Flüchtlinge : „Freiheit“ in Potsdam

Helfer verteilen am Bahnhof in Schönefeld Lebensmittel, bevor die Flüchtlinge zur Erstaufnahme-Einrichtung gebracht werden.
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Helfer verteilen am Bahnhof in Schönefeld Lebensmittel, bevor die Flüchtlinge zur Erstaufnahme-Einrichtung gebracht werden.

Flüchtlinge ziehen in ehemaliges Brandenburger Sozialministerium / Gebäude bietet bis zu 700 Plätze

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15. September 2015, 14:03 Uhr

Im Untergeschoss stapeln sich Berge von gespendeter Kleidung, draußen reichen freiwillige Helfer Brötchen, Obst und Wasser. Vor dem ehemaligen „Haus 9“ des Brandenburger Sozialministeriums warten Dutzende Flüchtlinge. Gestern Morgen kamen die Männer, Frauen und Kinder kurzfristig mit einem Sonderzug aus Bayern am Bahnhof Berlin-Schönefeld Flughafen an. Danach wurden sie in Bussen nach Potsdam gebracht. „Sonderfahrt“ steht auf den Fahrzeugen.

Die 30-jährige Nour hält ihre einjährige Tochter im Arm, müde ist sie, aber glücklich, hier zu sein, in der „Freiheit“. Mit dabei sind ihr Mann und eine Freundin. Sie kämen aus Syrien, berichtet Nour, zwei Wochen seien sie unterwegs gewesen, über die Türkei, Griechenland und Serbien.

Die ehemaligen Ministeriumsgebäude in der Heinrich-Mann-Allee in der Nähe des Potsdamer Hauptbahnhofs wurden in kürzester Zeit für die Unterbringung der Flüchtlinge hergerichtet. Bis zu 700 Plätze könnten an dem Standort belegt werden, sagt DRK-Koordinator Achim Müller. Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) stellte die Organisation für die Ankunft nach seinen Worten in wenigen Stunden auf die Beine. Unglaublich viele Spenden seien zudem seit Montagabend eingegangen – von Spielzeug bis Windeln.

Wo einst Ministerialbeamte am Schreibtisch saßen, stehen nun auf grauem Büroteppich Feldbetten mit weißem Bettzeug. Tische und Stühle fehlen in den Zimmern. Auch Schränke gibt es keine. Und es ist gewollt, dass die Menschen sich in den Gemeinschaftsräumen kennenlernen. Es soll eine Gemeinschaftsverpflegung geben, die vorhandene Kantine und Küche genutzt werden, so der DRK-Koordinator. Auch eine Wäscherei soll eingerichtet werden. Draußen wurden zusätzlich mobile Toiletten aufgestellt.

Der Potsdamer Standort ist nun eine Außenstelle der Erstaufnahmeeinrichtung Eisenhüttenstadt, wo die Menschen gesundheitlich untersucht und registriert werden. Auf dem Gelände mit viel Grün und Bäumen arbeiten immer noch Behörden – so etwa die Bundespolizei. Diese sollte ebenso wie die Landesdatenschutzbeauftragte die früheren Ministeriumsgebäude nutzen, wie Finanzstaatssekretärin Daniela Trochowski sagt. Das muss nun verschoben werden. Mit rund 25 000 Flüchtlingen und Asylbewerbern wird dieses Jahr in Brandenburg gerechnet, möglicherweise könnten es gar 30 000 werden.

Mit der Unterkunft in den ehemaligen Ministeriumsgebäuden haben die Menschen, die dort unterkommen, ein winterfestes Quartier. Andernorts wird daran noch gearbeitet. Wegen des Andrangs könnten vor Einbruch des Winters nicht genügend feste Unterkünfte angeboten werden, hatte Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) jüngst erklärt.

Daher müsse auf Notunterkünfte in winterfesten Zelten und Turnhallen ausgewichen werden. Neue Außenstellen der Erstaufnahme in Wünsdorf (Teltow-Fläming) und Doberlug-Kirchhain (Elbe-Elster) mit insgesamt 2000 Plätzen sind noch im Bau und werden erst Anfang 2016fertig.

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