Aschenputtel-Film : Frankfurt zeigt Weihnachten A bis Z

Eine Spieldose in Form einer Krippe aus den 1980er Jahren ist in der Ausstellung „ABC der Weihnachtszeit“ im Frankfurter Museum Viadrina zu sehen.
Eine Spieldose in Form einer Krippe aus den 1980er Jahren ist in der Ausstellung „ABC der Weihnachtszeit“ im Frankfurter Museum Viadrina zu sehen.

Bei der Adventsausstellung in Frankfurt (Oder) geht es um das „ABC der Weihnachtszeit“ und einen Filmklassiker mit besonderen Bezügen zur Oderstadt

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28. November 2019, 05:00 Uhr

Der Frankfurter Ulrich Junghanns wird durch eine Ausstellung jetzt wieder an seine Jugend erinnert. Mit 17 Jahren war der spätere CDU-Politiker und zeitweilige Brandenburger Wirtschaftsminister plötzlich zum Film gekommen. Im Hengstdepot Moritzburg (Sachsen) ließ er sich Anfang der 1970er Jahre zum Facharbeiter für Pferdezucht ausbilden. Damals wurde in der Nähe die deutsch-tchechische Filmproduktion „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ gedreht.

Für die Reitszenen wurden Komparsen gesucht und schon war Junghanns mittendrin in dem Streifen, der inzwischen zu einem Klassiker in der Weihnachtszeit geworden ist. „Da kannst du sonstwas erreicht haben in deinem Leben, wenn du aber in diesem Film mitgespielt hast, ist das offenbar alles nicht mehr zu toppen“, sagt er schmunzelnd, wohl wissend, dass seine „Jugendsünde“ jetzt wieder Schlagzeilen machen wird.

Denn in der diesjährigen Weihnachtsausstellung im Frankfurter Museum Viadrina gibt es einen ganzen Raum, der sich nur mit dem Kult-Märchenfilm und seinen Verbindungen nach Frankfurt (Oder) beschäftigt. Nicht nur Junghanns spielte mit, sondern auch Berol Kaiser-Reka. Der Künstler, der lange Zeit in Frankfurt (Oder) lebte, besaß eine einzigartige Sammlung historischer und kurioser Musikinstrumente, die er in großen Teilen der Stadt vermacht hat.

In der „Aschenbrödel“-Ballszene war er der Kapellmeister der Musikgruppe, die auf seinen Instrumenten spielte. „Und die gehören inzwischen zu unserer Sammlung, so dass wir sie in der Ausstellung jetzt zeigen können“, sagt Kuratorin Sonja Michaels. Die filmische Ballszene wird ebenfalls in der Schau gezeigt. Als Leihgaben sind diverse Original-Filmrequisiten ausgestellt, darunter eine Orgel-Attrappe und drei lebensgroße Puppen mit höfischer Kleidung und Pagenkopffrisuren.

Auch das Kostüm eines der Reiter des Prinzen wird gezeigt, möglicherweise hat es ja Junghanns damals getragen. „Ich staune immer wieder, dass dieser Film auch nach über 40 Jahren noch so viele fasziniert, auch in Frankfurt“, sagt der 63-Jährige, der selbst ein paar Fotos für die Museumsausstellung beigesteuert hat.

Der „Aschenbrödel“-Raum findet sich in der Weihnachtsausstellung unter dem Buchstaben „D“. Denn das Alphabet und seine weihnachtlichen Deutungen stehen im Mittelpunkt der diesjährigen Schau, mit der eine 1991 begonnene Tradition im Museum Viadrina fortgesetzt wird. „Eine Ausstellung zu Weihnachten muss sein und zwar immer eine andere“, sagt Museumsleiter Martin Schieck. Das Museum sei da gewissermaßen in der Pflicht, die Erwartungshaltung der Frankfurter groß.

Begonnen wurde damals mit historischem Spielzeug, später gab es ausgestellte Pfefferkuchenmodel, Nussknacker oder Krippen, die besonders viele Besucher faszinierten. „Das war bisher das Highlight bei den Weihnachtsausstellungen“, sagt Kuratorin Michaels.

Natürlich will sie dieses Ergebnis mit dem „ABC der Weihnachtszeit“ mit der vom Donnerstag bis zum 9. februar 2020 geöffneten Schau überbieten. Nicht zuletzt damit, dass zur Eröffnung erstmals auch ein Weihnachtsmann kommt. Thematisiert werden traditionelle Bräuche in Brandenburg und Polen, Gabenbringer der Weihnachtszeit vom Heiligen Nikolaus bis zum Christkind und längst vergessene Speisen, die an der Oder früher zum Fest gehörten.

Nicht jeder Begriff in der Ausstellung habe auf den ersten Blick mit Weihnachten zu tun, meint Michaels. Das „U“ steht für unerwartete Gäste und erinnert an den polnischen Brauch, zu Weihnachten ein zusätzliches Gedeck auf den Tisch zu legen. Es soll an die Verstorbenen erinnern, aber auch für Bedürftige bereit stehen, die an die Tür klopfen könnten. Zwölf Gerichte gehören zum polnischen Weihnachtsessen. „Sie stehen gleichsam für die zwölf Monate eines Jahres und die 12 Jünger von Jesus“, erklärt die Kuratorin. Kopfzerbrechen hatte ihr der Buchstabe „X“ bereitet, bis sie auf die amerikanische Bezeichnung X-mas kam. „Was viele nicht wissen: Die Tradition des Weihnachtskranzes an der Haustür sollen nach dem Zweiten Weltkrieg amerikanische Soldaten nach Deutschland gebracht haben.“

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