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EU-Dorfwettbewerb : Freude im „Weißen Haus“

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

400 Seelen-Dorf Hohenseefeld im Fläming zeigt intaktes Dorfleben. Spurensuche fördert Unerwartetes wie das „Fläming-Platt“ und traditionelle Trachten zutage.

Blühende und liebevoll gepflegte Blumenschalen zieren den Straßenrand. „Aber Hohenseefeld hat noch viel mehr zu bieten“, betont die ehrenamtliche Ortsvorsteherin der Gemeinde im Landkreis Teltow-Fläming, Sandra Klimaschewski.

Hohenseefeld gehörte zu 24 Kommunen aus elf Staaten, die sich im Europäischen Dorfwettbewerb bewarben. Der Hauptpreis ging an die Gemeinde Fließ in Österreich, für die anderen ist allein die Teilnahme schon eine Auszeichnung. Am morgigen Freitag werden Dörfer im ungarischen Tihany erwartet, dem Sieger von 2014. Auch eine Abordnung aus dem Fläming wird dabei sein.

Warum nahmen die Hohenseefelder die Teilnahme an dem EU-Wettbewerb auf sich, der nicht nur viel Stress mit Formularen bedeutet, sondern auch reichlich Zeit und ehrenamtliches Engagement erfordert? „Wir wollten sehen, wo wir stehen“, sagt Bärbel Schilo vom Heimatverein.„Und auch zeigen, was wir mit Eigeninitiative für die Gemeinschaft erreicht haben.“ Klimaschewski ergänzt: „Außerdem wollten wir über den Tellerrand schauen und vielleicht von anderen Dörfern lernen.“ Der Wettbewerb soll ländliche Regionen in der Öffentlichkeit bekanntmachen. Brandenburg unterstützt das mit EU-Fördermitteln. Vorhaben unter anderem der touristischen Infrastruktur oder der Dorfentwicklung können nach Angaben des brandenburgischen Agrarministeriums mit bis zu 75 Prozent unterstützt werden.

Von den Anstrengungen in Hohenseefeld überzeugte sich eine Jury der Europäischen Union (EU) bei einem Rundgang. Sie erhielt einen Einblick in Chor, Männertagsverein, Feuerwehr, Seniorensportgruppe oder auch Schützenverein. Insgesamt gibt es 14 Vereine und Gruppen.

Einmal im Monat kommt die Dorfgemeinschaft zusammen, um Ideen und Projekte zu besprechen. Einst wurde das preußische Hohenseefeld mit dem sächsischen Niederseefeld zusammengelegt.

Das Dorfbild prägen zwei Kirchen samt Friedhöfen und jeweils einem Kriegerdenkmal. Dazu kommt eine mehrfach ausgezeichnete Gaststätte. Zudem gibt es einen Dorfladen, Fleischer, Eiscafé und Bäcker. Herz des Ortes ist aber das aus DDR-Zeiten überkommene zentrale Dienstleistungszentrum oder auch „Weiße Haus“. Wenn es auch nach wie vor so genannt wird, leuchtet es nach dem letzten Anstrich gelb. Dort haben unter anderem eine Bank, ein Friseur, ein Steuerberater und nicht zuletzt die Ortsvorsteherin ihr Domizil. „Dies ist auf dem Lande schon etwas Besonderes“, sagt Klimaschewski. „Bei uns herrscht noch Leben“, stellt die Dorfbewohnerin Schilo vom Heimatverein fest. Das lockt auch Touristen an. Demnächst können sie umweltfreundlich Strom tanken, sofern sie ein E-Auto fahren. Auf einem der Rundkurse der Fläming-Skate ist zudem hautnah die Landschaft erleben.

Besucher sind das Rentner-Ehepaar Doris und Siegfried Hertel gewohnt. In neunter Generation leben sie auf einem historischen Vierseithof. Sie zeigen, wie es der Familie gelang, das ursprüngliche Aussehen des Hofes zu bewahren. „Wir haben den sogenannten Oberlaubenstall, der unter Denkmalschutz steht, saniert“, sagt Doris Hertel. Auch der Innenhof erhielt wieder seinen Belag aus Feldsteinen, und die zu DDR-Zeiten gelegte restliche Betondecke wird entfernt. „Eigentum verpflichtet“, unterstreicht Ehemann Siegfried.

Seine Frau ergänzt etwas, was nicht auf Anhieb zu verstehen ist. Auf Hochdeutsch wiederholt die pensionierte Lehrerin, dass Traditionen bewahrt werden müssen. „Das war Fläming-Platt“ – den Dialekt sprechen nur noch wenige Alte im Dorf. Jüngere und Zugezogene – Klimaschewskis leben seit sechs Jahren hier, Schilo heiratete vor 47 Jahren ein – konnten ebenfalls für Traditionen begeistert werden. So ist das Tragen von Tracht nach wie vor modern. Zr Veranstaltung in Ungarn werden die Hohenseefelder im Fläming-Ornat fahren. Dabei sind für Männer Gehrock und Zylinder Pflicht, während sich Frauen in weite Röcke mit Mieder, weiße Blusen, Bänder, Ketten und Schleifen sowie ein fransiges Schultertuch und eine Festtagsschürze kleiden.

 

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