Frühere Ärzte sollen aussagen

Plädoyers sind im Dreifachmordprozess nicht in Sicht – Anträge der Anwälte

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17. Januar 2018, 05:00 Uhr

Frankfurt (Oder) Die Verteidigung zweifelt im Dreifachmordprozess von Ostbrandenburg ein Gutachten an, wonach der Angeklagte schuldfähig ist. Der Anwalt des 25-Jährigen beantragte gestern vor dem Landgericht Frankfurt (Oder), frühere Ärzte seines Mandanten als Zeugen zu hören, die Schizophrenie attestiert hatten.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten vor, seine Großmutter im Februar 2017 in Müllrose (Oder-Spree) erstochen und auf der Flucht unter Drogeneinfluss zwei Polizisten totgefahren zu haben.

Ein Professor für forensische Psychiatrie hatte im Dezember als Gutachter erklärt, der 25-Jährige sei nicht schizophren und schuldfähig. Damit könnte er zu einer Gefängnisstrafe verurteilt werden, wenn das Gericht der Einschätzung folgt. Die Verteidigung ist überzeugt, dass Aussagen der früheren Ärzte Auswirkungen auf die Schuldfähigkeit hätten. Die Staatsanwaltschaft geht von verminderter Schuldfähigkeit aus.

Die Frage der Schuldfähigkeit ist besonders brisant, weil das gleiche Landgericht den Mann in einem Raubprozess wegen „undifferenzierter Schizophrenie“ für schuldunfähig erklärte. Es stützte sich auf ein psychiatrisches Gutachten.

Ob weitere Ärzte als Zeugen gehört werden, blieb unklar. Eine Entscheidung gibt es voraussichtlich am nächsten Verhandlungstag am 26. Januar. Mit der Intervention setzte die Verteidigung ihre Serie von Anträgen fort, die bislang aber nie zu einem Erfolg geführt hatten.

Gestern lehnte die Kammer zwei Beweisanträge vom Jahresanfang ab, die weitere Sachverständigengutachten zum Tatort an der Bundesstraße gefordert hatten. Die Verteidigung hält das Unfallgutachten der Prüfgesellschaft Dekra nicht für ausreichend. Sie geht davon aus, dass der Gegenverkehr das Fahrverhalten des Angeklagten beeinflusst hatte, er dadurch nach rechts abdriftete und es so zum Unfall mit den getöteten Polizisten kam.

Das Gericht wies das zurück und führte Aussagen des Beschuldigten in einer Polizeivernehmung an. Dort habe er angegeben, er sei mit dem Auto dorthin gefahren, wohin er wollte und habe die Kontrolle darüber behalten. Er habe etwas auf der Straße gesehen ohne einen anderen Ausweg als rechts auszuweichen. Den entgegenkommenden Lkw habe er nicht wahrgenommen.

Das Dekra-Gutachten kommt zu dem Schluss, dass der Angeklagte auf der Straße bewusst nach rechts lenkte. Die Polizisten hatten damals an der Bundesstraße an ihrem Wagen gestanden, um ein Nagelbrett auszulegen.

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