagnis. Doch sie könnte auch ein Zukunftsmodell sein

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08. April 2017, 08:00 Uhr

Wenn in wenigen Tagen die Internationale Gartenausstellung in Berlin eröffnet, geht es um mehr als Blümchengucken. Das rund 100 Hektar große IGA-Gelände steht für den Versuch, dem wachsenden Häusermeer in der Mitte der Hauptstadt für die Zukunft eine kräftige grüne Lunge am östlichen Stadtrand entgegenzusetzen. Damit will Berlin Modell für Städte sein, die sich durch Zuzug verdichten müssen. Nach dem Blumenzauber soll viel von der IGA bleiben – auch eine Seilbahn als Infrastruktur-Test für Großsiedlungen.

Doch zuerst kommt die große Schau unter dem Motto „Ein Mehr aus Farben“. Bei der IGA im Außenbezirk Marzahn-Hellerdorf erwarten die Planer vom 13. April bis Mitte Oktober rund zwei Millionen Besucher. Das Gartenparadies liegt eine halbe Stunde mit der U-Bahn vom Alexanderplatz entfernt. Nahe der aufgehübschten Station Kienberg startet die nagelneue Seilbahn. Damit können Gäste in Gondeln über das Gartenschau-Gelände schweben, manche Kabinen haben Glasböden. Von oben ist unter anderem die futuristische Aussichtsplattform „Wolkenhain“ zu sehen, bevor Besucher an den Gärten der Welt ankommen.

Diese Gärten sind seit den 1990er-Jahren entstanden und nun Herz und Anker der gesamten Anlage. Sie entführen mit Pflanzen und Architektur nach China, Japan, Bali oder in den Orient, neu hinzugekommen sind ein Englischer Garten und eine größere Tropenhalle. So dicht nebeneinander im Park sind sie einmalig in Deutschland. All das wird bleiben, wenn die IGA vorbei ist.

Till Rehwaldt, Präsident des Bundes Deutscher Landschaftsarchitekten, reicht jetzt schon ein Blick in den Berliner Mauerpark. Dann ahnt er, wie sehr die wachsende Hauptstadt mit 3,6 Millionen Einwohnern neue Grünflächen und Freiräume braucht. In Berlin herrscht nach Jahren des Leerstands Wohnungsmangel, Baulücken schwinden und Gartenkolonien schrumpfen. „Die Berliner Innenstadt ist begrenzt“, sagt Rehwaldt. Das Ausweichen mit Parkanlagen an die Peripherie bringe Entlastung.

Der „Wolkenhain“, eine Aussichtsplattform
Foto: Paul Zinken
Der „Wolkenhain“, eine Aussichtsplattform
 

Die Großsiedlungen Marzahn und Hellerdorf, Ende der 1970er-Jahre als ostdeutsche Platte pur erbaut, muten als Standort für eine Gartenschau auf den ersten Blick gewagt an. Wer hier selbst als Berliner nicht hin muss, kennt den Bezirk mit 260 000 Einwohnern meist nur vom Hörensagen und Klischees: von rassistischen Attacken über den Verein „Arche“ gegen Kinderarmut bis hin zur Prollcomedy-Figur Cindy aus Marzahn. Im jüngsten Berliner Sozialstrukturatlas liegt Marzahn-Hellerdorf auf dem neunten Rang aller zwölf Bezirke – unter Durchschnitt. Doch viele Bewohner leben trotzdem gern hier, manche haben ihre Platte gekauft. „Ich hoffe, dass die Ausstellung hilft, das Negativ-Image des Bezirkes abzustreifen“, sagt IGA-Geschäftsführer Christoph Schmidt.

In Berlin schießt das Land nach Angaben der Planer fast zehn Millionen Euro zur IGA hinzu, Investitionen aus verschiedensten Töpfen belaufen sich um die 100 Millionen Euro. Die Hauptstadt rechnet mit Einnahmen in Höhe von 30 Millionen Euro – aus Ticketverkauf, Sponsoring, Marketing und Verpachtungen. Anders als bei der jüngsten Bundesgartenschau 2015 im nahen Havelland, die auf einem Schuldenberg von zwölf Millionen Euro sitzen blieb, gibt Rehwaldt dem Berliner Finanzkonzept Chancen. „Die Lage spielt eine große Rolle. In dicht besiedelten und prosperierenden Regionen wie Koblenz war die Bundesgartenschau ein großer Erfolg“, zählt er auf. „In Marzahn ist es ideal, dass es mit den Gärten der Welt ein vorhandenes Parkgelände gibt, das Besucher nicht enttäuscht.“ Dazu kämen neue Anlagen und städtebauliche Benefits wie Brücken und Radwege. „Das ist eine gute Kombination aus Alt und Neu.“

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