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Fürstenwalde : Flüchtlings- und Anwohnerzeitung

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Eine Zeitung auf arabisch, englisch und deutsch? In Fürstenwalde widmen sich 20 Alteingesessene und Zugezogene diesem Projekt

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erstellt am 31.Mai.2016 | 05:00 Uhr

Essen und Unterkunft reichen nicht, findet George Marta. Der syrische Journalist lebt seit anderthalb Jahren in Fürstenwalde (Oder-Spree), nachdem er aus politischen Gründen die Heimat verlassen musste. Flüchtlinge wollten teilhaben am Leben in Deutschland, sagt der 57-Jährige. „Ich fühle mich inzwischen wohl in Fürstenwalde - dank meiner deutschen Freunde.“ Mit ihnen gründete Marta 2015 das ehrenamtliche Zeitungsprojekt „Zusammen leben“.

Das 30 Seiten starke Heft im A4-Format erscheint in einer Auflage von 500 Exemplaren alle drei Monate dreisprachig: Je eine Spalte pro Seite ist deutsch, arabisch und englisch geschrieben. Die Publikation richtet sich an Fürstenwalder, Alteingesessene und Zugezogene. „Zusammen leben ist nicht nur eine Zeitung, sondern ein Beitrag zur Integration“, sagt Marta, einziger Fachmann im 20-köpfigen Team „Zusammen leben heißt auch, zusammen zu arbeiten.“

Gemeinsam suchen die Macher Themen, die Stadtgespräch sind, stellen Projekte vor, greifen gesellschaftliche und politische Diskussionen auf, veröffentlichen Erfahrungsberichte. Gerade arbeiten sie an der 4. Ausgabe, die Ende Juni erstmals mit einer Kinderseite erscheint.

„Wir sind ein offenes Projekt, bekommen Gedichte, Karikaturen, Rezepte und Porträts von Lesern, die sich angesprochen fühlen“, sagt Sebastian Bernhardt, Leiter des soziokulturellen Zentrums „Club im Park“, in dem die Fäden zusammenlaufen.

„Am zeitaufwendigsten sind die Übersetzungen“, sagt Azubi Martin Hübner, zuständig für das Englische. Doch die seien wichtig, um viele Leser zu erreichen. „Viele Flüchtlinge fragen mich, wann endlich die nächste Ausgabe erscheint“, sagt der 19-Jährige. Über das Lesen und Schreiben entstünden Kontakte zwischen Deutschen und Migranten.

Finanziert wird die kostenlose Zeitung über Spenden. Vom Fürstenwalder Bürgerhaushalt bekam das Projekt mehrere Tausend Euro für Laptops, Kamera, Diktiergerät und Drucker. Im März wurde das trilinguale Zeitungsprojekt von der Stadt für sein soziales Engagement ausgezeichnet. Das Redaktionsteam bleibt bescheiden.

„Es gibt Fürstenwalder, die sich viel stärker engagieren, die Patenschaft gleich über mehrere Flüchtlingsfamilien übernommen haben“, sagt Bernhardt. „Den Preis bekam die Zeitung zu Recht“, meint Integrationsmanagerin Katja Hoffmann,. „Mit der Mehrsprachigkeit gelingt die Einbeziehung von Ausländern, so dass sie sich auch kulturell aufgehoben fühlen und ein Sprachrohr haben.“ Das erhöhe die Chance, dass Zuwanderer blieben und nicht in Großstädte abwanderten. 2800 Migranten leben in der Stadt. „Wir müssen das Potenzial nutzen“, sagt Hoffmann.

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