Ein Haus wie ein Flugzeug : Fliegen mit Willi in der Uckermark

Wilfried Bergholz steht vor dem Flugsportinformationszentrum Gellmersdorf
Wilfried Bergholz steht vor dem Flugsportinformationszentrum Gellmersdorf

Wilfried Bergholz wohnt in einem „Flugzeug“ mitten in der Uckermark – In Gellmersdorf schuf er mit Freunden eine perfekte Illusion

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25. November 2017, 16:00 Uhr

Dass Wilfried Bergholz gern in die Luft geht, liegt auf der Hand. In seiner zweiten Heimat, der Uckermark, düst der Berliner gern mit seinem 30 Jahre alten, roten Ultraleichtflieger umher und fotografiert den Landstrich von oben. Seine Aufnahmen in Kalendern und Büchern sind in der Region populär

Wenn er nicht fliegt, wohnt der 63-Jährige, den alle nur Willi nennen, am Rande von Gellmersdorf in einem 34 Meter langen Gebäude, das auf den ersten Blick wie ein Flugzeug aussieht. „Ich wollte dem Flugzeug 152 ein Denkmal setzen“, erzählt der gebürtige Greifswalder. Fragende Blicke seiner Gäste ist der dreifache Vater gewohnt. Kaum jemand kennt das erste deutsche Düsenflugzeug für Passagiere, von dem ab 1958 nur zwölf Maschinen in Dresden gebaut worden waren, bevor die Produktion aus Kostengründen eingestellt wurde. „Ich habe mit 14 Jahren mit Segelflug begonnen und mich für alles rund ums Fliegen interessiert, so auch für diese ingenieurtechnische Meisterleistung und Legende“, sagt Bergholz. Wer mehr wissen möchte, kann durch die kleine Ausstellung im Inneren des Gellmersdorfer „Flugzeuges“ gehen.

Ab 2010 hatten Bergholz und der Flugsportverein Crussow ihr Flugsportinformationszentrum aus dem früheren Schweinestall gezaubert. „Es war seine Idee und er hat es durchgezogen“, sagt Wolfgang Hesse vom Flugsportverein anerkennend, der Bergholz als ausgesprochenen „Gutmenschen“ charakterisiert. Der Verein hat in dem Bauwerk seinen Sitz, Willi lebt hier, wenn er in der Uckermark ist.

Im Ausstellungsraum stehen Stuhlreihen vor einem riesigen Flachbildfernseher. „Der Gellmersdorfer Dorfverein macht hier Veranstaltungen“, sagt Bergholz. Als er in den 80er Jahren erstmals in die Uckermark auftauchte, ging er auf die Nachbarn zu, half bei der Ernte, mistete aus und war ganz schnell nicht mehr der Zugereiste. Jedes Gehöft in dem 120-Seelen-Ort hat er von oben fotografiert, die Bilder den Bewohnern geschenkt.

„Ich wollte immer andere an meiner Vogelperspektive teilhaben lassen“, begründet Bergholz, warum er mit dem Fotografieren aus der Luft begann. Den Steuerknüppel des Fluggerätes hält er mit den Knien fest, die Blende der Kamera wird nachjustiert und los geht es. Jedoch gelingen die Luftbildaufnahmen nur bei strahlend blauem Himmel. „Wolken werfen Schatten“, sagt er. Endlose Buchenwälder, herrliche Seen, sanfte Hügel - die Uckermark sei vielfältig und eine der schönsten Landschaften Deutschlands, sagt der 63-Jährige überzeugt. „Selbst im Urlaub fahren wir nirgends woanders hin.“

Die Aufnahmen seien wunderschön, Willi habe einen Blick für die Natur, sagt Beate Blahy vom Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin. „Von oben hat er eine andere Sicht auf die sich vermehrenden Windräder und kämpft gegen die Vergrößerung der Bereiche“, sagt sie.

Ursprünglich hatte sich Bergholz wie andere Künstler aus dem Ostteil Berlins im Oderbruch ansiedeln wollen. „Wegen der Kinder wollte jeder raus aus der Großstadt. Ich habe dort aber nichts Passendes gefunden“, bekennt der Mann mit dem wirren Haarschopf. Damals arbeitete er als Journalist, schrieb Kurzgeschichten, Kinderbücher und Texte für das Kindermusiktheater von „Ulf und Zwulf“. Ein Freund nahm ihn mit nach Gellmersdorf, zusammen bauten sie eine frühere Kita zum Doppel-Wohnhaus aus. Dort begann er, in seinem Studienberuf als Kinderpsychologe zu arbeiten.„Zwölf Jahre lang habe ich mich um verhaltensauffällige Mädchen und Jungen gekümmert, einige lebten mit auf unserem Hof, wuchsen zusammen mit meinen Kindern in Gellmersdorf auf“, erzählt Bergholz, der stolz ist, zu den meisten noch Kontakt zu haben. Er ist mit der Familie zurück nach Berlin gegangen, hat wieder mit dem Schreiben begonnen.

Doch so ganz kann „Willi, der Dichter“ oder „Willi, der Flieger“, wie er von den Nachbarn genannt wird, nicht von seiner zweiten Heimat lassen. „Als der 1992 mit seiner knallroten Maschine erstmals hier landete, war das ein großes Ereignis“, erinnert sich Annegret Frick, Frau des Gellmersdorfer Ortsvorstehers.

Inzwischen erkennen die Nachbarn den Flieger schon am Brummen. „Willi ist wieder in der Luft“, heißt es dann über den 63-Jährigen, der aus Sicht von Frick „schon ein bisschen verrückt“ ist. Bergholz sei ein typischer Künstler, etwas eigen, aber durchaus bodenständig, so Hesse. „Wir als Verein haben den einzigen Flugplatz in der Uckermark gebaut“, betont Bergholz. Stolz sind Hesse und er auf die Flugzeugillusion der Maschine 152, eines der beliebtesten Fotoobjekte um Angermünde.

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