Wittstock : Friedhof wird zum Ort des Lebens

Dichter Bewuchs, synchrone Anordnung, ausgewogenes Verhältnis von Boden- und Wechselbepflanzung: Bernd Haase sorgt für Grabpflege, die sich von anderen abhebt.
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Dichter Bewuchs, synchrone Anordnung, ausgewogenes Verhältnis von Boden- und Wechselbepflanzung: Bernd Haase sorgt für Grabpflege, die sich von anderen abhebt.

Wittstocker Garten-Fachbetrieb ist nur einer von zweien in Brandenburg mit einem besonderen Zertifikat

svz.de von
16. August 2016, 05:00 Uhr

Es wird auch künftig nur zwei Unternehmen in Brandenburg geben, die sich mit dem Zertifikat „Überprüfter Fachbetrieb Friedhofsgärtnerei“ schmücken können. Eine davon hat ihren Sitz in Wittstock. Bernd Haase wird das Qualitätssiegel im März 2017 überreicht bekommen.

Wenn Haase über einen Friedhof in Wittstock geht, weiß er sofort, welches Grab mit professioneller Unterstützung bepflanzt worden ist. Eine gleichmäßige, synchrone Bedeckung mit Grün und Blüten, eine sorgfältige Auswahl an Pflanzen gemäß Schatteneinfall und Bodenbeschaffenheit, kraftvoll im Leben stehende Gewächse ohne abgestorbene Teile – viele Dinge machen eine ausgewogen erdachte Bepflanzung aus, die ein Laie nicht sofort sieht. „Es braucht sehr viel Erfahrung – über Generationen hinweg“, sagt Haase: Sein Vater Siegfried hat das Unternehmen 1958 gegründet.

Der Fachverstand allein hat aber nicht genügt, um das Zertifikat zu erhalten. „Das ist ein richtig harter Auswahlprozess“, betont der Wittstocker. Experten des Landesagrarministeriums, des Zentralverbands Gartenbau und Friedhofsgärtner anderer Bundesländer schauen in den Betrieb hinein. Es geht aber nicht nur darum, was Haase schon aufgebaut hat, welche kunstvollen Bepflanzungen auf seine Karte gehen und wie sich der Betrieb innovativ und kreativ weiter- entwickelt. Der Umgang mit Kunden gehört genauso dazu wie das Bild, das die Firma in der Öffentlichkeit hat: Engagement, Engagement, Engagement – es gibt ein Wort, das Haase im Gespräch immer wieder verwendet.

Dass er im Angelverein ist und sich in Friedhofsausschüssen der Kommunen aktiv einbringt, zum Beispiel: Ohne solche Tätigkeiten gebe es kein Zertifikat. Bereits zum siebten Mal erhält Haase diese befristet geltende Bescheinigung. Über seinem Schreibtisch hängt noch das auslaufende Dokument mit der Jahreszahl 2016. „So lange war es nur gültig“, sagte der Unternehmer. Auf dem nächsten Zertifikat steht dann die Zahl 2020.

Das Zertifikat als Qualitätsmerkmal ist durchaus bedeutsam. Sich im Markt zu behaupten, ist kein Selbstläufer. Zwar steigen die Sterbefälle wegen des demografischen Wandels. Aber die Zahl der Bestattungen mit ausgewiesener Grabstelle nimmt ab. Gemeinschaftsgräber, an denen schmucklos kleine Blumengebinde in Plastiktüllen abgestellt werden, nehmen dagegen zu.

Zur hohen Kunst der Dauergrabpflege bietet Haase seinen Kunden auch das ganz alltägliche Gartenbau-Angebot an. Sechs Mitarbeiter sind derzeit in seinem Betrieb angestellt, zu dem auch große Verkaufsflächen an der Meyenburger Chaussee gehören. Zudem gibt es aber auch bei Trauerfällen neue Entwicklungen, die aufgegriffen werden müssen. So ist das Dekor zum Beispiel eines Sargs immer gefragter.

Nicht zuletzt gehört zum Geschäftsprofil, auch an kostengünstige Lösungen zu denken. „Eine gute Pflege benötigt die Garantie, dass es nicht nur schön aussieht, sondern auch, dass der Aufwand kalkulierbar und nicht riesengroß ist“, sagt Haase.

Auch deshalb gehören das sorgfältige Kundengespräch, die Prüfung der Bodenbeschaffenheit und die Lage der Grabstätte sowie das Einsetzen zum Beispiel von Feuchtigkeit speichernden Kristallen und eine angemessene Düngung dazu. Der Friedhof sei schließlich nicht allein ein Ort der Stille und Ruhe, sondern auch einer des Lebens: für die Menschen, die ihn besuchen, aber auch durch die Kraft der Pflanzen, die dort wachsen. Selbst auf dem Musterpflegegrab auf Haases Verkaufsgelände hat sich am Mittwoch eine Biene auf eine der vielen Blüten niedergelassen – als bestäubende Garantin neuen Lebens.

340 Friedhofsgärtnereien im Bundesgebiet sind zertifizierte und damit überprüfte Fachbetriebe. Neben der Gärtnerei Haase in Wittstock hat in Brandenburg die Potsdamer Firma Gartenbau Ralf Spillner das Zertifikat „Überprüfter Fachbetrieb Friedhofsgärtnerei“ erhalten. Sie sind die einzigen im Land. Das Anerkennungsverfahren umfasst die Prüfung von Erscheinungsbild, Service- und Leistungsprofil durch eine unabhängige Experten-Kommission. Das Qualitätszeichen ist befristet – das heißt, es folgt nach vier Jahren ein neues Verfahren. Federführend ist unter anderem der Bund Deutscher Friedhofsgärtner im Zentralverband Gartenbau. Auch das Landesagrarministerium beteiligt sich am Prüfverfahren. Informationen zur Branche gibt es unter www.dauergrabpflege-brandenburg.de.

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