Himmel : Freier Blick zu den Sternen

Thomas Becker (mit der Taschenlampe), führt eine Gruppe während einer Nachtwanderung.
Thomas Becker (mit der Taschenlampe), führt eine Gruppe während einer Nachtwanderung.

Im westlichen Havelland wird es nachts so finster wie in nur wenigen anderen Regionen Deutschlands, daher herrschen beste Bedingungen für Sternengucker

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28. Juli 2020, 05:00 Uhr

Sternenfreunde mögen es gern besonders dunkel. Große Industrieansiedlungen, Städte und Ballungsräume erschweren den Blick ins Weltall. Nur einige wenige Regionen in Deutschland sind nachts so finster, dass sich das nächtliche Firmament besonders gut beobachten lässt. Dazu gehört die dünn besiedelte Grenzregion von Brandenburg und Sachsen-Anhalt. Beste Voraussetzung, um Naturerlebnis und Wissenschaft in einem „Sternenpark Westhavelland“ miteinander zu verbinden. Er umfasst den gesamten 1315 Quadratkilometer großen Naturpark Havelland in Brandenburg und die Gemeinde Schollene in Sachsen-Anhalt. Der Titel wurde durch die „International Dark Sky Association“, der Internationalen Gesellschaft zum Schutz des dunklen Nachthimmels, bisher an fünf Regionen in Deutschland verliehen.

„Das Havelland war 2014 die erste“, berichtet Initiator Andreas Hänel. Als Fachgruppenleiter „Dark Sky“ der Vereinigung der Sternenfreunde Deutschlands war der langjährige Direktor 2009 durch Gleichgesinnte auf die Region aufmerksam geworden und hatte erste Lichtmessungen durchgeführt. „Es war erstaunlich, wie dunkel es dort ist“, erinnert er sich. Das Dörfchen Gülpe, mittendrin gelegen, wird zuweilen sogar als dunkelster Ort Deutschlands bezeichnet.

Thomas Becker betreut als Naturparkmitarbeiter das Projekt vor Ort und bringt es Gästen zum Beispiel bei nächtlichen Sternenwanderungen näher. Für die Tourismusbranche in Havelland und Altmark biete sich so die Chance, neue Besuchergruppen anzulocken, sagt er. Viele Unterkunftsanbieter hätten sich bereits auf das spezielle Klientel eingestellt. Teleskop und Leihfernrohr zählten ebenso zum Angebot wie die Möglichkeit zum späten Checkout nach einer nächtlichen Sternentour.

Nicht nur Wissenschaftlern und Astro-Touristen helfe die Dunkelheit beim Sterne Gucken. „Auch Mensch und Tier profitierten“, sagt Hänel. Wenn die Nacht zurückkomme nutze das der Gesundheit. Hinzu komme ein wirtschaftlicher und nicht zuletzt ökologischer Aspekt. Durch weniger Beleuchtung sinke der Energieverbrauch und die CO2-Emission. „Es geht darum, Lichtorgien zu vermeiden“, so der promovierte Astronom.

Für die beteiligten Kommunen ist der Titel zugleich Verpflichtung. Sie müssen Beleuchtungskonzepte erarbeiten und umsetzen, um Lichtverschmutzung möglichst gering zu halten. Öffentliche Beleuchtung wird auf ein Mindestmaß reduziert, Straßenlampen erhielten moderne Leuchtmittel und wurden so ausgerichtet, dass sie zielgerichtet strahlen. „Ziel ist es, Licht intelligent und maßvoll zu nutzen“, erklärt Becker. Weitere Kommunen seien herzlich willkommen mitzumachen.

Ein Kandidat dafür sei die Hansestadt Havelberg. Bürgermeister Bernd Poloski (parteilos) findet die Idee durchaus charmant, nicht nur hinsichtlich der naturbezogenen Zielsetzungen. Sie passe auch zu den touristischen Zielen im Biosphärenreservat Mittelelbe und den vielen Schutzgebieten in den Havelniederungen. Nach der Urlaubszeit sei ein Gespräch mit den Verantwortlichen des Sternenparks unter Einbeziehung des Vorsitzenden des Fördervereins und Amtsdirektors des benachbarten Rhinow, Jens Aasmann, vereinbart. Anschließend soll das Thema in den kommunalen Gremien der Domstadt behandelt werden.

„Wir sind an der Ausweitung dieser Projektidee auf die Altmark und den Elb-Havel-Winkel interessiert“, sagt Carla Reckling-Kurz, Geschäftsführerin des Altmärkischen Regionalmarketing- und Tourismusverbandes. Es gäbe einige Standorte im Norden Sachsen-Anhalts, die dafür geeignet seien. Deren Einbeziehung in die regionsübergreifende Kommunikation, aber auch die Aufbereitung als touristisches Angebot werde der Verband mit seinen Marketingmitteln gern begleiten.

Ins Unermessliche wachsen kann der Sternenpark allerdings nicht. Natürliche Grenze im Osten sei die Lichtglocke der Hauptstadt, erklärt Becker. Im Westen verhindere das grell beleuchtete Zellstoffwerk Arneburg, dass ein Großteil der Altmark die Sternenpark-Kriterien erfülle. Hier gebe es aber Gespräche, die Geschäftsleitung zeige sich durchaus aufgeschlossen, die Lichtbilanz zu verbessern, freut er sich.

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