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Verstärkte Kontrollen bis Pfingsten : Freizeitkapitäne unter besonderer Beobachtung

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Länderübergreifende Kontrollen der Wasserschutzpolizei. Mit Saisonstart drohen höhere Strafen als bislang

svz.de von
erstellt am 29.Apr.2016 | 05:00 Uhr

Mit länderübergreifenden Kontrollen unter der Regie Brandenburgs will die Wasserschutzpolizei bis nach Pfingsten verantwortungslose Schiffs- und Bootsführer zur Vernunft bringen. In der neuen Wassersportsaison drohen ihnen deutlich höhere Strafen als bislang.

Es sollte ein schöner Ausflug werden, an einem sonnigen Tag Ende Juni auf dem Schlänitzsee bei Werder/Havel (Potsdam-Mittelmark). Die „Eros“, ein Sportsegelboot, war mit zwei Männern und zwei Frauen besetzt, als der Besitzer seinen Bekannten ans Steuer ließ – ohne Bootsführerschein. Zeugen sagten später vor Gericht aus, dass das Segelboot „irgendwie komisch“ unterwegs war – unglücklicherweise mitten in der Fahrrinne, wo es wenig später vom 80 Meter langen Güterschiff „Moca“ gerammt wurde und auf den Grund des Sees sank. Während die beiden Männer sich mit einem Sprung retteten, kam für die beiden Frauen, die sich während des Unglücks in der Kajüte aufhielten, jede Hilfe zu spät.

Auf den Wasserstraßen herrscht Narrenfreiheit, wenn man der Statistik der Polizei Glauben schenken darf. Unfälle mit gecharterten Booten haben nach Informationen des Polizeipräsidiums in Potsdam zu 83 Prozent deren Führer selbst verschuldet. Die Polizei bemängelt die Unkenntnis vieler Freizeitkapitäne über Fahrregeln und Hinweisschilder wie Geschwindigkeitsbegrenzungen, Vorfahrtsregeln oder Ankerverbote – und geht mit hohen Strafen dagegen vor. Wer angetrunken sein Boot steuert, muss künftig bis zu 2500 Euro Strafe zahlen. Wer ohne Fahrerlaubnis auf einer Binnenschifffahrtsstraße erwischt wird, muss gar das Doppelte zahlen. Die Wahrscheinlichkeit, in eine solche Kontrolle zu geraten, ist in den nächsten Wochen groß.

 Unter der Koordination Brandenburgs will die Polizei vom 30. April bis zum 16. Mai mit länderübergreifenden Kontrollen gegen Verkehrsverstöße und Bootskriminalität vorgehen. Allein 2015 gab es nach Informationen des Polizeipräsidiums bei jedem fünften Freizeitkapitän und jedem vierten Fahrzeug der Berufsschifffahrt oder dessen Besatzung Beanstandungen – insgesamt sind fast 25 000 Boote und Schiffe überprüft worden. In 72 Fällen war Alkohol im Spiel. Die Folge: Die Zahl der Unfälle nahm 2015 im Vergleich zum Vorjahr zu.

186 Kollisionen oder Grundberührungen hat das Polizeipräsidium 2015 registriert. „Als Hauptunfallursache ist immer wieder festzustellen, dass die Mehrzahl der Unfälle auf menschliches Fehlverhalten, aber auch auf technische Mängel oder Witterungseinflüsse zurückzuführen ist“, sagt Präsidiumssprecher Mario Heinemann. Mal fehlen Ortskenntnisse, mal sind Vorschriften in der Sportbootschifffahrt für die Freizeitkapitäne ein Buch mit sieben Siegeln. Erst Anfang des Jahres hatte ein Berliner Hobbyskipper sich im Seil der Fähre des Potsdamer Verkehrsbetriebs bei Hermannswerder verfangen und den Verkehr für dreieinhalb Stunden lahmgelegt.

Mit den flächendeckenden Kontrollen hofft die Polizei nicht nur Rasern, sondern auch Kriminellen auf die Spur zu kommen. Der Diebstahl von Bootsmotoren ist für organisierte Banden aus Osteuropa attraktiv. Vor zwei Jahren war die Polizei einer Gruppe von Bootsdieben und Versicherungsbetrügern auf die Schliche gekommen, die zwischen 2006 und 2011 auf Mecklenburger Seite Sportboote im Wert von mehr als 220 000 Euro gestohlen, mit neuen Kennzeichen versehen und dann weiterverkauft hatten. Die Sicherung von Booten und deren Zubehör sei bei der länderübergreifenden Aktion deshalb ein weiterer Schwerpunkt.

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