Mit Gitarre und Literatur : Flüchtlingskinder lernen mit Heine

.Einmal wöchentlich gestaltet Valentina Ravva Musikunterricht mit Flüchtlingskindern
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.Einmal wöchentlich gestaltet Valentina Ravva Musikunterricht mit Flüchtlingskindern

Einmal wöchentlich ist die aus dem Kaukasus stammende 60-Jährige mit ihrer Gitarre in der Grund- und Oberschule Maxim Gorki in Bad Saarow zu Gast.

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29. März 2016, 10:00 Uhr

„Leise zieht durch mein Gemüt“, schallt es noch etwas schwankend aus fünf Kinderkehlen. Damit Heinrich Heines Frühlingsbotschaft nicht ganz in Unsicherheit untergeht, hält Valentina Ravva die Melodie mit Gitarrentönen. Als das deutsche Volkslied verklingt, setzt der 13-jährige Awdi begeistert noch einmal nach. „Du hast den Ton genau getroffen“, lobt die Musiklehrerin den syrischen Jungen, der vor Freude rote Ohren bekommt.

Einmal wöchentlich ist die aus dem Kaukasus stammende 60-Jährige mit ihrer Gitarre in der Grund- und Oberschule Maxim Gorki in Bad Saarow zu Gast. Ehrenamtlich gestaltet sie einen besonderen Musikunterricht mit Flüchtlingskindern. „Als ich vor 15 Jahren mit meiner Familie nach Deutschland kam, merkte ich schnell: Ohne Deutsch kommst Du nicht zurecht“, erinnert sie sich.

Ravva sei zwar deutschstämmig, doch gesprochen wurde die Sprache damals in Russland nicht. „Das war verboten.“ Im Fürstenwalder Dom bekam die studierte Musiklehrerin Orgelunterricht und den Zugang zu deutschem Liedgut. „Ich habe die Sprache auch aus den Liedern gelernt. Ich singe gern und wollte einfach wissen, was die Worte bedeuten“, erinnert sich die verwitwete Aussiedlerin.

Beim Deutschlernen hilft das Singen auch den Flüchtlingskindern. „Lieder bleiben im Kopf“, sagt die vierfache Großmutter. Wie zur Bestätigung beginnt die elfjährige Siemmer aus Syrien, ein paar Verse aufzusagen. Ravva nickt freundlich und auch Lehrerin Pamela Elfring freut sich: „Das Singen ist für die Schüler eine willkommene Abwechslung zum ständigen Deutsch-Büffeln.“ Mit Gesang ließen sich die Wörter einfacher aussprechen, so die Erfahrungen der Pädagogin.

46 Flüchtlingskinder im Alter zwischen 6 und 18 Jahren besuchen derzeit die Maxim-Gorki-Schule. „Das sind etwa zehn Prozent unserer Schüler“, sagt Schulleiter Jens-Folke Andres, der in den vergangenen anderthalb Jahren dazu vielfältige Erfahrungen sammeln konnte. „Dieser Anteil an ausländischen Kindern ist für unsere drei speziell geschulten Lehrer gut zu händeln.“

Laut Gesetz sollen die fremdsprachigen Neuankömmlinge - an der Gorkischule vor allem Syrer, Afghanen, Tschetschenen und Albaner – zunächst in sogenannten Willkommensklassen Deutsch als Zweitsprache lernen, bevor sie in die regulären Schulklassen integriert werden. „Bei den älteren Flüchtlingsschülern klappt das gut. Bei den jüngeren gab es Zoff mit einigen unser deutschen Grundschüler“, erinnert sich Andres.

Deswegen sei die Schule dazu übergegangen, die jüngeren Flüchtlingskinder gleich auf die „normalen“ Klassen aufzuteilen. „Die lernen im Nu Deutsch, weil sie quasi allein unter deutschen Mitschülern sind und gar keine andere Wahl haben.“ Inzwischen gebe es allerdings noch eine dritte Gruppe mit jungen Flüchtlingen, die erst wenige Monate in Deutschland sind – also mit dem Deutsch-Lernen noch ganz am Anfang stehen.

„Für die gibt es in der Woche 20 Unterrichtsstunden bei uns an der Schule, 15 davon sind für das reine Deutsch-Lernen gedacht. Das kann schnell eintönig werden, so dass sie die Lust zu verlieren drohen“, beschreibt Andres. Deswegen biete der Musik-Unterricht neben Kunst und Sport etwas Auflockerung.

Der Sängerkreis Oder-Spree hat der Schule den Musikunterricht angeboten. „Wir wollen die Aussiedler, die noch nach Jahren kaum integriert sind, etwas aus der Isolation holen“, erklärt Sängerkreis-Chef Henry Klaus das Engagement von Ravva. Diese genießt die Arbeit mit den jungen Flüchtlingen sichtlich. „Setzt euch gerade hin. Dann bekommt ihr besser Luft fürs Singen“, mahnt die 60-Jährige, bevor sie wieder in die Gitarrensaiten greift.

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