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Wetterextreme : Frühlingsgefühle mitten im Winter

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Bislang will sich der Winter in Deutschland nicht so richtig einstellen. Der Dezember war deutlich wärmer als normal. Bis gestern lagen die Temperaturen deutschlandweit 2,8 Grad über dem langjährigen Mittel der Jahre 1961 bis 1990.

Bislang will sich der Winter in Deutschland nicht so richtig einstellen. Der Dezember war deutlich wärmer als normal. Bis gestern lagen die Temperaturen deutschlandweit 2,8 Grad über dem langjährigen Mittel der Jahre 1961 bis 1990. In der Oder-Region habe die Abweichung sogar bei bis zu plus 3,5 Grad Celsius gelegen, erläutert Meteorologe Dominik Jung von wetter.net. Allerdings sei dieser Dezember bei Weitem nicht der wärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen gewesen. „2011 hatten wir auch einen richtig milden Dezember. Und der Dezember 2006 war noch wärmer. Er brachte deutschlandweit betrachtet eine positive Abweichung von 3,6 Grad.“

Auch in den kommenden zwei Wochen sei kein Winter in Sicht, sagt Jung voraus. „In den nächsten zehn bis 15 Tagen wird es weder Frost noch Schnee geben.“ Wie es danach weitergeht, vermag selbst der Wetterexperte nicht vorherzusagen. Es sei jedoch gut möglich, dass sich der Winter wie in den letzten Jahren relativ spät meldet. Es könnte also erst im Februar oder sogar noch im März richtig frostig werden. Das befürchtet auch Obstbauer Thomas Bröcker, der zugleich Vorsitzender der Fachgruppe Obstbau beim Landesgartenbauverband Brandenburg ist. Aktuell mache das milde Wetter den Apfel- oder Kirschbäumen nichts aus, erläutert er. „Doch wenn es im Januar so weitergeht und erst danach eine richtige Frostperiode einbricht, kann es problematisch werden.“ Hintergrund sei, dass die Bäume bereits kurz davor seien, zu treiben. Später Frost würde die Blüten erfrieren lassen. Zwar gingen die Pflanzen daran nicht kaputt. Jedoch sei mit Ernteausfällen zu rechnen, erläutert Bröcker. „Allerdings können wir erst im Frühjahr sagen, wie groß eventuelle Schäden sind.“

Bröcker erinnert sich an einen ähnlich milden Winteranfang 1986/87. „Damals hatten wir im Dezember die gleiche Situation. Es war deutlich zu mild, auch noch im Januar.“ Im Februar hätte dann eine heftige Frostperiode dafür gesorgt, dass allein den Frankfurter Obstbauern 40 000 Bäume weggefroren seien. „Das war der größte Winterschaden bislang.“

Auch beim Landesbauernverband Brandenburg blickt man mit einigen Sorgenfalten auf die kommenden Wochen und Monate. Die Pflanzen, die im Herbst ausgesät wurden, treiben bereits etwas mehr als gewöhnlich, berichtet Verbandssprecher Holger Brantsch. Der Winterraps zum Beispiel sei bereits fünf bis acht Zentimeter hoch. Bliebe das Wetter so mild, sei alles in Ordnung. „Bei Frost kann aber sehr viel abfrieren. Unser Wintergetreide könnte großen Schaden nehmen.“ In diesem Fall müssten die Äcker umgepflügt werden. Roggen, Weizen und Gerste müssten durch Sommerpflanzen ersetzt werden. Weit weniger problematisch sieht es bei Zierpflanzen aus. „Keine Früchte, kein Problem“, lautet die knappe Formel von Nabu-Experte Axel Schmidt aus Beeskow. Vereinzelt blühen zwar bereits Forsythien, Primeln und japanische Zierkirschbäume. „Das ist aber nicht so tragisch“, sagt er. „Notfalls fällt die Blüte im Frühjahr eben aus.“

Auch auf die Tiere habe das milde Wetter keinen negativen Einfluss, meint Schmidt. Sie hätten bislang kaum Schwierigkeiten, an Futter zu gelangen, weil sie sich nicht durch dicke Schneedecken oder vereiste Äste kämpfen müssten. Zwar machen sich im Garten mitunter schon die hier überwinternden Singvögel lautstark bemerkbar. Aber auf die sogenannten Langstreckenzieher wie Störche haben die Wetterkapriolen keinen Einfluss. Doch manche Zugvögel wie Gänse hätten den gewohnten Flug nach Westeuropa gar nicht erst angetreten, berichtet Schmidt.

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erstellt am 01.Jan.2014 | 14:08 Uhr

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