Freiwillige Familienhilfe

Jungen Eltern werden durch Netzwerkpaten unter anderem Massagetechniken fürs Baby vermittelt.Matthias Bruck
Jungen Eltern werden durch Netzwerkpaten unter anderem Massagetechniken fürs Baby vermittelt.Matthias Bruck

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24. Dezember 2010, 01:57 Uhr

Potsdam | Brandenburgs Nachwuchs soll möglichst liebevoll und in stabilen Familien groß werden. Dazu leisten die seit 2006 bestehenden "Netzwerke Gesunde Kinder" einen wichtigen Beitrag, wie eine Studie ergab. Noch gibt es sie nicht flächendeckend. Landesweit haben sich bislang 18 dieser Netzwerke etabliert. Der Landkreis Prignitz etwa beschreitet mit dem Netzwerk Kindeswohl, einem ähnlichen Modell, einen eigenen Weg. Die von den Netzwerken angebotene Betreuung durch ehrenamtliche Patinnen und Paten wirke sich positiv auf die Gesundheit und Entwicklung des Nachwuchses aus, heißt es in der Untersuchung, die Sozialminister Günter Baaske (SPD) am gestrigen Donnerstag in Potsdam vorstellte. An ihr sind auch Hebammen, Mediziner oder Gesundheitsämter beteiligt. Inzwischen werde jedes fünfte Kind erfasst, so Baaske. Ziel seien 50 Prozent. Adressaten sind Familien aller sozialen Schichten.

Die freiwillig gewählte Betreuung dauert drei Jahre und setzt schon vor der Geburt ein. Für sie würden Paten 40 Stunden lang qualifiziert, erläuterte der Geschäftsführer des Klinikums Niederlausitz in Senftenberg, Hendrik Karpinski. Der Chefarzt für Kinder- und Jugendmedizin gehört zu den Gründern des ersten, dort geschaffenen Netzwerks. Mit den Familien würden zehn Pflichtbesuche vereinbart, tatsächlich seien es dann aber meistens mehr. Durchschnittlich seien die insgesamt rund 930 Paten achteinhalb Stunden pro Monat im Einsatz.

Während anderswo gezielt sogenannte Risikofamilien angesprochen würden, biete Brandenburg die Fürsorge freiwillig an, unterstrich Baaske. Dabei entlasteten die Paten die Mütter und Väter bewusst nicht zu stark: "Die nehmen die nicht an die Hand." Ob allgemein die Erziehungsfähigkeit in der Gesellschaft gelitten hat, sei schwer zu sagen. "Es gibt ganz wenige Daten dazu." Zweifelsohne sei aber das Bewusstsein für Vernachlässigung gewachsen.

Von den knapp 1100 befragten Müttern zeigten sich der Studie zufolge 86 Prozent mit den Leistungen der Netzwerke sehr zufrieden bis zufrieden. 98 Prozent der Paten sind den Angaben zufolge Frauen, die im Schnitt 47 Jahre alt sind, zu 90 Prozent selbst Kinder haben und fünf Familien betreuen. Unter den Müttern hatten 26 Prozent einen einfachen oder keinen Schulabschluss, 41 Prozent verfügten über die mittlere Reife, 32 Prozent hatten Abitur. 94 Prozent bewerteten den Gesundheitszustand ihrer Kinder mit sehr gut oder gut.

Wenn die Netzwerke insbesondere sozial schwächere Familien stärker für das Wohlergehen ihrer Kinder sensibilisieren würden, wäre das sensationell, so der Mediziner Karpinski. Das Land finanziert sie nach Baaskes Angaben mit jährlich einer Million Euro. 2011 erhalte jeder Kreis 60 000, jede kreisfreie Stadt 30 000 Euro. In Zukunft sollte es dafür eine Regelfinanzierung der Krankenkassen geben.

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