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Wissenschaftsministerin im Interview : Forschung muss stärker werden

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Martina Münch spricht über die Ausbildung von Ärzten für das Flächenland an der privaten Medizinischen Hochschule Brandenburg

svz.de von
erstellt am 16.Feb.2017 | 05:00 Uhr

Der erste Jahrgang der Medizinischen Hochschule Brandenburg Theodor Fontane (MHB) startet im April mit dem klinischen Teil der Ausbildung in Brandenburg an der Havel.

Wissenschaftsministerin Martina Münch ist vom praxisnahen Ansatz der Ausbildung überzeugt. Bei der Forschung hapere es dagegen noch, sagte Münch im Gespräch mit Klaus Peters.

Die Gründung der von Kliniken und Kommunen getragenen MHB gelang 2014 erst nach schwierigen Verhandlungen. Sind Sie von dem Konzept überzeugt?

Martina Münch: Die MHB hat großen Zulauf: Auf die jeweils 48 Medizin-Studienplätze bewerben sich jedes Jahr mehr als 700 Interessenten aus dem gesamten Bundesgebiet. Die Ausbildung ist sehr praxisorientiert – in dem Modellstudiengang werden vorklinische und klinische Fächer nicht getrennt gelehrt. Die Studierenden lernen von Anfang an auch mit Patienten in Lehrpraxen. Deswegen hoffe ich, dass wir mit diesem Modell dem Ärztemangel auf dem Land begegnen können.

Warum hat das Land Brandenburg als einziges keine staatliche Mediziner-Universität gegründet, wenn der Nachwuchs so dringend benötigt wird?

Das waren Weichenstellungen nach der Wende. Auch der Wissenschaftsrat empfahl seinerzeit, die Mediziner-Ausbildung gemeinsam mit Berlin zu machen. Damals ging man davon aus, dass Berlin genügend Kapazitäten hat, die notwendigen Ärzte auch für Brandenburg auszubilden. Doch es hat sich gezeigt, dass nicht genügend junge Ärzte bereit sind, in die ländlichen Regionen zu gehen. Viele gehen auch gar nicht in den Arzt-Beruf, sondern in die Forschung oder ins Ausland. Heute würde man wahrscheinlich eine andere Entscheidung treffen. Eine eigene Hochschul-Medizin in der Region hätte auch Klebeeffekte für entsprechende Institute und Unternehmen, die sich dann dort ansiedeln.

Warum setzen Sie sich dann nicht jetzt für die Gründung einer staatlichen Mediziner-Ausbildung in Brandenburg ein?

... wenn Sie mir 100 Millionen Euro Startkapital und jährlich 50 Millionen Euro für den Unterhalt geben! Das sind die Dimensionen, um die es geht. In Bayern wird mit Augsburg gerade die vierte Medizin-Fakultät aus dem Boden gestampft mit Mitteln in dieser Größenordnung – bei uns übersteigt das die Möglichkeiten im Landeshaushalt. Zudem haben wir inzwischen die Medizinische Hochschule Brandenburg anerkannt.

Wie weit wird denn die MHB für genügend Ärzte-Nachwuchs in Brandenburg sorgen können?

Es ist zumindest schon mal ein guter Schritt dahin. Das Konzept der MHB richtet sich gezielt an Studierende aus der Region und diese werden mit einem intelligenten Stipendienkonzept über einen vergleichsweise langen Zeitraum in Brandenburg gehalten, so dass Absolventen in jedem Fall zum Ärztenachwuchs in der Region beitragen.

Allerdings: Die Forschung muss noch stärker werden. Die staatliche Anerkennung ist zunächst bis 2021 befristet. Bis dahin muss nicht nur die Lehre, sondern auch die Forschung strukturell breit und nachhaltig verankert sein und ein überzeugendes Forschungskonzept stehen. Dies ist auch Voraussetzung für die Übertragung des Promotionsrechts an die MHB. Derzeit können Studierende noch nicht an der MHB promovieren, aber das Studium natürlich regulär mit dem Staatsexamen abschließen.

Kann das Land die MHB denn wenigstens auf diesemGebiet unterstützen?

Wir haben kürzlich die Gründung des Gesundheitscampus beschlossen, ein Netzwerk, in dem die Universität Potsdam und die BTU Cottbus-Senftenberg gemeinsam mit der MHB auf dem Feld der Gesundheitsforschung zusammenarbeiten werden. Der Forschungsschwerpunkt liegt im Bereich Gesundheit und Medizin des Alterns und greift damit bewusst brandenburgische Bedarfe auf. Es geht auch um die Frage, wie die pflegerische Versorgung der zunehmend älter werdenden Bevölkerung gewährleistet werden kann. Wir hoffen, dass daraus genügend kritische Masse im Forschungsbereich entsteht, die der Wissenschaftsrat dann auch für die MHB anerkennt.

Danke für das Gespräch

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