Polizei Brandenburg : Frieden auf den märkischen Seen

Anschub für den Wassertourismus: Motorboote bis maximal 15 PS dürfen ohne Führerschein gesteuert werden. Stephan Lüdtke von 'Spree-Safari' aus Woltersdorf in einem 15-PS-Boot, das führerscheinfrei gefahren werden darf.
Foto:
1 von 1
Anschub für den Wassertourismus: Motorboote bis maximal 15 PS dürfen ohne Führerschein gesteuert werden. Stephan Lüdtke von "Spree-Safari" aus Woltersdorf in einem 15-PS-Boot, das führerscheinfrei gefahren werden darf.

Die Wasserpolizei zieht ein Jahr nach der Lockerung der Führerscheinregeln eine positive Bilanz auf den märkischen Seen. Vorab waren die Sorgen jedoch groß.

svz.de von
10. Dezember 2013, 15:08 Uhr

Vorab waren die Sorgen auf vielen Seiten groß. Wenn 16-Jährige ohne Führerschein 15-PS-Boote steuern dürfen, bringe das Chaos und mehr Unfälle, hieß es. Ein Jahr nach Liberalisierung der Führerscheinregeln fällt jedoch nicht nur die Bilanz der Brandenburger Polizei positiv aus.

Neue Impulse wollte Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) dem Wassertourismus bescheren. Zunächst gab es jedoch viel Ärger. Umweltverbände, Berufsschiffer, Segler, Kanuten, ADAC und Polizeigewerkschaft liefen Sturm gegen Ramsauers Idee, bundesweit für eine zweijährige Testphase ungelernten Freizeitkapitänen 15-PS-Boote anzuvertrauen. Bis dahin war ohne Führerschein bei fünf PS Schluss, und für unter 18-Jährige war auch das tabu.

Selbst viele Bootsverleiher waren skeptisch, fürchteten um ihre Flotte, wenn übermotivierte und womöglich alkoholisierte Teenager an Bord die Übersicht verlieren. „Ich habe mich auf die neue Lage nicht gefreut“, gesteht Wilfried Neumeyer, Chef von „Spree-Safari“ in Woltersdorf. Reagiert hat er trotzdem, weil die Nachfrage groß war. Und bereut hat er die Anschaffung der zwei 6000-Euro-Gefährte nicht. „Es gab überhaupt keine Schwierigkeiten“, lautet Wilfried Neumeyers Fazit. Man belehre die Jugendlichen vorab umfangreich, das genüge offenbar, um sie von riskanten Manövern abzuhalten.

Auch die Polizei hat nichts zu beanstanden, obwohl man wegen der neuen Regeln das Verhalten der führerscheinlosen Freizeitkapitäne besonders genau beobachtet habe, wie Polizeisprecherin Anja Resmer betont. „Die Bilanz ist positiv. Es gab kein Chaos, wir konnten nicht feststellen, dass die neue Freiheit ausgenutzt wird.“ Die Statistik weise zwar im Vergleich zum Vorjahr einen leichten Anstieg bei der Zahl der Bootsunfälle und der festgestellten Alkoholfahrten aus, „aber es gibt keine Hinweise darauf, dass dies mit den neuen Führerscheinregeln zusammenhängt“. Als Ursache vermutet die Sprecherin eher den allgemein zunehmenden Verkehr auf Seen und Flüssen.

Max Hiller, Geschäftsführer des Wirtschaftsverbands Wassersport Berlin-Brandenburg, fühlt sich durch die Entwicklung bestätigt. Er hatte vehement für die Liberalisierung geworben. „Wir sind nach der ersten Saison sehr erfreut. Es gibt viele Neueinsteiger in Sachen Wassertourismus. Auf dem Markt herrscht Bewegung“, sagt Hiller. Als Beleg verweist er auf die am Wochenende in Berlin stattfindende Messe „Boot & Fun“. Mehr als 40 Betriebe aus Brandenburg seien bei der Schau in den Messehallen am Funkturm dabei. „Es gibt so viele Flöße und Hausboote made in Brandenburg wie noch nie“, schwärmt Hiller.

Nicht bestätigt hat sich nach seiner Einschätzung auch die Befürchtung, dass den Bootsfahrschulen die Kunden davonlaufen. „Im Gegenteil. Der allgemeine Aufschwung des Wassertourismus in der Region beschert ihnen regen Zulauf. Wer viel auf dem Wasser unterwegs ist, will irgendwann eine Schulung“, ist Hiller überzeugt. Wichtig sei, dass man auch hier die Regularien überarbeitet habe. „Früher gab es zu viel theoretischen Unterricht und zu wenig Praxis. Das ist jetzt anders.“

Karl-Heinz Hegenbart, Vorsitzender des Verbands Brandenburgischer Segler, nimmt indes die positive Bilanz der Polizei erleichtert zur Kenntnis, hält jedoch an seiner Kritik der neuen Führerscheinregeln fest. „Es fällt auf, dass viele Menschen unterwegs sind, die geltende Regeln nicht kennen oder sie ignorieren“, sagt Hegenbart. „Und das sehen erfahrene Segler natürlich und weichen rechtzeitig aus, um Kollisionen zu verhindern.“ Er geht außerdem davon aus, dass sich die neuen Regeln noch nicht überall herumgesprochen haben, man also in den kommenden Jahren genau beobachten müsse, wie sich die führerscheinlosen Motorbootfahrer verhalten. Ähnlich sieht es die Stern- und Kreisschifffahrt Berlin, die vor Kollisionen zwischen Ausflugsdampfern und Motorbooten warnt. „Es ist nichts passiert, aber wir blicken bislang auch nur auf eine Saison zurück“, gibt Geschäftsführer Jürgen Loch zu bedenken. „Es bleibt dabei: Wir lehnen die neuen Regeln ab.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen