Polizeidrohnen : Fliegende Augen aus Brandenburg

Die Polizei Berlin demonstriert auf dem Übungsgelände in Berlin-Spandau den Einsatz einer neuen Drohne.
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Die Polizei Berlin demonstriert auf dem Übungsgelände in Berlin-Spandau den Einsatz einer neuen Drohne.

Die Berliner Polizei setzt Drohnen aus der Mark zur Spurensuche ein

svz.de von
15. September 2017, 21:00 Uhr

Die Berliner Polizei nutzt bislang zwei Drohnen zur Dokumentation von Orten, an denen sich schwere Verbrechen oder Unfälle ereignet haben. Die Fluggeräte wurden von einem Unternehmen in Brieselang produziert. Dort registriert man eine immer größere Nachfrage von Behörden.

Thomas Kuntzagk würde sein Arbeitswerkzeug niemals als Drohne bezeichnen. Und sich selbst nicht als Drohnenpiloten. Seine umständliche Dienstbezeichnung lautet „Luftfahrzeugfernlenkführer“. Das Wort sei zwar etwas sperrig, aber eben unbelastet, sagt der 38-jährige Mitarbeiter des Landeskriminalamtes, der dort für Dokumentationen zuständig ist. Die Vorsicht ist nicht unbegründet. Schließlich wird der Einsatz der unbemannten Fluggeräte bei der Polizei von Datenschützern und Bürgern, die den Aufbau eines Überwachungsstaat befürchten, kritisch verfolgt. Während Hunderttausende private Drohnen in Deutschland durch die Luft schwirren, dosieren Sicherheitsbehörden die Flugstunden. Es gibt klare Grenzen für die Einsätze.

„Wir hatten zuletzt viel mit Vermessungsarbeiten von Unfallorten zu tun“, sagt Kuntzagk. Dafür wurden die von sechs beziehungsweise acht Propellern angetriebenen Copter mit hochauflösenden Kameras bestückt. Auch in einem aktuellen Fall kam eine Polizei-Drohne zum Einsatz. Nach dem Mord an der Kunsthistorikerin Susanne F. haben Ermittler am vergangenen Dienstag den Fundort der Leiche im Berliner Tiergarten vermessen, zudem wurden nahegelegene Gleise untersucht. „Dafür wurde ein Zeitfenster genutzt, in dem kein Zug gefahren ist“, sagt Polizeisprecher Winfried Wenzel. „Auch ein Teil des Tiergartens wurde abgesperrt.“ Jeder kleine Hinweis, der auf diese Weise entdeckt wird, sei hilfreich für die Ermittlungen. Inzwischen wurde ein Tatverdächtiger festgenommen.

Knapp 120 Drohnen-Einsätze wurden bei der Polizei im vergangenen Jahr registriert, seit Januar waren es mehr als 70. Dabei sind durchaus mehr Einsatzgebiete als die Dokumentation von Tatorten oder Unfallorten sowie die Aufdeckung von Umweltdelikten denkbar. Das Filmen von Demonstrationen sei aus Datenschutzgründen jedoch absolut tabu, verdeutlicht Wenzel.

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