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ganz retro unterwegs : Funker auf großer Weltreise

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Aus der Redaktion des Prignitzers

Es gibt immer weniger Menschen, die mit Kurzwellen experimentieren, sich Antennen selber bauen und Nachtschichten hinter dem Funkgerät verbringen. Ihr Lohn sind Kontakte rund um den Globus.

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erstellt am 16.Okt.2015 | 14:15 Uhr

In Zeiten von Internet und Smartphone ist die weltweite Kommunikation ein Kinderspiel. Daher gibt es immer weniger Menschen, die mit Kurzwellen experimentieren, sich Antennen selber bauen und Nachtschichten hinter dem Funkgerät verbringen. Ihr Lohn sind Kontakte rund um den Globus.

Wenn DL8UAT seinen Funkruf weit in den Äther hinausschicken will, dann kraxelt er auf einen Hügel unweit seines Heimatortes und schaltet dort eine Funkstation ein. Meist geschieht das, wenn ein Wettkampf ansteht und in einer bestimmten Zeit möglichst viele Signalempfänger erreicht werden sollen. Dann kann DL8UAT, der eigentlich Andreas Thron heißt, weitere Häkchen auf der Weltkarte machen.

Es ist ein ungewöhnlicher Sport, der sich trotz des Siegeszugs des Internets bewahrt hat und dessen Tradition bis in die 20er-Jahre zurückreicht. Er erinnert ein bisschen an Wettkampfangeln, wenn die Teilnehmer möglichst dicke Fische an Land ziehen wollen. Die dicken Fische – die liegen für Thron auf kleinen Inseln im Pazifik, wenn dort eine Funkstation aufgebaut wird. Jede neue Verbindung verzeichnet er in einem Logbuch. „Es geht um Schnelligkeit und viel Erfahrung“, sagt er.

Erfahrung beim Funken bedeutet, sich mit der Reichweite von Frequenzen und Wetterbedingungen zu befassen. Vormittags beispielsweise seien die Verbindungen nach Nordamerika schlecht, dafür seien diese Stunden ideal, um Funkstationen in Japan zu erreichen, sagt Thron. Die meisten theoretischen Grundlagen werden dabei in einer Ausbildung vermittelt. Jeder Funkamateur muss eine Prüfung bei der Bundesnetzagentur bestehen, die ein international identifizierbares Rufzeichen zuweist – das Kürzel aus Buchstaben und Zahlen.

Schon vor vier Jahrzehnten hat der Funkamateur aus Plessa (Elbe-Elster) das Hobby für sich entdeckt, war damals in der Gesellschaft für Sport und Technik (GST) aktiv, die in der DDR die einzigen Amateurfunkstationen betrieb. „Das lässt einen zeitlebens nicht mehr los“, meint Thron, der im Landesverband des Deutschen Amateur Radio Clubs (DARC) für Wettkämpfe zuständig ist.

Auch Ronny Jerke ist schon auf eine Insel gefahren, um von dort aus zu funken – in der Ostsee. „Das war meine kleine Expedition“, sagt der Funkamateur aus Königs-Wusterhausen und lacht. 340 Amateurfunk-Gebiete existieren weltweit, rund zwei Drittel hat der Vize-Landesvorsitzende des DARC schon „geloggt“. „Manchmal ist auf den Frequenzen die Hölle los“, berichtet der Elektroingenieur.

Dabei ist die Szene längst zerfasert. Es gebe Altherrenrunden auf Kurzwelle, die sich über alles austauschen, aber auch Freaks, die Funkgeräte in der Größe einer Streichholzschachtel bauen, erzählt Jerke. Andere wiederum kaufen sich Technik für mehrere 10 000 Euro. Dabei gibt es klare Regeln: So sind unter anderem politische Äußerungen tabu.

Doch die Faszination für diese Technik stirbt langsam aus. „Wir haben wie viele Vereine große Nachwuchsprobleme“, sagt der 35-Jährige. 850 Mitglieder zählt der Landesverband heute, 1000 waren es noch vor einigen Jahren. „Wer heute 15 Jahre alt ist, hat andere Interessen als Funken.“

Zudem muss die Familie mitziehen, berichtet Reinhard Frenzel aus Fürstenwalde. „Wenn ein Wettkampf ansteht, bin ich schon mal mehrere Tage abgemeldet“, sagt der 61-Jährige. Derzeit führt Frenzel den „Kurzwellenpokal“ in Brandenburg an. Aber er gebraucht, ganz Sportler, eine übliche Floskel, wenn er sagt: „Die Saison ist noch lang.“

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