Für 150 Meter Uferweg um die halbe Welt

Wollen helfen und etwas erleben: Liu Boyu (l.) und Mo Zhiyun (M.) aus China arbeiten Hand in Hand mit Yeoeun Cho aus Südkorea in der Zülowniederung.G. Russew
Wollen helfen und etwas erleben: Liu Boyu (l.) und Mo Zhiyun (M.) aus China arbeiten Hand in Hand mit Yeoeun Cho aus Südkorea in der Zülowniederung.G. Russew

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28. Juli 2010, 01:57 Uhr

Rangsdorf | Nach Europa wollte der Südkoreaner Yeoeun Cho schon immer mal. Bis zu diesem Jahr aber ergab sich keine Möglichkeit. Doch nun hat Yeoeun, den in seiner Heimat alle nur "Daniel" nennen, den Flug um den halben Erdball gewagt. Im Internet hatte der 25-jährige Wirtschaftsstudent aus Seoul von einem Austauschprojekt zum Thema Umweltschutz nahe Berlin erfahren. "Damit hatte ich bei meinen Eltern gute Argumente, dass sie mir meine Reise bezahlen." Seit vergangenem Wochenende ist "Daniel" nun in Rangsdorf im Kreis Teltow-Fläming, südlich von Berlin. Zusammen mit 16 weiteren Jugendlichen im Alter von 17 bis 25 Jahren aus China, Russland, Estland, Frankreich, Italien, Dänemark und Armenien will er sich in den kommenden drei Wochen in einem Internationalen Workcamp als "Zülowpfleger" betätigen.

Organisiert wird das Lager zum sechsten Mal vom Landschaftspflegeverein Mittelbrandenburg (LPV) und dem Internationalen Jugendgemeinschaftsdienst. Das Gebiet zwischen Mittenwalde, Dabendorf und Rangsdorf - auch Zülowniederung genannt - soll zur größten Ausgleichsmaßnahme für den Neubau des Airports Berlin Brandenburg International (BBI) werden, erklärt Markus Mohn vom LPV. So sollen Flora und Fauna neuen Lebensraum erhalten, der durch den BBI-Bau verloren gegangen ist. Für jeden gefällten Baum etwa werden neue Bäume gepflanzt. In diesem Jahr beschäftigen sich die jungen Helfer laut Mohn mit Wanderwegen in Zülowniederung. Direkt am Rangsdorfer See würde ein 150 Meter langer Uferweg gebaut. "Bänke und Wegweiser werden auch hergestellt. Wir sammeln Unrat und hängen Nistkästen auf", sagt Mohn.

Der Betreuer betont, dass auch der Spaß nicht zu kurz kommen soll. "Die 17 werden maximal drei bis vier Stunden pro Tag arbeiten." Ein Besichtigungsprogramm in Berlin mit Abstechern zum Bundestag und ins Nachtleben sei fest eingeplant. Viele der jungen Helfer sind ohnehin wegen der Nähe zur Hauptstadt ins Camp gekommen - wie die 20-jährige Chinesin Mo Zhiyun. "Berlin ist so toll. Ich will alles sehen", sagt die Studentin aus Peking. "Die 150 Meter machen wir ganz fix fertig, damit mehr Zeit für Berlin bleibt." Kost und Logis sind für die Ehrenamtler auf Zeit frei. Dazu gibt es ein kleines Taschengeld von fünf Euro pro Tag.

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